HĂ€lfte, Erwachsenen

Nur noch die HĂ€lfte aller Erwachsenen ist verheiratet

04.02.2025 - 10:26:36

SpĂ€ter, seltener, bewusster: Die Zahl der Verheirateten sinkt seit Jahrzehnten, wĂ€hrend immer mehr Menschen ledig bleiben. Ein Experte sieht darin auch Vorteile fĂŒr Beziehungen.

Jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist verheiratet. Wie Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden zeigen, lebten Ende 2023 rund 35 Millionen Menschen in einer Ehe - das entspricht gut 50 Prozent der deutschen Bevölkerung ĂŒber 18 Jahren. 

Die Zahl der Verheirateten sinkt jedoch seit Jahren nahezu kontinuierlich: Vor 30 Jahren hatten noch rund 39 Millionen erwachsene Menschen in einer Ehe gelebt, das waren 60 Prozent aller Erwachsenen. Folglich stieg im selben Zeitraum die Zahl der volljÀhrigen ledigen Personen. Ende 2023 waren 22,6 Millionen Menschen ab 18 Jahren ledig, also nicht verheiratet, verwitwet oder geschieden. 1993 waren es noch gut 15,8 Millionen. Ihr Anteil an der Bevölkerung stieg von 24 auf 33 Prozent.

Auch das Alter der Menschen bei ihrer Hochzeit spielt eine Rolle. So sind Menschen bei ihrer ersten Heirat immer Ă€lter. Das Durchschnittsalter bei der ersten Eheschließung stieg binnen 30 Jahren um rund sechs Altersjahre und erreichte 2023 einen neuen Höchststand: Im Jahr 2023 waren Frauen bei ihrer ersten Heirat im Schnitt 32,8 Jahre alt, MĂ€nner 35,3 Jahre. 1993 hatte das Durchschnittsalter bei der ersten Eheschließung fĂŒr Frauen noch bei 26,8 Jahren und fĂŒr MĂ€nner bei 29,2 Jahren gelegen. 

Auch Scheidungen auf niedrigem Stand

FĂŒr den Psychotherapeuten Wolfgang KrĂŒger aus Berlin hat das mehrere GrĂŒnde: «Wir sind meistens nicht unbedingt darauf erpicht, um jeden Preis zu heiraten», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. FrĂŒher sei das der Fall gewesen, «weil man oft abhĂ€ngig war vom anderen, auch finanziell». Zudem sei auch die niedrige Geburtenquote ein Grund. Ohne Nachwuchs stelle sich oft die Frage nach der Heirat nicht. 

2023 sank die Zahl der Eheschließungen mit 361.000 auf den zweitniedrigsten Stand seit 1950. Auch die Zahl der Scheidungen ist auf einem historisch niedrigen Stand. 2023 wurden rund 129.000 Ehen durch richterlichen Beschluss getrennt - der niedrigste Wert seit der Deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 und zugleich der zweitniedrigste seit 1950. 

Experte: Hochzeiten von heute oft geprĂŒfte Beziehungen

«Diejenigen, die heiraten, heiraten sehr bewusst, weil sie auch in spĂ€teren Jahren heiraten», sagte KrĂŒger dazu. «Also wir heiraten dann, wenn wir mehr Erfahrung haben, was Liebe anbetrifft, was Menschen anbetrifft, wenn wir in unserer Persönlichkeitsentwicklung bereits etwas vorangeschritten sind.» Und viele heirateten im Allgemeinen erst dann, wenn sie den Betreffenden kennen und mit ihm zusammenwohnen. 

Der Psychotherapeut beobachte oft einen «Dreierschritt» in Beziehungen: Die Beziehung eingehen, nach einer gewissen Zeit zusammenziehen und erst spĂ€ter heiraten. All diese Faktoren wĂŒrden letztlich zu langlebigeren und funktionierenden Ehen fĂŒhren: «Insofern sind die Hochzeiten von heute oft geprĂŒfte Beziehungen.»

@ dpa.de