Tödlicher Oktoberfest-Unfall: Mitarbeiter stirbt nach Gondel-Treffer am Freefall-Tower
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 13:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEin 52 Jahre alter Security-Mitarbeiter des FahrgeschĂ€fts âHangoverâ ist am Montagabend auf dem MĂŒnchner Oktoberfest von einer herunterfahrenden Gondel getroffen worden und spĂ€ter im Krankenhaus gestorben.
Unfall bei laufendem Betrieb
Der Unfall ereignete sich gegen 21.50 Uhr an dem 85 Meter hohen Freefall-Tower. Der Mann aus Serbien wurde nach Angaben der Polizei eingeklemmt und von EinsatzkrÀften zunÀchst wiederbelebt; unter laufender Reanimation kam er ins Krankenhaus, wo er kurze Zeit spÀter starb.
Die Gondel erreicht laut Homepage des FahrgeschÀfts im Fall eine Geschwindigkeit von bis zu 90 Kilometern pro Stunde und wird vor der Ankunft am Boden deutlich langsamer. Mit welcher Geschwindigkeit sie den Mitarbeiter traf, war zunÀchst nicht bekannt.
Polizei ermittelt zum Gefahrenbereich
Die MĂŒnchner Kriminalpolizei hat die Ermittlungen ĂŒbernommen. Sie soll klĂ€ren, wie es zu dem mutmaĂlichen Betriebsunfall kam und ob jemandem ein Vorwurf gemacht werden kann. Die Ermittlungen könnten Tage oder Wochen dauern.
Nach ersten Erkenntnissen hielt sich der Mitarbeiter in einem Bereich unterhalb der Gondel auf, in dem er nicht hĂ€tte sein dĂŒrfen. Warum er dort war, blieb zunĂ€chst offen. Die Polizei bat Zeugen, sich zu melden und Beobachtungen mitzuteilen.
FahrgÀste körperlich unverletzt
Nach Angaben der Polizei und der Aicher Ambulanz wurden keine FahrgĂ€ste verletzt. Kriseninterventionsteams betreuten Menschen, die den Unfall beobachtet hatten; auch BeschĂ€ftigte des FahrgeschĂ€fts erhielten UnterstĂŒtzung.
Der Bereich um den Tower wurde fĂŒr den Rettungseinsatz abgesperrt. Die Betreiberfamilie erklĂ€rte, sie arbeite mit Polizei und Staatsanwaltschaft an der AufklĂ€rung und prĂŒfe mögliche Konsequenzen. Im Rahmen des Schaustellergottesdienstes am Donnerstag soll der Verstorbenen gedacht werden.
Wiedereröffnung noch offen
Ob und wann der âHangoverâ wieder öffnen kann, war am Morgen nach dem Unfall zunĂ€chst unklar. Nach Angaben der Schausteller soll eine Wiedereröffnung erfolgen, sofern sich kein technisches Problem herausstellt; zuvor seien weitere SicherheitsprĂŒfungen nötig.
Beteiligt sind nach Angaben der Schausteller unter anderem Gewerbeaufsichtsamt, TĂV SĂŒd und Lokalbaukommission. Das Oktoberfest lĂ€uft noch bis zum 4. Oktober. Der Unfall ist in diesem Jahr bereits der zweite Vorfall an einem FahrgeschĂ€ft: Zuvor mussten Besucher nach einer Sensorpanne in einem Drehkarussell kurzzeitig kopfĂŒber ausharren.
FrĂŒhere UnfĂ€lle auf der Wiesn
2024 starb ein 20-JĂ€hriger bei einer Testfahrt am âOlympia Loopingâ, nachdem er sich im Gleisbereich aufgehalten hatte. 2023 wurden bei der Kollision zweier Achterbahnwaggons neun FahrgĂ€ste leicht verletzt. 2019 stĂŒrzte ein zweijĂ€hriges Kind aus einem Karussell und brach sich beide Beine.
