BĂ€ren verbreiten zunehmend Angst in der Slowakei
18.04.2024 - 09:19:56Bei ZusammenstöĂen mit BraunbĂ€ren sind in der Slowakei innerhalb weniger Wochen im MĂ€rz und April mehr als ein Dutzend Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Betroffen waren nicht nur Wanderer, Pilzsucher und Forstbedienstete im dichten Wald, sondern Mitte MĂ€rz sogar fĂŒnf FuĂgĂ€nger innerhalb eines stĂ€dtischen Wohngebiets.
Damals war ein BraunbĂ€r durch das Stadtgebiet der Kleinstadt Liptovsky Mikulas (alter deutscher Name: Sankt Nikolaus in der Liptau) gelaufen und hatte Passanten angegriffen. Nun werden die Rufe von Bewohnern und Politikern nach gezielten AbschĂŒssen der grundsĂ€tzlich geschĂŒtzten Tiere lauter.
Konflikte zwischen BĂ€r und Mensch haben zugenommen
Jaroslav Slastan bestĂ€tigt der Deutschen Presse-Agentur, dass die Konflikte zwischen BĂ€r und Mensch zugenommen haben. Slastan muss es wissen, denn er leitet eine der fĂŒnf Regionalgruppen des zur staatlichen Naturschutzorganisation SOPSR gehörenden «Einsatzteams BraunbĂ€r». Das Team wird alarmiert, wenn Gefahr durch BĂ€ren droht oder schon eine Verletzung von Menschen oder Haustieren geschehen ist. Vorwiegend sind Slastan und seine Kollegen zwar zur Vorbeugung und AufklĂ€rung unterwegs. Aber wenn schon etwas passiert ist, untersuchen sie die Ursachen und koordinieren im Extremfall auch die Tötung von «ProblembĂ€ren».
Dass es um den FrĂŒhlingsbeginn besonders hĂ€ufig zu ZwischenfĂ€llen kommt, erklĂ€rt Slastan damit, dass in dieser Zeit die BĂ€rinnen ihre im Winter geborenen Jungen ausfĂŒhren. Um sie zu schĂŒtzen, können sie auch angreifen. ZusĂ€tzlich erhöht wird ihre Reizbarkeit durch das PhĂ€nomen des sogenannten Infantizids. Herumwandernde mĂ€nnliche BĂ€ren töten fremde Jungtiere, um sich dann selbst mit deren Mutter zu paaren und die eigenen Gene zu verbreiten. BĂ€rinnen suchen gelegentlich mit ihren Jungen die NĂ€he menschlicher Behausungen, weil sie hoffen, dass die MĂ€nnchen diesen fernbleiben. Das erhöht aber das Risiko ĂŒberraschender Begegnungen mit Menschen.
Gezielte Reduktion unausweichlich
Das Vordringen von BĂ€ren in bewohntes Gebiet hat aber auch mit lokalen Ăberpopulationen und damit zusammenhĂ€ngender VerdrĂ€ngung zu tun, sagt Slastan. Deshalb hĂ€lt auch er gezielte Reduktionen in solchen Gebieten fĂŒr unausweichlich.
Das PhĂ€nomen der «ContainerbĂ€ren», die in Wohngebieten MĂŒlleimer plĂŒndern, wurde in der Slowakei durch PrĂ€ventivmaĂnahmen reduziert. Verlockend bleibt fĂŒr die Allesfresser jedoch weiterhin das Nahrungsangebot von ObstgĂ€rten oder kleinen Nutztieren wie Kaninchen oder HĂŒhnern. Slastans Einsatzteam beobachtete zudem FĂ€lle, in denen sich Forstbedienstete ein illegales Nebeneinkommen beschafften, indem sie absichtlich Nahrung in der NĂ€he menschlicher Siedlungen auslegten, um BĂ€ren als Attraktion fĂŒr Fototouristen anzulocken.
VorsichtsmaĂnahmen im Wald
Die hĂ€ufigsten Verletzungen von Menschen geschehen aber dann, wenn diese unvorsichtig in das natĂŒrliche Umfeld der BĂ€ren vordringen. Der staatliche Naturschutz hat deshalb 2023 einen AufklĂ€rungsfilm mit dem Titel «Wie man sich im Wald verhalten soll» online gestellt. Die wichtigsten Regeln klingen nach Slastan einfach: Dicht bewachsenes GelĂ€nde abseits markierter Wege meiden, durch hörbares Sprechen, Singen oder andere GerĂ€usche auf sich aufmerksam machen und damit den BĂ€ren rechtzeitiges Ausweichen ermöglichen. Bei Regen oder Dunkelheit ist damit zu rechnen, dass BĂ€ren uns weniger leicht wahrnehmen.
Sollte man trotz solcher Vermeidungsstrategien auf einen BĂ€ren stoĂen, rĂ€t Slastan, nicht davonzulaufen, sondern sich langsam zu entfernen. Lautes Schreien oder GegenstĂ€nde nach den Tieren zu werfen, reize sie eher als sie zu verscheuchen. Dass sich BĂ€ren durch das Zuwerfen von Futter «ablenken» lassen, ist nach Slastan ein Irrglaube: «Das Tier greift uns ja nicht aus Hunger an, sondern weil es sich bedroht fĂŒhlt.»


