Kleiner Junge und Mann sterben bei Radlader-Unfall
25.06.2023 - 12:36:58Bei einer Ausfahrt mit einem Radlader sind im niedersĂ€chsischen Toppenstedt sĂŒdlich von Hamburg ein fĂŒnfjĂ€hriger Junge und ein 39 Jahre alter Mann tödlich verunglĂŒckt. Zehn weitere Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren wurden am Samstag verletzt, einige von ihnen schwer, wie ein Feuerwehrsprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Alle waren Teilnehmer eines Zeltlagers, das VĂ€ter als gemeinsame AktivitĂ€t mit ihren Kindern privat organisiert hatten.
Nach den bisherigen Ermittlungen hatte ein 44-jĂ€hriger Teilnehmer des Zeltlagers am frĂŒhen Abend mehrere Kinder und einen Erwachsenen in einen Transportkorb an der Frontgabel eines Radladers eingeladen. Die Aktion sollte «zur Belustigung» dienen, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. WĂ€hrend der Fahrt auf einem nahen Feldweg löste sich plötzlich die Gitterbox, sodass die Insassen aus rund drei Metern Höhe nach vorn stĂŒrzten. Vermutlich seien sie zum Teil von dem herabfallenden Metallkorb getroffen worden, hieĂ es.
Die Polizei beschlagnahmte den Radlader nach dem Unfall fĂŒr Untersuchungen. Gegen den 44-jĂ€hrigen Fahrer wurde ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlĂ€ssigen Tötung eingeleitet. Er wurde zu einer Polizeidienststelle mitgenommen, und es wurde «routinemĂ€Ăig» untersucht, ob er Alkohol oder Drogen im Blut hatte. Die AufklĂ€rung des Unfalls wird laut Polizei einige Zeit in Anspruch nehmen.
Vier Kinder mit Hubschraubern ins Krankenhaus geflogen
Vier der verletzten Kinder mussten mit Hubschraubern ins Krankenhaus geflogen werden. Zu ihrem gesundheitlichen Zustand konnte die Polizei am Sonntag zunĂ€chst keine Angaben machen. Es war auch nicht bekannt, ob Kinder in Lebensgefahr schwebten. «Das ist immer die Horrorvorstellung, wenn Kinder betroffen sind», sagte der Feuerwehrsprecher wenige Stunden nach dem UnglĂŒck. «Hier haben sich schon schreckliche Szenen abgespielt. Eltern mussten daran gehindert werden, zur Unfallstelle zu laufen.»
Die Feuerwehr bezeichnte das schnelle Eingreifen von Teilnehmern des Zeltlagers bei dem tödlichen Radlader-Unfall als vorbildlich. Einige VĂ€ter hĂ€tten noch versucht, einen verunglĂŒckten FĂŒnfjĂ€hrigen wiederzubeleben, sagte Timo Gebhardt, Ortsbrandmeister von Toppenstedt, am Sonntag. Er war selbst kurz nach dem Unfall am frĂŒhen Samstagabend am UnglĂŒcksort. Das Kind sei noch dort gestorben, sagte Gebhardt.
Der Einsatz sei fĂŒr die RettungskrĂ€fte einer der schwierigsten ĂŒberhaupt gewesen, sagte ein Notfallseelsorger. Wenn Kinder zu Schaden kommen, sei dies emotional generell immer sehr belastend fĂŒr die EinsatzkrĂ€fte - viele von ihnen seien auch selbst Eltern. «Es zehrt sehr, was man erlebt», sagte der Seelsorger. Insgesamt waren rund 80 Feuerwehrleute, 60 RettungskrĂ€fte und 30 Polizisten bis in die Nacht im Einsatz.
Zeltlager wurde abgebrochen
Das Zeltlager wurde abgebrochen, am Sonntag wurden die letzten Zelte auf der groĂen Wiese in der NĂ€he einer KindertagesstĂ€tte abgebaut. Toppenstedt hat gut 2000 Einwohner und liegt rund 35 Kilometer sĂŒdlich von Hamburg in der nördlichen LĂŒneburger Heide.
Im Nachbarort Garstedt wurde der Festgottesdienst zum SchĂŒtzenfest umgeplant. Eine AuffĂŒhrung mit Kindern wurde gestrichen, das Programm des Frauenchors umgestellt. «Wir sind alle sehr betroffen», sagte eine 17-JĂ€hrige am Sonntag. Sie hatte noch am Tag zuvor mit Kindern geprobt.
«Wir fĂŒhlen alle mit den Betroffenen und EinsatzkrĂ€ften», betonte Pastorin Wiebke Alex in dem Festgottesdienst. «Es ist fĂŒr viele Menschen ein tieftrauriger Morgen.» Die Pastorin weinte beim Gebet und zĂŒndete Kerzen fĂŒr die Toten an.







