Drittes Kind stirbt nach Messerangriff in England
30.07.2024 - 14:49:27Ein drittes Kind ist nach dem Messerangriff in der britischen Stadt Southport an seinen Verletzungen gestorben. Es handele sich um ein neunjĂ€hriges MĂ€dchen, teilte die Merseyside Police mit. Ărzte kĂ€mpfen um die Leben von fĂŒnf weiteren Kindern und zwei Erwachsenen, die schwer verletzt wurden.Â
Nach einer Mahnwache kam es Abend zu Ausschreitungen. Zahlreiche Menschen bewarfen erst eine Moschee mit GegenstĂ€nden und gingen dann mit Pflastersteinen auf Polizisten los. Ein Polizeiwagen wurde in Brand gesetzt, mindestens eine Beamtin wurde verletzt.Â
Hintergrund sind nach EinschĂ€tzung von Reportern vor Ort falsche Berichte ĂŒber die Herkunft des mutmaĂlichen TĂ€ters. Rechte Online-Accounts hatten gestreut, es handele sich um einen Migranten mit Arabisch klingendem Namen. TatsĂ€chlich ist der 17 Jahre alte TatverdĂ€chtige Sohn eines Paares, das aus Ruanda stammt und wurde in der walisischen Hauptstadt Cardiff geboren, bevor er 2013 in die Region Southport zog.
Insgesamt wurden noch acht Kinder in Kliniken behandelt. Premierminister Keir Starmer dankte bei einem Besuch den RettungskrÀften und Ersthelfern.
Taylor Swift mit emotionaler Nachricht
Bei der Attacke waren am Montag zwei MĂ€dchen getötet worden. Es handele sich um eine Sechs- und eine SiebenjĂ€hrige, teilte die Polizei nun mit. Die Kinder hatten an einer Ferienfreizeit zum Thema Taylor Swift teilgenommen. Der US-Megastar zeigte sich in einer emotionalen Nachricht erschĂŒttert.
«Der Schrecken des gestrigen Angriffs in Southport geht mir noch immer durch den Kopf und ich stehe völlig unter Schock», schrieb die 34-JĂ€hrige in ihrer Instagram-Story. «Das waren nur kleine Kinder bei einem Tanzkurs. Ich weiĂ ĂŒberhaupt nicht, wie ich diesen Familien jemals mein MitgefĂŒhl aussprechen soll.»Â
Die SÀngerin trauerte um «den Verlust von Leben und Unschuld» und erinnerte an das «entsetzliche Trauma» der Angehörigen sowie der Ersthelfer.
Ferienfreizeit zum Thema Taylor SwiftÂ
Der Ferienkurs fĂŒr Kinder zwischen sechs und elf Jahren war mit 25 Teilnehmern ausgebucht, wie die BBC berichtete. Auf dem Plan standen demnach ein Tanz- und Yoga-Workshop sowie das Basteln von ArmbĂ€ndern, wie sie viele Taylor-Swift-Fans tragen. Die Spendenaktion eines Swift-Fans zugunsten der Angehörigen brachte bisher rund 234.000 Pfund (277.700 Euro) ein. Auch auf anderen Plattformen wurden Zehntausende Pfund gesammelt.
Der mutmaĂliche TĂ€ter, der am Tatort festgenommen worden war, wurde weiter befragt. Das Motiv ist bisher unklar. Es handelt sich nach EinschĂ€tzung der Polizei um einen EinzeltĂ€ter. Es werde nach keiner anderen Person gefahndet, hieĂ es. Von einer Terrortat gehen die Ermittler derzeit nicht aus. Die Polizei wies darauf hin, dass ein im Internet als TĂ€ter kursierender Name falsch sei.
Eine Stadt steht unter Schock
Die nordwestenglische Stadt Southport mit gut 90.000 Einwohnern zwischen Liverpool und Blackpool steht unter Schock. Einige LĂ€den schlossen aus Respekt vor den Opfern, der örtliche FuĂballclub Southport FC sagte ein Testspiel ab.
Der Tatort war weitrĂ€umig abgesperrt. Trauernde legten Blumen, handschriftliche Briefe und Kuscheltiere nieder. Am Abend gedachten Hunderte Menschen bei einer Mahnwache der Opfer; sie hielten eine Schweigeminute ab und zĂŒndeten Kerzen an.
Premierminister Starmer sagte bei einem Treffen mit RettungskrÀften, er sei stolz auf ihren selbstlosen Einsatz. «Dank dem, was Sie gestern getan haben, sind heute Kinder am Leben. Das ist unglaublich. Das ist, was Sie jeden Tag tun, aber es sind die schwierigsten UmstÀnde», sagte Starmer.
Auch Innenministerin Yvette Cooper machte sich vor Ort einen Eindruck. Sie betonte, die neue Starmer-Regierung werde konsequent gegen die in GroĂbritannien weit verbreitete Messergewalt vorgehen. «Alle sind in Gedanken bei den verletzten Kindern, und wir beten fĂŒr sie», sagte die Ministerin.





