Mehr GrĂŒn auf SpielplĂ€tzen - besser fĂŒr Kinder und Klima
06.08.2023 - 08:17:18Hitze oder Starkregen stellen auch Spielplatz-Planer vor neue Herausforderungen. Die PlĂ€tze mĂŒssen so gestaltet sein, dass sie extremen Wetterbedingungen standhalten und gleichzeitig kinderfreundlich sind. Der Dortmunder Stadtplaner Peter Apel fordert, dass SpielplĂ€tze mindestens zu einem Drittel, besser noch zur HĂ€lfte, aus StrĂ€uchern und BĂ€umen bestehen sollten.Â
Das sei gut fĂŒr Kinder und Klima: «Durch BegrĂŒnung hat man zwei Ziele integriert: Zum einen kinderfreundliche Planung, zum anderen haben SpielplĂ€tze mit einem hohen GrĂŒnanteil Auswirkungen auf das Mikroklima. Das sind kleine Landschaften in oft verdichteten Quartieren, in denen der Spielwert fĂŒr Kinder mit der Klimaanpassung von StĂ€dten ĂŒbereinstimmt», sagt der Leiter des PlanungsbĂŒros Stadtkinder.
Die klimaangepasste Gestaltung von SpielplĂ€tzen sei als Thema in den Kommunen angekommen, sagt Ute Eckardt, Leiterin des Arbeitskreises «Spielen in der Stadt» in der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz. Doch mangele es oft noch an der praktischen Umsetzung - vor allem wegen fehlender KapazitĂ€ten, sagt Eckardt. «Es ist ja nicht so sehr eine Frage des Geldes, sondern man muss sich Gedanken ĂŒber die Planung machen.»Â
Vielerorts spiele das GrĂŒn noch eine untergeordnete Rolle bei der Spielplatzplanung. «Schaukel, Rutsche, Sandkasten: Viele Kommunen möblieren SpielplĂ€tze mit teuren GerĂ€ten aus dem Katalog», sagt Peter Apel, der auch fĂŒr Unicef als SachverstĂ€ndiger in dem Modellprojekt Kinderfreundliche Kommunen tĂ€tig ist. RegelmĂ€Ăig unternimmt er mit Kindern StreifzĂŒge, um deren LieblingsplĂ€tze zu erkunden.Â
Herausforderungen bei der GrĂŒnpflege und LösungsansĂ€tze
NatĂŒrlich brauche ein Spielplatz auch Schaukel, Rutsche und KlettergerĂŒste. Aber die Lieblingsorte von Kindern seien neben KletterbĂ€umen vor allem BĂŒsche. «Da verstecken sie sich, haben ihre RĂŒckzugsrĂ€ume», so Apel, der fĂŒr NaturspielrĂ€ume plĂ€diert.Â
Idealerweise werde bei der BegrĂŒnung auch auf BiodiversitĂ€t geachtet. Diese nĂŒtze auch Kindern. «Wenn man zum Beispiel Schmetterlingsflieder pflanzt, sehen sie, dass es Schmetterlinge nicht nur im Biologiebuch gibt», so Apel. Die Stadt Kempen am Niederrhein habe auf einigen SpielplĂ€tzen Lavendelstreifen gepflanzt - zum einen robust und sparsam im Wasserverbrauch. Zum anderen werde durch den Duft auch die Sinneswahrnehmung angeregt.Â
Durch die ganze Klimadiskussion stoĂe sein BĂŒro zunehmend auf offene Ohren. «Wir finden mehr Gehör als noch vor Jahren, wo wir sofort immer das Argument gehört haben, die GrĂŒn-Pflege sei zu teuer», sagt Apel. Die Kommunen mĂŒssten die GrĂŒnpflege nicht ausschlieĂlich allein ĂŒbernehmen. Auch Patenschaften durch Eltern oder Anwohner seien möglich, so Apel.Â
Ute Eckardt bezweifelt, dass die GrĂŒnpflege langfristig so organisiert werden könne. Es sei sehr schwer, Menschen langfristig an solche Projekte zu binden.Â
Beschattung und Wasserspiele fĂŒr Hitzeperioden
Das GrĂŒn sorge auch fĂŒr Beschattung - angesichts der lĂ€nger werdenden Hitzeperioden ein wichtiger Aspekt. «Man muss die BĂ€ume aber auch so pflanzen, dass sie Schatten werfen», sagt Apel. Dies werde nicht immer berĂŒcksichtigt. Sonnensegel seien auch eine gute Option - vor allem, wenn die BĂ€ume noch zu jung seien, um ausreichend Schutz zu geben.Â
Dass es an Schatten mangelt, erlebt auch Tilo Eichinger, Vorsitzender des Bundesverbands der SpielplatzgerĂ€te- und Freizeitanlagen-Hersteller (BSFH), hin und wieder. «Es kommt vor, dass viel Geld fĂŒr tolle GerĂ€te ausgegeben wird, die stehen dann aber in der prallen Sonne und können nicht benutzt werden», sagt er. FĂŒr das GrĂŒn drumherum fehle oftmals das Budget.
«Es ist auch sinnvoll, dass man HĂŒgel auf SpielplĂ€tzen baut, damit die Sonnenstrahlen unterschiedlich einfallen», ergĂ€nzt Eichinger. In Zeiten groĂer Hitze seien auch Wasserspiele gut geeignet. «Sie sorgen fĂŒr ein tolles Kleinklima und haben einen hohen Spielwert. Das Wasser kĂŒhlt und die Kinder, die damit spielen, werden gekĂŒhlt», so Eichinger.Â
Wenn die Metallrutsche zu heiĂ wird
Auch die richtige Platzierung der GerĂ€te spiele eine Rolle, betont Eichinger. «Man muss darauf achten, dass man eine Metallrutsche nicht in Richtung SĂŒden stellt, die dann gefĂ€hrlich heiĂ wird. Heutzutage muss eine Rutsche eigentlich immer beschattet werden», so der Experte. Röhrenrutschen seien dafĂŒr eher geeignet als Muldenrutschen, allerdings auch deutlich teurer.Â
«AuĂerdem sollten möglichst wenige FlĂ€chen versiegelt werden», ergĂ€nzt Ute Eckardt mit Blick auf Regen und Starkregenereignisse. Es gehe darum, möglichst viel VersickerungsflĂ€che und RegenrĂŒckhaltung zu schaffen. Das Regenwasser könne idealerweise auch wieder fĂŒr die SpielplĂ€tze genutzt werden, erklĂ€rt sie. In Hamburg gibt es beispielsweise einen Regenspielplatz, auf dem die Kinder mit ĂŒberschĂŒssigem Wasser spielen können.Â
Bei den Materialien fĂŒr die SpielgerĂ€te setzen viele Hersteller bereits auf klimaschonende recycelte Materialien. Was die Eignung fĂŒr extreme Temperaturen angehe, hĂ€tten sie sich lĂ€ngst angepasst, so Eichinger, der mit seinem Unternehmen Kunden in ganz Europa und darĂŒber hinaus beliefert.
In sĂŒdlichen LĂ€ndern werde als Fallschutz unter KlettergerĂŒsten gern Gummi genutzt, berichtet Eichinger. Dort seien die Böden oft stark ausgetrocknet und hart. Gummi habe aber auch Nachteile: «Es wird sehr heiĂ und riecht». Kies, Sand und Hackschnitzel seien Alternativen. Letztere heizten sich auch nicht so schnell auf.