Abgesperrte Gefahrenbereiche im Fokus
Der Unfall rĂŒckt eine zentrale Sicherheitsfrage bei mobilen FahrgeschĂ€ften in den Mittelpunkt: Arbeitsbereiche mĂŒssen wĂ€hrend des Betriebs zuverlĂ€ssig von Bewegungs- und Fallzonen getrennt bleiben. Warum sich der Mitarbeiter im Gefahrenbereich aufhielt, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Dabei dĂŒrfte neben dem konkreten Ablauf auch geprĂŒft werden, welche betrieblichen AblĂ€ufe, Absperrungen und Kontrollschritte galten.
FĂŒr die weitere Nutzung des 85 Meter hohen Towers ist deshalb nicht allein entscheidend, ob ein technischer Defekt vorlag. Polizei, Staatsanwaltschaft, Gewerbeaufsicht, TĂV SĂŒd und Lokalbaukommission mĂŒssen den Unfallort sichern, Spuren auswerten und die Funktions- sowie Sicherheitsbedingungen bewerten. Erst danach kann ĂŒber eine Wiedereröffnung entschieden werden.
GroĂveranstaltung mit hoher Sicherheitsbelastung
Das Oktoberfest dauert bis zum 4. Oktober und zieht jĂ€hrlich mehr als sechs Millionen Menschen an. FĂŒr Besucher bedeutet der tödliche Arbeitsunfall nicht automatisch eine Gefahr in den Fahrgastbereichen: Nach Angaben von Polizei und Rettungsdienst wurden keine FahrgĂ€ste körperlich verletzt. Augenzeugen und BeschĂ€ftigte erhielten jedoch Krisenbetreuung.
Der Vorfall ereignet sich zudem nach einer technischen Panne an einem anderen FahrgeschĂ€ft am ersten Wiesn-Wochenende. Das Karussell wurde nach einer erneuten PrĂŒfung wieder freigegeben. Beide Ereignisse unterscheiden sich deutlich, erhöhen aber den öffentlichen Druck, PrĂŒfungen, BetriebsablĂ€ufe und die Kommunikation ĂŒber SicherheitsmaĂnahmen nachvollziehbar zu machen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: âTödlicher Wiesn-Unfall: Hergang unklar, Polizei sucht Zeugenâ (22.09.2026)
Der Bericht bestĂ€tige den tödlichen Unfall und hebe hervor, dass die Kriminalpolizei die Ursache weiter ermittle und Zeugen sowie mögliche Videoaufnahmen suche. Anders als die frĂŒhe Meldung lege der Beitrag den Schwerpunkt auf die Lage am Morgen danach: Das FestgelĂ€nde sei planmĂ€Ăig geöffnet worden, wĂ€hrend vor Ort weitere Besprechungen liefen; offen bleibe weiterhin, warum sich der Mitarbeiter im Gefahrenbereich aufgehalten habe.
DER SPIEGEL: âOktoberfest: Mitarbeiter stirbt bei Unfall mit Free-Fall-Turmâ (22.09.2026)
Der Bericht bestĂ€tige die tödlichen Verletzungen des 52-JĂ€hrigen, die Ermittlungen und die Betreuung von Augenzeugen. Er ordne den Unfall stĂ€rker in die GröĂenordnung des Volksfestes ein und verweise auf die umfangreichen SanitĂ€ts- und Rettungsstrukturen der Wiesn; der konkrete Unfallhergang bleibe auch dort offen.
Beide BeitrĂ€ge stimmten beim Todesfall, der fehlenden körperlichen Verletzung von FahrgĂ€sten und den laufenden Ermittlungen ĂŒberein. Unterschiede gebe es vor allem bei der Perspektive: Der BR beleuchte den Fortgang des Betriebs und die Zeugensuche, wĂ€hrend der SPIEGEL die Einsatzorganisation des Oktoberfests hervorhebe.
