Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein

Schlepper nimmt Barge mit Wal auf den Haken

Veröffentlicht am: 28.04.2026 um 21:06 Uhr | dpa.de

Stundenlang zogen Helfer den Wal mit Gurten durchs flache Wasser, dann TrĂ€nen und Jubel: Jetzt soll es auf einem Lastkahn Richtung Nordsee gehen. Doch kann der Wal die Reise wirklich ĂŒberleben?

Jetzt hat sich die Barge mit dem Wal in Bewegung gesetzt. - Bild: Stefan Sauer/dpa
Jetzt hat sich die Barge mit dem Wal in Bewegung gesetzt. - Bild: Stefan Sauer/dpa

Ein Schlepper hat die Barge mit dem an der OstseekĂŒste gestrandete Buckelwal ĂŒbernommen. Auf Livestreams war zu sehen, wie der mit Wasser gefĂŒllte Lastkahn, mit dem der Wal in die Nordsee gebracht werden soll, von kleineren Booten aus der Kirchsee der Insel Poel heraus in die Wismarbucht gebracht wurde. Dort nahm der Schlepper «Robin Hood» ihn auf den Haken. 

Der seit dem 31. MÀrz vor Poel festliegende MeeressÀuger war zuvor durch eine eigens gebaggerte Rinne zu der Barge bugsiert worden. Der motorlose Lastkahn mit dem Wal soll nun nach Angaben von Vertretern der privaten Rettungsaktion auf dem Weg zur Nordsee von dem Schlepper gezogen und dabei von einem weiteren Schiff begleitet werden. 

Helfer zogen den Wal stundenlang zum Lastkahn 

Die Verbringung des Tiers in die Barge hatte am Vormittag begonnen und mehrere Stunden gedauert. Mitglieder des Rettungsteams zogen den Wal mit Gurten zu dem Lastkahn. Um 14.45 Uhr war das Tier schließlich in dem abgesenkten Kahn. Anschließend wurde ein Netz aufgespannt, um zu verhindern, dass der Wal wieder heraus schwimmt.

«Mir fÀllt wirklich ein Stein vom Herzen», sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD) im Hafen von Kirchdorf. «Ich war auch kurz davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf den letzten Meter mitzuhelfen». Er habe sich dann aber zusammengerissen. Der Minister gestand, er habe auf dem Schiff, von wo er die Aktion beobachtete, geweint. 

Nach der Aktion fielen sich die Helfer der privaten Rettungsinitiative im Hafen in die Arme, bei manchem rollte eine TrÀne der Erleichterung nach Wochen der Anspannung. Bei ihrer Ankunft im Hafen von Kirchdorf wurden sie von den Anwesenden teils mit Jubel und Klatschen empfangen. «Die Hoffnung haben wir nie aufgegeben», sagte eine Schaulustige vor Ort.

Weg Richtung Nordsee soll ĂŒber Skagerrak fĂŒhren

Unklar war zunĂ€chst noch die Route, die der Schleppverband mit dem Wal in die Nordsee nehmen wird. FrĂŒhere PlĂ€ne sahen einen Kurs entlang der dĂ€nischen KĂŒste Richtung Skagerrak vor. Möglich wĂ€re auch, dass der Weg durch den Nordostseekanal zunĂ€chst in die Deutsche Bucht fĂŒhren könnte.

VeterinĂ€rmediziner sollen den Wal auf seiner mehrtĂ€gigen Fahrt in Richtung Nordsee begleiten, wie es hieß. 

Offen ist auch, ob der Wal den Transport ĂŒberlebt und ob er in der Nordsee oder im Atlantik ĂŒberleben kann. Wissenschaftler hatten vermutet, dass er immer wieder flaches Wasser aufsuchte, weil er geschwĂ€cht war und sich ausruhen wollte. 

Erste Sichtung des Wals schon Anfang MĂ€rz

Der Buckelwal war nach Angaben der Behörden erstmals Anfang MĂ€rz in KĂŒstennĂ€he aufgetaucht, zunĂ€chst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. MĂ€rz strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Dem Tier gelang es, das flache Wasser ĂŒber eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar.

Schließlich schwamm es in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber weniger Stunden spĂ€ter am Ausgang der Bucht wieder fest.

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