SchĂŒsse, Landgericht

SchĂŒsse am Landgericht: Haftbefehl wegen Mordversuchs

27.02.2025 - 12:25:59

Unter strengen Sicherheitsauflagen lĂ€uft seit einigen Wochen in Bielefeld der Prozess um den Tod eines frĂŒheren Profiboxers. Nach einer Verhandlung fallen in der NĂ€he des Gerichts SchĂŒsse.

Nach SchĂŒssen am Mittwoch in der NĂ€he des Landgerichts Bielefeld sucht die Polizei weiter nach einem TatverdĂ€chtigen. Laut gemeinsamer Mitteilung der Ermittlungsbehörden hat das Amtsgericht Bielefeld einen Haftbefehl wegen vierfachen versuchten Mordes und gefĂ€hrlicher Körperverletzung erlassen.

Wegen der laufenden Ermittlungen macht die Polizei keine Angaben zu den Personalien des Gesuchten. Eine am PolizeiprÀsidium Bielefeld eingerichtete Mordkommission bittet Zeugen sich zu melden, wenn sie das Tatgeschehen beobachtet haben.

Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft wurden durch die SchĂŒsse, die nach Ende eines Prozesstages um ein Tötungsdelikt an den ehemaligen Profiboxer Besar Nimani außerhalb des GerichtsgebĂ€udes abgegeben wurden, vier MĂ€nner verletzt. Die Opfer sind 23, zweimal 25, und 63 Jahre alt und zum Teil Angehörige oder Nahestehende des im Prozess Angeklagten (34 Jahre). Bei einem der Opfer leisteten Polizeibeamte noch am Tatort Erste Hilfe. Laut Polizei ist der Gesundheitszustand der Angeschossenen stabil.

Noch am Tatabend wurden laut Mitteilung zwei mögliche TatverdÀchtige vorlÀufig festgenommen. Da sich ein Tatverdacht aber nicht erhÀrtet habe, wurden die MÀnner in der Nacht wieder entlassen.

Um was geht es bei dem Prozess?

FĂŒr Freitag ist der nĂ€chste Prozesstag geplant. Am Vortag war noch unklar, ob die Verhandlung wie vorgesehen stattfinden kann. Die Polizei ist fĂŒr die Sicherheit rund um das Landgericht und im grĂ¶ĂŸten Gerichtssaal verantwortlich. Der erste Verhandlungstag war Ende Januar. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Bielefeld sollen zwei MĂ€nner dem Opfer am 9. MĂ€rz 2024 aufgelauert und nach einem gemeinsamen Tatplan vor einem GeschĂ€ft in der Bielefelder FußgĂ€ngerzone 16 SchĂŒsse abgegeben haben. Der Angriff in der Öffentlichkeit hatte in der Bevölkerung fĂŒr Entsetzen gesorgt.

Das Opfer, der 38-jĂ€hrige ehemalige Sportler, hatte zuvor in der NĂ€he sein Auto geparkt und war zu Fuß in Richtung des spĂ€teren Tatorts gegangen. Er wurde von zahlreichen Kugeln getroffen und verblutete noch vor Ort. Bis heute ist das Motiv und der Hintergrund unklar. Der wegen heimtĂŒckischen Mordes angeklagte 34 Jahre alte Deutsche hat sich bislang nicht zu dem Tatvorwurf geĂ€ußert. Ein weiterer TatverdĂ€chtiger ist weiterhin auf der Flucht.

Die Verhandlungstage finden unter großen Sicherheitsauflagen statt. Beamte einer Einsatzhundertschaft der Polizei sichern jeweils das GebĂ€ude und den Verhandlungssaal. Alle Besucher, NebenklĂ€ger und Medienvertreter mĂŒssen sich vor Eintritt in den Gerichtssaal durchsuchen lassen.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers war dabei am zweiten Verhandlungstag bei einer Schwester des getöteten Ex-Boxers ein kleines Messer entdeckt worden. Es war Teil eines SchlĂŒsselanhĂ€ngers. In einem Röhrchen steckte dabei eine rund 5 Zentimeter lange Klinge.

Bereits 2013 fielen SchĂŒsse auf Nimani

Bereits im August 2013 war auf Nimani geschossen worden. Der damalige Profiboxer sowie sein Bruder und ein Freund (32) wurden durch SchĂŒsse aus einer Pistole verletzt. Dem war ein Streit in einem Imbiss in der Bielefelder Innenstadt vorausgegangen. Der 32-JĂ€hrige hatte dabei dem spĂ€teren SchĂŒtzen eine Flasche gegen den Kopf geschlagen. 

Das Landgericht Bielefeld verurteilte einen damals 45-jĂ€hrigen Mann aus Bielefeld unter anderem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu 18 Monaten Haft. Der Bundesgerichtshof (BGH) bestĂ€tigte das Urteil, nachdem die AnwĂ€lte der Opfer Revision eingelegt hatten, weil sie von einem versuchten Tötungsdelikt ausgegangen waren. Die Richter aber sahen eine Notwehrhandlung des SchĂŒtzen. Zu Recht, wie der BGH entschied.

@ dpa.de