Toter Wal bei DĂ€nemark: Ist es der Ostsee-Buckelwal?
15.05.2026 - 14:17:29 | dpa.deHat der vor der deutschen OstseekĂŒste gestrandete Buckelwal noch eine Lebenschance oder wurde sein Kadaver nun gefunden? Vor der dĂ€nischen Insel Anholt ist ein toter Wal entdeckt worden, bei dem nicht ausgeschlossen wird, dass es sich um den oft «Timmy» oder «Hope» genannten Buckelwal handelt. Der MeeressĂ€uger liege etwa 75 Meter vor der KĂŒste und sei vermutlich bereits seit einiger Zeit tot, berichtete die Nachrichtenagentur Ritzau unter Berufung auf die Umweltbehörde MiljĂžstyrelsen.Â
Eine BestĂ€tigung, dass es sich um den Wal handelt, der seit Ende MĂ€rz fĂŒnfmal an der KĂŒste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns gestrandet war und Anfang Mai in den Skagerrak (Nordsee) transportiert wurde, gab es zunĂ€chst nicht. Es seien keine deutlichen Merkmale festgestellt worden, die bestĂ€tigen könnten, dass es sich um dieses Tier handle, teilte die Umweltbehörde Ritzau zufolge mit. «Andererseits kann diese Möglichkeit zu diesem Zeitpunkt auch nicht ausgeschlossen werden», hieĂ es demnach.
Am spÀten Nachmittag wurde der Kadaver von einer TierÀrztin des privaten Teams begutachtet, das «Timmy» oder «Hope» in die Nordsee gebracht hatte. Ein klares Ergebnis habe auch diese Begutachtung nicht gebracht, teilte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) mit. «Morgen sollen weitere Untersuchungen erfolgen.»
Nach Experten-EinschĂ€tzung handelt es sich bei dem vor Anholt gestrandeten MeeressĂ€uger vermutlich um einen Buckelwal, der etwa so groĂ ist wie der «Timmy» genannte Wal. Morten AbildstrĂžm von der dĂ€nischen Behörde Naturstyrelsen sagte im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur, dass ein StĂŒck aus der Schwanzflosse abgetrennt worden sei, das nach Deutschland gebracht werden solle. AbildstrĂžm hatte den gestrandeten Wal aus direkter NĂ€he inspiziert, als dem toten Tier die Gewebeprobe entnommen wurde.Â
Fluke und Haut des Buckelwals können Hinweise zur IdentitÀt geben
Sollte es sich bei dem vor der dĂ€nischen Insel Anholt gestrandeten toten Wal tatsĂ€chlich um den Wismarer Buckelwal handeln, hoffen Experten des Deutschen Meeresmuseum auf eine Untersuchung des Tieres. «Es geht darum, Erkenntnisse fĂŒr kĂŒnftige Strandungen und Rettungsaktionen zu gewinnen», sagte eine Sprecherin des Museums am Morgen der Deutschen Presse-Agentur.Â
Erste AufschlĂŒsse ĂŒber die IdentitĂ€t könnte bereits die Haut des vor der dĂ€nischen Insel entdeckten toten Tieres geben. Es gebe ja verschiedene Strukturen der Haut, die bereits aufgefallen seien. Auch habe das Tier eine erkennbare Schramme beziehungsweise BeschĂ€digung der HautoberflĂ€che gehabt, die von einer Schiffsschraube verursacht worden sein könne.Â
Fotos können helfen
Um festzustellen, ob es sich bei dem in DĂ€nemark gefundenen Kadaver um den zuvor in Deutschland gestrandeten Wal handelt, könnten Fotos helfen. Nach Angaben der privaten Rettungsinitiative, die den Wal in einem Lastschiff Richtung Nordsee gebracht hatte, wurde ein Foto von der Fluke - der groĂen Schwanzflosse des Tieres - gemacht, das als Foto-ID in entsprechende Datenbanken einflieĂen solle.Â
FĂŒr diese Information gab es allerdings keine BestĂ€tigung durch unabhĂ€ngige Quellen. Das Meeresmuseum konnte in den vergangenen Wochen keine eigenen Fotos von der Fluke machen.Â
Neben einem Foto von der Fluken-Unterseite können der Tierschutzorganisation WDC zufolge auch auffÀllige Merkmale wie ein Narbenmuster auf der Haut zur Wiedererkennung eines Wals dienen.
Landesumweltminister warnt vor SpekulationenÂ
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) rechnet zunĂ€chst nicht mit schnellen Befunden zur IdentitĂ€t des toten Wals. Er betonte, das Ministerium stehe seit der Nacht in engem Kontakt mit dem Bundesumweltministerium und mit der dĂ€nischen Umweltbehörde. Ziel sei, zu erfahren, ob es sich bei dem toten Wal um das Tier handle, das zuvor mehrfach in der Wismarbucht gestrandet sei.Â
Solange keine gesicherten Informationen vorliegen, beteilige er sich nicht an Spekulationen. Davon rate er auch allen ab, die «nun wieder in den sogenannten sozialen Medien Verschwörungstheorien verbreiten oder solchen aufsitzen», sagte der Minister weiter.Â
Drama um Walrettung
Der vor der deutschen KĂŒste gestrandete Wal hatte wochenlang Schlagzeilen gemacht. Das bislang letzte Kapitel der Saga war ein tagelanger Transport der privaten Rettungsinitiative in die Nordsee. Wie dieser genau endete, war aber bis zuletzt unklar. Fotos oder Videos vom Freisetzen existieren nach Aussage der Initiative nicht. Unklar blieb auch, in welchem Zustand das geschwĂ€chte und vom Hin und Her im Kahn verletzte Tier zu diesem Zeitpunkt war.
Es gibt bislang keine belastbaren Daten dazu, wo das Tier ist. Ein GPS-Sender liefere weiterhin keinerlei Signale zur Ortung, hieĂ es jĂŒngst von der Privatinitiative. Es gebe ĂŒberhaupt keine Daten mehr. Experten von Tierschutzorganisationen hatten die langfristigen Ăberlebenschancen des Wals ĂŒbereinstimmend als sehr gering eingeschĂ€tzt.
Vor dem Freisetzen des Buckelwals am 2. Mai soll nach Angaben der Initiative ein GPS-Sender an der RĂŒckenfinne angebracht worden sein, der stetig Ortsdaten liefern sollte. Ob dies tatsĂ€chlich erfolgte, lieĂ sich nicht durch unabhĂ€ngige Quellen verifizieren. Nach dĂ€nischen Angaben wurde bei dem vor Anholt entdeckten Kadaver kein Sender gefunden.Â
Der vor Deutschland gestrandete Bulle war Anfang MĂ€rz erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen. Mit einem Lastkahn wurde er von der Insel Poel aus in die Nordsee gebracht.
Mehrfach gestrandet
Der Buckelwal war nach Angaben der Behörden zunĂ€chst im Hafen von Wismar aufgetaucht. In der Nacht zum 23. MĂ€rz strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Dem Tier gelang es, das flache Wasser ĂŒber eine ausgehobene Rinne zu verlassen.Â
Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar. SchlieĂlich schwamm es in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber weniger Stunden spĂ€ter am Ausgang der Bucht wieder fest.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte Mitte April entschieden, eine private Rettungsinitiative zu dulden. Sie wurde von Mediamarkt-GrĂŒnder Walter Gunz und der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert.
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