Schule, BundeslÀnder

Warum trÀumen wir immer noch von der Schule?

09.08.2024 - 05:00:37

Viele BundeslĂ€nder sind noch in den Ferien, aber bald kehren SchĂŒler in KlassenrĂ€ume zurĂŒck. Auch fĂŒr viele Erwachsene sind es Orte, die ihnen regelmĂ€ĂŸig begegnen - sie trĂ€umen von ihnen. Wieso?

  • Viele Menschen trĂ€umen auch im Erwachsenenalter noch von der Schule. (Symbolbild) - Foto: Axel Heimken/dpa

    Axel Heimken/dpa

  • TrĂ€ume vermischen aktuelle Erfahrungen mit Dingen, die man frĂŒher erlebt hat. (Symbolbild) - Foto: Christoph Soeder/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa

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  • SchultrĂ€ume gehören zu den Klassikern unter den TrĂ€umen - auch unter der AlbtrĂ€umen. (Archivbild) - Foto: Bodo Marks/dpa

    Bodo Marks/dpa

Viele Menschen trĂ€umen auch im Erwachsenenalter noch von der Schule. (Symbolbild) - Foto: Axel Heimken/dpaTrĂ€ume vermischen aktuelle Erfahrungen mit Dingen, die man frĂŒher erlebt hat. (Symbolbild) - Foto: Christoph Soeder/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpaSchultrĂ€ume gehören zu den Klassikern unter den TrĂ€umen - auch unter der AlbtrĂ€umen. (Archivbild) - Foto: Bodo Marks/dpa

Eine Schulglocke klingelt, eine TĂŒr geht auf, fahles Licht. Was ist hier los, fragt man sich. Bis dann langsam ein GefĂŒhl von der Magengegend nach oben kriecht. Oh Mist, Mathearbeit? Ich habe doch nicht gelernt!

Bammel vor einer PrĂŒfung - das ist ein GefĂŒhl, das Millionen SchĂŒler in Deutschland kennen und von dem sie sich gerade erholen. Viele BundeslĂ€nder sind noch in den Sommerferien, in manchen hat die Schule auch schon wieder angefangen, allerdings ohne den großen PrĂŒfungsdruck in den ersten Wochen. Es ist aber auch ein GefĂŒhl, das vielen Erwachsenen sehr lebhaft zusetzt, die die Schule lĂ€ngst hinter sich gelassen haben. In der Nacht.

SchultrÀume, die Klassiker der nÀchtlichen Kopftheater

Wenn man sich umhört, weiß man: Viele Menschen trĂ€umen von Schul- und PrĂŒfungssituationen. Ein namenloses Klassenzimmer, vorn eine Tafel, auf dem Tisch ein Blatt Papier mit Aufgaben - das sind Klassiker des Theaters, das unser Gehirn im Schlaf inszeniert. 

Die große Schulverschnaufpause im Sommer ist eine ganz gute Gelegenheit, mal zu fragen: Warum ist das eigentlich so?

Wer das wissen möchte, sollte mit Michael Schredl sprechen, einem der bekanntesten Traumforscher des Landes. Ein Mann, der sehr ausgeruhte Antworten auf drÀngende Fragen hat. Er sagt: In einem Schultraum geht es weniger um konkrete Erlebnisse in Lehranstalten vor vielen Jahren - sondern um aktuelle, emotional relevante Dinge im Hier und Jetzt.

«Ein Traum vermischt immer aktuelle Erfahrungen mit Dingen, die man frĂŒher erlebt hat – wenn diese frĂŒheren Erlebnisse Ă€hnliche Emotionen oder GefĂŒhle auslösen. TrĂ€ume verknĂŒpfen aktuelles mit frĂŒherem», erklĂ€rt der wissenschaftliche Leiter des Schlaflabors am Zentralinstitut fĂŒr seelische Gesundheit in Mannheim. Die Schule ist aus diesem Blickwinkel nur eine Art Folie, auf der die aktuelle GemĂŒtslage erkennbar wird.

Ein GefĂŒhl, das man nicht nur in KlassenrĂ€umen findet

«Das Grundmuster des PrĂŒfungstraums ist, dass jemand anderes von Ihnen wissen will, ob Sie etwas draufhaben, ob Sie etwas leisten können. Das GefĂŒhl ist: Meine Leistung wird beobachtet», erklĂ€rt Schredl. 

Es ein GefĂŒhl, das unangenehm sein kann. Und ein GefĂŒhl, das nicht nur in KlassenrĂ€umen zu finden ist. «Dieses Grundmuster ist etwas, das uns nicht nur in der Schule begegnet, sondern im ganzen Leben», sagt der Forscher. «Im Berufsleben ist es nicht mehr der Lehrer, der prĂŒft, sondern der Chef oder die Kollegen.»

Daher sei es auch möglich, dass einstige MusterschĂŒler, die immer gut vorbereitet waren, im Erwachsenenalter davon trĂ€umen, ahnungslos vor einer Mathe- oder Englisch-Klausur zu sitzen. «Weil es eben um aktuelle GefĂŒhle und Emotionen geht», sagt Schredl. 

«Wenn man das GefĂŒhl hat, auf eine bestimmte Aufgabe im Job nicht ausreichend vorbereitet zu sein, kann das im Traum mit einer Situation aus der Schule vermischt werden.» Eine Studie von Schredl ergab, dass TrĂ€ume von PrĂŒfungen unter den Top-Zehn-Themen bei AlbtrĂ€umen sind. 

Der Wissenschaftsautor Stefan Klein, der ein viel beachtetes Buch ĂŒber TrĂ€ume geschrieben hat («TrĂ€ume. Eine Reise in unsere innere Wirklichkeit»), gehört zu jenen Menschen, die hĂ€ufig von PrĂŒfungssituationen trĂ€umen - obwohl er nach eigenen Angaben nie sonderlich viel Furcht vor Klassenarbeiten und dergleichen hatte. 

Aber auch er sagt: «Ich trĂ€ume davon in einer ganz bestimmten Lebenssituation. NĂ€mlich, wenn ich mich vor einer Bewertung fĂŒrchte.» Bei ihm ist das typischerweise der Fall, wenn der Erscheinungstermin eines Buches bevorsteht.

«TrÀume sagen mir, wie es mir wirklich geht»

 «Damit verrĂ€t mir mein Traum etwas ĂŒber mich selbst», sagt Klein. TagsĂŒber rede man sich hĂ€ufig ein, dass man mit einer Situation gut umgehen könne. Aber der Traum zeige, dass sie doch beunruhige und Stress verursache. «Ein kluger Freund von mir hat er einmal gesagt: TrĂ€ume sagen mir, wie es mir wirklich geht. Da ist viel dran», sagt Klein. «Der Emotion ist der Treiber des Traums.»

Bleibt noch die Frage: Warum sucht sich diese Emotion ausgerechnet die Schule als BĂŒhne fĂŒr ihre Inszenierung aus? 

Nun, sie ist eben sehr prĂ€gend fĂŒr viele Menschen. Die ersten Bewertungen, die ersten AutoritĂ€ten. «Die Schule ist so prĂ€sent, weil in dieser Zeit viele Dinge zum ersten Mal geschehen sind – auch, weil da manche Probleme angefangen haben. Es ist eine Zeit mit starken Emotionen», sagt Traumforscher Schredl.

Den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern, die nun wieder in die KlassenrĂ€ume strömen, kann man da nur wĂŒnschen: Gute TrĂ€ume.

@ dpa.de