Tallinn, Lieferroboter

Tallinn: Lieferroboter fährt nach Busunfall mit neun Verletzten weiter

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 18:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bei einem Zusammenstoß in Tallinn stürzten im Bus bis zu neun Menschen. Der Hersteller Starship Technologies schaltete nach dem Vorfall die Polizei ein und untersucht den Ablauf.

Folgen für Busverkehr und Lieferroboter

  • Der Stadtbus bremste an einer Kreuzung in Tallinn abrupt, nachdem der Roboter in die Fahrbahn geraten war.
  • Bis zu neun stehende Fahrgäste stürzten und wurden bei dem Unfall verletzt.
  • Starship Technologies kontaktierte die Polizei und leitete eine Untersuchung zu den Unfallumständen ein.
  • Solche Lieferroboter des Unternehmens Starship Technologies wurden auch in Deutschland bereits getestet. (Symbolbild) - Bild: picture alliance / dpa
  • Ein Bus erfasste den selbstfahrenden Lieferroboter an einer Kreuzung. (Symbolbild) - Bild: Stringer/AFI/EPA/dpa
Solche Lieferroboter des Unternehmens Starship Technologies wurden auch in Deutschland bereits getestet. (Symbolbild) - Bild: picture alliance / dpa Ein Bus erfasste den selbstfahrenden Lieferroboter an einer Kreuzung. (Symbolbild) - Bild: Stringer/AFI/EPA/dpa

Roboter missachtet rote Ampel in Tallinn

In Tallinn ist ein selbstfahrender Lieferroboter mit einem Stadtbus zusammengestoßen und anschließend weitergefahren. Bis zu neun Menschen wurden verletzt, als der Busfahrer an einer Kreuzung abrupt bremste und stehende Fahrgäste stürzten.

Busfahrer verhindert direkten Zusammenstoß

Nach Angaben der Tallinner Verkehrsbetriebe TLT soll der Roboter am Montag eine rote Ampel missachtet haben und in die Kreuzung eingefahren sein. Der Busfahrer und weitere Verkehrsteilnehmer bestätigten den Ablauf dem estnischen Rundfunk zufolge.

Lieferfahrzeug fährt nach Kollision weiter

Der Roboter wurde durch die Bremsung und den Zusammenstoß über die Straße geschleudert. Danach verließ er den Unfallort und fuhr weiter.

Hersteller schaltet Polizei ein

Pepe Aaviksoo vom Hersteller Starship Technologies erklärte, das Unternehmen sei über den Unfall informiert. Starship kontaktierte die Polizei und leitete eine interne Untersuchung ein.

In Estland fahren die Roboter vollautomatisch auf Gehwegen und liefern Lebensmittel, Essen oder Pakete aus. Sie können bis zu 15 Kilogramm über eine Entfernung von fünf Kilometern transportieren und erfassen ihre Umgebung mit mehreren Kameras.

Millionen autonome Lieferungen

Nach Angaben des Unternehmens sind die Roboter in sieben Ländern im Einsatz. Sie hätten bislang elf Millionen autonome Lieferungen durchgeführt und dabei 24 Millionen Kilometer zurückgelegt.

Der Rundfunk berichtete zuletzt im April 2020 über eine Kollision zwischen einem Lieferroboter und einem Bus. Auch in Deutschland wurden die Starship-Fahrzeuge unter anderem von Rewe und MediaMarkt auf öffentlichen Straßen getestet.

Der Unfall in Tallinn macht sichtbar, dass autonome Lieferroboter zwar klein und langsam sind, sich aber in ein komplexes Verkehrssystem einfügen müssen. Ihre wichtigste Einsatzfläche sind Gehwege; an Kreuzungen treffen sie dennoch auf Busse, Autos, Fahrräder und Fußgänger. Schon ein einzelner Fehler oder ein Missverständnis kann deshalb Folgen für viele Menschen haben, wie die gestürzten Buspassagiere zeigen.

Starship Technologies betreibt solche Roboter in mehreren Ländern. Nach Angaben des Unternehmens haben die Fahrzeuge bereits Millionen autonome Lieferungen absolviert. Diese große Zahl erklärt, warum der Hersteller den Unfall als seltenen Vorfall einordnet, ersetzt aber nicht die Untersuchung des konkreten Ablaufs. Entscheidend ist, ob der Roboter die rote Ampel falsch erkannt, technische Probleme hatte oder durch die Verkehrssituation fehlgeleitet wurde.

Regeln für autonome Lieferfahrzeuge

Der Vorfall berührt außerdem eine grundsätzliche Frage der Verkehrssicherheit: Wer trägt die Verantwortung, wenn ein autonomes Fahrzeug eine Kreuzung falsch einschätzt und anschließend den Unfallort verlässt? Polizei, Verkehrsunternehmen und Hersteller müssen dafür technische Daten, Videoaufnahmen und Zeugenaussagen zusammenführen. Für Städte bedeutet der Unfall, dass Zulassung, Überwachung und Notfallkommunikation solcher Fahrzeuge mit dem wachsenden Einsatz Schritt halten müssen.

Für Fahrgäste und andere Verkehrsteilnehmer bleibt die unmittelbare Folge unabhängig von der Größe des Roboters dieselbe: Eine abrupte Reaktion eines Busses kann Verletzungen verursachen. Die interne Untersuchung von Starship und die polizeiliche Prüfung dürften daher nicht nur den Einzelfall klären, sondern auch Hinweise für den weiteren Einsatz autonomer Lieferroboter in Tallinn und anderen Städten liefern.

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