SĂ€ureanschlag, Topmanager

SĂ€ureanschlag auf Topmanager: elf Jahre Haft fĂŒr zweiten Mann

19.02.2024 - 18:05:05

Vor fast sechs Jahren lauerten zwei MĂ€nner Topmanager Bernhard GĂŒnter auf, als der sonntags vom Joggen kam und mit frischen Brötchen nach Hause ging. Sie schĂŒtteten ihm SchwefelsĂ€ure ins Gesicht.

  • Der zweite TĂ€ter ist wegen des SĂ€uranschlags auf Bernhard GĂŒnther zu einer langjĂ€hrigen Haftstrafe verurteilt worden. - Foto: Henning Kaiser/dpa

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  • Bernhard GĂŒnther (r) hat als Zeuge an dem Prozess in Wuppertal teilgenommen (Archivbild). - Foto: Henning Kaiser/dpa

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Der zweite TĂ€ter ist wegen des SĂ€uranschlags auf Bernhard GĂŒnther zu einer langjĂ€hrigen Haftstrafe verurteilt worden. - Foto: Henning Kaiser/dpaBernhard GĂŒnther (r) hat als Zeuge an dem Prozess in Wuppertal teilgenommen (Archivbild). - Foto: Henning Kaiser/dpa

FĂŒr den SĂ€ureanschlag auf Energie-Topmanager Bernhard GĂŒnther in Haan bei DĂŒsseldorf ist ein zweiter mutmaßlicher TĂ€ter verurteilt worden - zu elf Jahren Haft. Das Landgericht in Wuppertal sprach den 37-JĂ€hrigen wegen schwerer Körperverletzung schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft beantragt. Die Verteidiger hatten einen Freispruch gefordert.

Beide AttentĂ€ter hĂ€tten erreichen wollen, dass GĂŒnther erblindet, das sei eindeutig, sagte der Vorsitzende Richter Klaus Blume. Beide hĂ€tten sich aus einem Bordell gekannt. Bei der Auswertung eines Handys habe ein gelöschter Chat der beiden MĂ€nner wieder hergestellt werden können; der 37-jĂ€hrige Hobby-Ringer habe zudem ein auffĂ€lliges Verhalten an den Tag gelegt und zwei Tage nach der Tat seine Handynummer gelöscht. Der Hintermann, der den Anschlag in Auftrag gegeben habe, sei weiterhin unbekannt, rĂ€umte der Richter ein.

«Wir sind froh ĂŒber die klare Verurteilung», sagte GĂŒnther nach Prozessende. «Unser Weg ist damit noch nicht zu Ende. Wir setzen weiterhin alles daran, die HintermĂ€nner und den Auftraggeber benennen zu können. Bisher lagen wir mit unserer Hypothese, dass der Auftraggeber aus meinem beruflichen Umfeld kommt, richtig. Das hat dieses und auch das zurĂŒckliegende Verfahren bestĂ€tigt.»

Aufgelauert wÀhrend der sonntÀglichen Joggingrunde

Auf GĂŒnther war am 4. MĂ€rz 2018 ein Anschlag verĂŒbt worden: Zwei MĂ€nner lauerten dem Manager in der NĂ€he seines Privathauses in Haan bei DĂŒsseldorf auf und ĂŒbergossen ihn mit hochkonzentrierter SchwefelsĂ€ure. GĂŒnther kam gerade von seiner sonntĂ€glichen Joggingrunde und hatte nach einem Abstecher beim BĂ€cker frische Brötchen dabei.

Der inzwischen 57-jÀhrige Manager wurde schwer verletzt. Augenlider und Teile seiner Gesichtshaut mussten transplantiert werden. Er musste sich zahlreichen Operationen unterziehen und drohte zeitweise zu erblinden.

Der Manager war damals Finanzchef des Energiekonzerns Innogy, der wenige Tage spĂ€ter vom Eon-Konzern ĂŒbernommen wurde. Heute ist er Manager beim finnischen Energieversorger Fortum mit mehr als 19.000 Mitarbeitern.

Ein TÀter mit belgischem Pass war wegen des grausamen Angriffs bereits 2022 zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe ist inzwischen rechtskrÀftig. Bei in erster Instanz verurteilten Mann soll es sich um dessen Komplizen handeln, den zweiten Mann am Tatort.

Dessen Verteidiger Ă€ußerten Zweifel, ob der Manager den Hobby-Ringer tatsĂ€chlich auf Fotos wiedererkannt hatte. Zuerst hĂ€tten ihm Privatdetektive Fotos des Mannes vorgelegt. Deswegen sei er bei der spĂ€teren Wahllichtbildvorlage bei der Polizei bereits beeinflusst gewesen. Dort musste GĂŒnter den Mann unter verschiedenen anderen wiedererkennen.

Gericht lehnte Alibi ab

Ein anonymer Hinweisgeber, der fast 200.000 Euro Belohnung erhielt, hatte den Ermittlungen zum Durchbruch verholfen. Ihm sei es erkennbar nur ums Geld gegangen, kritisierten die Verteidiger. GĂŒnthers Aussagen seien zudem nicht konsistent gewesen.

BeweisantrÀge der Verteidiger, mit denen nachgewiesen werden sollte, dass der 37-JÀhrige zur Tatzeit in Belgrad gewesen sein soll, hatte das Gericht abgelehnt. Das vermeintliche Alibi hatten die Verteidiger erst kurz vor Schluss der Beweisaufnahme prÀsentiert.

ErklĂ€rtes Ziel GĂŒnthers ist es, den Auftraggeber des Anschlags zu identifizieren. Er vermutet ein berufliches Komplott hinter der Attacke: Ein Rivale habe ihn damals im Kampf um die Karriere ausschalten wollen.

@ dpa.de