Social-Media-Sucht, Jugendliche

Social-Media-Sucht: 80 Prozent der Jugendlichen kennen Betroffene

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 05:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine Postbank-Umfrage zeigt, wie verbreitet Jugendliche problematische Social-Media-Nutzung in ihrem Umfeld wahrnehmen. Zugleich weisen Gesundheitsstudien auf eine große Zahl junger Menschen mit riskantem oder krankhaftem Nutzungsverhalten hin.

Postbank-Umfrage unter Jugendlichen

  • Die Befragung erfasste die EinschĂ€tzung von 1.000 Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren.
  • Die Teilnehmer wurden im Juli ĂŒber das Online-Panel Toluna befragt.
  • 82 Prozent der MĂ€dchen und Frauen sowie 78 Prozent der Jungen und MĂ€nner sahen Social-Media-Sucht im Umfeld.
Viele junge Menschen meinen: In meinem Umfeld gibt es Menschen, die sĂŒchtig nach sozialen Medien sind. (Symbolbild) - Bild: Elisa Schu/dpa

Jugendliche sehen Social-Media-Sucht bei Bekannten

Acht von zehn Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren sagen einer Postbank-Umfrage zufolge, dass es in ihrem Umfeld Menschen mit Social-Media-Sucht gibt. MĂ€dchen und Frauen Ă€ußerten diese EinschĂ€tzung mit 82 Prozent etwas hĂ€ufiger als Jungen und MĂ€nner mit 78 Prozent.

DAK-Studie nennt rund 350.000 Betroffene

Als Social-Media-Sucht gilt eine Nutzung, bei der Betroffene lĂ€nger als geplant online bleiben und dadurch Nachteile in anderen Lebensbereichen entstehen. Nach Angaben der Krankenkasse DAK-Gesundheit nutzen mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen soziale Medien in riskantem oder krankhaftem Ausmaß.

Etwa 350.000 Kinder und Jugendliche gelten demnach als sĂŒchtig nach sozialen Medien. Auch bei Erwachsenen stellte das Forschungs- und Behandlungszentrum fĂŒr psychische Gesundheit der UniversitĂ€t Bochum bei mehr als einem Viertel eine suchtartige Nutzung fest.

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Jugendliche meiden aggressive KanÀle

Mehr als die HĂ€lfte der Befragten gab an, bereits einen abonnierten Kanal verlassen zu haben, weil dort aus ihrer Sicht zu viel Aggression oder Unwahrheiten verbreitet wurden. Mehr als ein Drittel deaktivierte deshalb schon einmal das eigene Profil und legte damit eine Pause bei einer Plattform ein.

Im Vergleich zu den beiden Vorjahren erklÀrten etwas weniger junge Menschen, diesen Schritt bereits gegangen zu sein. David Dommel, Leiter digitales Performance-Marketing der Postbank, wertete die Ergebnisse als Hinweis darauf, dass Jugendliche die Risiken sozialer Netzwerke kritisch reflektierten.

1.000 Jugendliche online befragt

Die Postbank bezeichnet die Jugend-Digitalstudie 2026 als reprĂ€sentativ. DafĂŒr wurden im Juli 1.000 Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren ĂŒber das Online-Panel Toluna befragt.

Die Umfrage ordnet Social-Media-Sucht nicht nur als individuelles Problem ein, sondern als Thema, das Jugendliche in ihrem unmittelbaren Umfeld wahrnehmen. Dass acht von zehn Befragten entsprechende FÀlle kennen, beschreibt zunÀchst eine EinschÀtzung und keine medizinische Diagnose. Der Begriff Suchtverhalten bezieht sich fachlich auf eine Nutzung, die sich nicht mehr ausreichend steuern lÀsst und andere Lebensbereiche beeintrÀchtigt.

Die von der DAK genannten rund 350.000 betroffenen Kinder und Jugendlichen verdeutlichen die GrĂ¶ĂŸenordnung. Riskante Nutzung kann sich unter anderem auf Schlaf, Schule, psychische Gesundheit und soziale Beziehungen auswirken. Zugleich bedeutet eine intensive Nutzung nicht automatisch eine AbhĂ€ngigkeit; entscheidend sind Kontrollverlust und negative Folgen im Alltag.

Regeln und Medienkompetenz

Die Ergebnisse fallen in eine Debatte ĂŒber den Umgang mit sozialen Netzwerken, Schutzmechanismen der Plattformen und die Verantwortung von Familien, Schulen und Anbietern. Jugendliche reagieren laut der Befragung teilweise selbst mit RĂŒckzug, wenn KanĂ€le von ihnen als aggressiv oder unwahr wahrgenommen werden. Das zeigt eine aktive Auseinandersetzung mit Inhalten, ersetzt aber keine UnterstĂŒtzung bei problematischem Nutzungsverhalten.

FĂŒr Eltern und pĂ€dagogische FachkrĂ€fte liegt die praktische Bedeutung deshalb vor allem in der Beobachtung konkreter VerĂ€nderungen: weniger Schlaf, nachlassende Leistungen, RĂŒckzug oder Streit ĂŒber die Nutzung können Hinweise auf Belastungen sein. Beratungsangebote und klare, gemeinsam vereinbarte Regeln sind besonders dann sinnvoll, wenn Betroffene die Nutzung allein nicht mehr begrenzen können.

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