Stephen King vollendet Talisman-Trilogie mit 800-Seiten-Roman
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 00:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Jacks Rückkehr nach Mittwelt
- Der dritte Talisman-Band führt den inzwischen 57-jährigen Jack Sawyer erneut in die Territorien.
- Stephen King schrieb den Roman allein, Peter Straub steht dennoch als Co-Autor auf dem Einband.
- Jack soll Informationen über das gefährliche Gebiet Schlund sammeln, während mehrere Welten kollidieren.
Stephen King vollendet mit „Andere als diese Welten“ die Talisman-Trilogie und schickt Jack Sawyer erneut zwischen der amerikanischen Realität und den Territorien auf eine gefährliche Reise.
Eine Reise zwischen zwei Welten
Im Mittelpunkt steht Jack, der inzwischen 57 Jahre alt, müde und von seiner Vergangenheit gezeichnet ist. Nach seiner lebensgefährlichen Verletzung kann er nur für kurze Zeit in die reale Welt der USA zurückkehren; bleibt er länger, wird es für ihn tödlich.
Als zielloser Emigrant in den Territorien erhält Jack von einem Provinzgouverneur den Auftrag, Informationen über den Schlund zu sammeln. Das mysteriöse Gebiet gilt als gefährlich und wird zum Zentrum der neuen Bedrohung.
Ein Mordpaar bedroht die Territorien
In den USA erfährt Jack, dass ein alter Freund ein mordendes Teenagerpaar verfolgt und verschwunden ist. Das Paar orientiert sich an der realen Mordserie von Charlie Starkweather und Caril Ann Fugate aus den späten 1950er Jahren.
Die Jugendlichen tauchen auch in den Territorien auf. Ihre Blutgier befällt dort weitere Teenager wie eine Seuche, während die Grenzen zwischen den Welten zunehmend verschwimmen.
King schreibt nach Straubs Tod allein
Peter Straub hatte King 2013 eine Idee für den dritten Band geschickt. Die Nachricht mit den Details ging verloren und wurde erst nach Straubs Tod 2022 im Archiv wiedergefunden.
King wich von Straubs ursprünglichem Vorschlag erheblich ab, erklärte aber, der Keim der Geschichte sei erhalten geblieben. Straub bleibt deshalb als Co-Autor genannt. Die ersten beiden Bände erschienen 1984 und später mit „Das schwarze Haus“ als deutlich anders angelegter zweiter Teil.
Fesselnde Momente und erzählerische Längen
Der Roman bietet nach der vorliegenden Besprechung starke Horrormomente und eine ausführliche Charakterzeichnung. Kings an Alltagssprache orientierter Stil verleiht den Figuren Eigenheiten und lässt die fremde Welt anschaulich entstehen.
Gleichzeitig zieht sich die 800 Seiten umfassende Reise vor allem am Anfang. Rückblicke in Jacks Tagebuch helfen neuen Leserinnen und Lesern beim Verständnis, bremsen aber ebenso wie wiederkehrende Motive den Fortgang der Handlung.
Abschluss einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit
Mit „Andere als diese Welten“ endet eine Buchreihe, deren Ursprung fast vier Jahrzehnte zurückliegt. „Der Talisman“ verband bereits 1984 Fantasy, Coming-of-Age und die Idee paralleler Wirklichkeiten. „Das schwarze Haus“ verschob den Schwerpunkt später in Richtung Horror und ließ die Geschichte um Jack Sawyer mit einem Cliffhanger offen.
Der dritte Band steht zugleich im Zeichen des Todes von Peter Straub. Straub entwickelte den Ausgangsimpuls für die Fortsetzung, starb jedoch 2022. Stephen King führte das Projekt allein aus und beließ Straub dennoch als Co-Autor auf dem Einband. Dadurch ist der Roman nicht nur eine Fortsetzung der Handlung, sondern auch der Abschluss einer langjährigen literarischen Partnerschaft.
Fantasy, Horror und ein umfangreicher Schluss
Die neue Geschichte knüpft an zentrale Motive der Reihe an: den Wechsel zwischen der amerikanischen Realität und den Territorien, die Gefährdung mehrerer Welten sowie Jacks persönliche Erschöpfung. Der 800-Seiten-Umfang erweitert den erzählerischen Raum, verlangt Leserinnen und Lesern aber auch Ausdauer ab.
Für das Publikum ist der Band deshalb doppelt angelegt: Kenner der ersten Bücher erhalten die Fortsetzung von Jacks Lebensweg, während Neueinsteiger mit Rückblicken in die Vorgeschichte eingeführt werden. Diese Rückblicke erleichtern zwar den Zugang, können den Fortgang aber verlangsamen. Der Roman markiert damit weniger einen Neustart als die abschließende Rückkehr in ein bereits komplex ausgebautes Universum.
