Frauen bekommen hÀufiger die Diagnose Endometriose
01.02.2024 - 05:10:54Gesetzlich versicherte Frauen in Deutschland haben zunehmend die Diagnose Endometriose erhalten. Ărztinnen und Ărzte stellten die chronische gynĂ€kologische Erkrankung 2022 bei 9,5 von 1000 Frauen fest, ein Anstieg um 65 Prozent im Vergleich zu 2012. Das geht aus einer Studie des Zentralinstituts fĂŒr die kassenĂ€rztliche Versorgung in Deutschland (Zi) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Anstieg sei tendenziell eher auf ein verstĂ€rktes Bewusstsein fĂŒr die Krankheit bei Patientinnen und Ărzten zurĂŒckzufĂŒhren und nicht unbedingt auf eine RisikoverĂ€nderung, schreiben die Fachleute.
Grundlage der Studie waren krankenkassenĂŒbergreifende Abrechnungsdaten von mehr als 35 Millionen gesetzlich versicherten MĂ€dchen ab zehn Jahren und Frauen in Deutschland. Laut der Analyse wurde die Diagnose Endometriose 2022 bei fast 340.000 Patientinnen dokumentiert, die im Median 40 Jahre alt waren. Auszugehen sei wahrscheinlich von einem erheblichen Verzug, bis die Krankheit festgestellt wird, geht aus der Studie hervor. Im Durchschnitt trĂ€ten erste Symptome mit etwa 21 Jahren auf.
Betroffene leiden oft an starken Schmerzen
Endometriose gilt laut Zi als eine der hĂ€ufigsten gynĂ€kologischen Erkrankungen bei MĂ€dchen und Frauen. Bei der Krankheit wĂ€chst Gewebe, das der GebĂ€rmutterschleimhaut Ă€hnelt, auch auĂerhalb der GebĂ€rmutter. Es baut sich im Zyklusverlauf ebenfalls regelmĂ€Ăig auf und ab, kann aber nicht abflieĂen. Je nach betroffenem Ort im Körper können diese sogenannten Endometriose-Herde durch Verwachsungen, Verklebungen und EntzĂŒndungen unterschiedliche Beschwerden verursachen. Möglich sind unter anderem KrĂ€mpfe und starke Schmerzen wĂ€hrend der Periode und beim Sex. Die Diagnose erfolgt manchmal erst bei einem unerfĂŒllten Kinderwunsch und der Suche nach Ursachen dafĂŒr. Es kommt aber auch vor, dass betroffene Frauen keine Beschwerden haben.
Immer noch hohe Dunkelziffer vermutet
Trotz Hinweisen auf ein gestiegenes Bewusstsein liegt die DiagnosehÀufigkeit laut der Studie hierzulande noch unter epidemiologischen SchÀtzungen. Das kann bedeuten, dass nach wie vor viele Frauen nichts von ihrer Erkrankung wissen und lange unbehandelt mit den Beschwerden leben.
Die hohe vermutete Dunkelziffer kann laut der Studie mehrere GrĂŒnde haben. Möglicherweise begĂ€ben sich Patientinnen erst spĂ€t in Behandlung. Beschwerden wĂ€hrend der Periode wĂŒrden hĂ€ufig bagatellisiert und als normal hingenommen. Auf Seite der Ărzte könne es an unzureichenden Abrechnungsmöglichkeiten und hohem Aufwand fĂŒr die Erfassung der relevanten Informationen liegen. So sei fĂŒr eine definitive Sicherung der Diagnose etwa einer Bauchspiegelung nötig, geht aus der Studie hervor.
Ursachen fĂŒr Endometriose unklar
Wie der Berufsverband der FrauenĂ€rzte auf seiner Webseite schreibt, ist unklar, wie Endometriose entsteht. Mehrere Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen, auch die Gene. Einer der Risikofaktoren könnte Fachleuten zufolge sein, dass Frauen heutzutage viel mehr Menstruationszyklen - und damit EntzĂŒndungsprozesse - durchlaufen als in frĂŒheren Zeiten. Unter anderem wegen des damals im Mittel jĂŒngeren Alters bei der ersten Schwangerschaft und insgesamt wesentlich mehr Schwangerschaften.
Um Beschwerden zu lindern, stehen laut FrauenĂ€rzte-Verband medikamentöse, hormonelle und operative Behandlungsmöglichkeiten zur VerfĂŒgung. Die in der Studie beobachtete Diagnosezunahme bedeutet nicht, dass auch mehr Frauen operiert wurden. «Der Anteil der Patientinnen, die operative Leistungen erhielten, war ĂŒber den Gesamtzeitraum konstant», heiĂt es in der Studie. Allerdings variierte demnach die Art der Eingriffe.


