Umweltbewusstsein, Deutschen

Umweltbewusstsein der Deutschen: Klima verliert an PrioritÀt

12.05.2025 - 15:54:25

Vielen Menschen sind laut einer Studie andere Themen mittlerweile wichtiger als Klimaschutz. Bemerkenswert zudem: Nicht die Jungen, sondern die Älteren halten Klimaschutz hĂ€ufiger fĂŒr sehr wichtig.

Die Bedeutung von Klimaschutz hat fĂŒr die Menschen in Deutschland laut einer Studie des Umweltbundesamts abgenommen. Die Anzahl der Menschen, die Umwelt und Klimaschutz fĂŒr «sehr wichtig» halten, sank demnach im Jahr 2024 auf 54 Prozent. In den Jahren 2020 und 2018 hatte der Wert noch bei 65 beziehungsweise 64 Prozent gelegen.

Der PrĂ€sident des Bundesamts, Dirk Messner, warnte jedoch davor, FehlschlĂŒsse aus dieser Entwicklung zu ziehen. Neben den 54 Prozent der Bevölkerung, die Umwelt- und Klimaschutz fĂŒr «sehr wichtig» erachten, gebe es noch weitere 34 Prozent, die Umwelt- und Klimaschutz zumindest fĂŒr «wichtig» halten. ZĂ€hle man die beiden Gruppen zusammen, komme man auf nahezu 90 Prozent, die dem Thema weiterhin eine hohe Bedeutung beimessen. 

FĂŒr die Studie zum Umweltbewusstsein in Deutschland wurden zwischen dem 4. September und 14. November 2024 2.552 Menschen ab 18 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet befragt.

Umwelt- und Klimaschutz polarisieren nicht

Die These, dass Umwelt- und Klimaschutz polarisierende Fragen in der Bevölkerung seien und dass es starken Gegenwind fĂŒr eine ambitionierte Klimapolitik gebe, bestĂ€tige sich durch die Studie nicht. «Es gibt eine starke Legitimationsgrundlage fĂŒr Klima und Umweltpolitik, auf die man aufbauen kann», sagte Messner.

Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass andere Themenbereiche in der Wahrnehmung vieler Menschen an Dringlichkeit gewonnen haben. Laut Studie halten 81 Prozent der Befragten die Gesundheitsversorgung fĂŒr ein «sehr wichtiges» Thema, gefolgt von Bildung (77 Prozent) und innerer Sicherheit (71 Prozent). Wenn die Menschen in Deutschland den Eindruck hĂ€tten, dass die Grundfunktionen staatlichen Handelns nicht mehr gut funktionieren, wie Gesundheit, Bildung oder innere Sicherheit, dann habe es auch Klima- und Umweltpolitik schwer, sagte Messner dazu.

Klarer Zusammenhang zwischen Umweltpolitik und LebensqualitÀt

Dennoch sehen viele Menschen einen klaren Zusammenhang zwischen Umweltpolitik und ihrer eigenen LebensqualitÀt, gerade in Bereichen, die in den vergangenen Jahren hÀufig besonders umstritten waren wie ErnÀhrung, Wohnen oder MobilitÀt.

Eine große Mehrheit wĂŒnscht sich etwa einen besseren Zugang zu gesunden und zugleich bezahlbaren Lebensmitteln (92 Prozent), zu klimafreundlichem und erschwinglichem Wohnraum (89 Prozent) oder eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr (87 Prozent). Wenn Umwelt- und Klimapolitik in diesen Feldern nicht mit einer sozialen Ausgestaltung verknĂŒpft werde, sei es schwer, gesellschaftliche Akzeptanz zu sichern, so Messner.

AuffĂ€llig sei zudem, dass viele Menschen deutlich optimistischer auf die Umweltprobleme in ihrer unmittelbaren Umgebung schauen als auf die Umweltprobleme im globalen Maßstab. Wenn Menschen demnach nach der UmweltqualitĂ€t in der eigenen Stadt oder Gemeinde befragt werden, so wird diese von 79 Prozent fĂŒr «recht gut» oder «sehr gut» gehalten.

Wenn sie ihr direktes Wohnumfeld betrachteten, beispielsweise ihr Stadtviertel, dann werde es sogar noch positiver eingeschĂ€tzt: 87 Prozent der Deutschen sind demnach der Meinung, dass die UmweltqualitĂ€t in ihrem direkten Wohnumfeld «gut» oder «sehr gut» sei. Die UmweltqualitĂ€t in Deutschland insgesamt hingegen werde noch von etwas mehr als der HĂ€lfte der Befragten (55 Prozent) mit «sehr gut» oder «gut» bewertet. Die globale UmweltqualitĂ€t halten nur 7 Prozent der Befragten fĂŒr «sehr gut» oder «gut».

Klimaschutz als Generationenfrage - aber anders als gedacht

WĂ€hrend der Blick auf die UmweltqualitĂ€t stark von der geografischen Perspektive abhĂ€ngt, variiert die Bedeutung des Themas auch deutlich nach Altersgruppen. 44 Prozent der 18- bis 29-JĂ€hrigen halten Umwelt- und Klimaschutz noch fĂŒr «sehr wichtig». In der Altersgruppe ĂŒber 65 Jahre liegt dieser Anteil dagegen bei 63 Prozent. Der Schwung bei den jungen Menschen fĂŒr Klimaschutz sei verloren gegangen, so Messner. Klimaschutz polarisiere nicht im Sinne von Zustimmung und Ablehnung, sondern in der Gewichtung zwischen den Generationen.

@ dpa.de