«Oscarreife Fahndung»: AmoklÀufer wieder in Psychiatrie
07.09.2025 - 14:36:58Nach seiner Flucht und der Festnahme in Kolumbien ist der AmoklĂ€ufer von Ansbach wieder in der Psychiatrie. Er wurde am Morgen nach Deutschland und dann zurĂŒck nach Erlangen in die geschlossene Abteilung gebracht. «Es war eine filmreife Flucht und die Fahndung war oscarreif», sagte Oberstaatsanwalt Friedrich WeitÂner. Details nannte er zunĂ€chst nicht.Â
Blutiger Amoklauf, dann Jahre in der Psychiatrie
Der Mann war fĂŒr einen Amoklauf im Jahr 2009 an einer Ansbacher Schule verurteilt. Der damals 18-JĂ€hrige war mit einem Beil, Messern und Molotow-Cocktails bewaffnet in die Schule gekommen und hatte neun MitschĂŒler und einen Lehrer verletzt. 2010 war er wegen versuchten Mordes in 47 FĂ€llen zu neun Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Eine Jugendkammer hatte zudem die unbefristete Unterbringung in einer Psychiatrie angeordnet.
Der Mann durfte bereits seit Beginn des Jahres regelmĂ€Ăig die Forensische Psychiatrie zu TagesausgĂ€ngen verlassen. Das war Teil der Therapie. Bislang habe es laut Staatsanwaltschaft dabei keine Vorkommnisse gegeben. Seinem Anwalt David MĂŒhlberger zufolge hatte er Fortschritte in der Therapie gemacht. «Er hatte zuletzt 30-stĂŒndigen Ausgang pro Woche, da hĂ€tte er, wenn es seine Absicht gewesen wĂ€re, die ganze Zeit Straftaten begehen können», so MĂŒhlberger.
Laut Staatsanwaltschaft wurde zuletzt am 4. Juli dieses Jahres die weitere Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie angeordnet. Dabei habe es bis zur Flucht keine Vorkommnisse oder Beanstandungen gegeben.Â
Ermittlungen bis nach SĂŒdamerika
Vor rund drei Wochen dann kehrte der Mann von einem unbegleiteten Ausgang nicht mehr zurĂŒck. ZunĂ€chst fĂŒhrte die Spur nach MĂŒnchen. Direkt nach der Flucht hatte die Staatsanwaltschaft bestĂ€tigt, dass es einen Kontakt in die bayerische Landeshauptstadt gebe, der ĂŒberprĂŒft werde. WĂ€hrend seiner Unterbringung hat er laut Staatsanwaltschaft eine Frau ĂŒber das Internet kennengelernt. Ob hier ein Zusammenhang vorliegt, war zunĂ€chst nicht bekannt.Â
Festgenommen wurde der Mann dann in Kolumbien. «Dank der akribischen Arbeit der Kriminalpolizeiinspektion Erlangen und der speziell ausgebildeten Zielfahnder beim bayerischen Landeskriminalamt konnte der FlĂŒchtige sogar im Ausland schnell ausfindig gemacht und in Kooperation mit dem Bundeskriminalamt in einem Musterbeispiel internationaler Zusammenarbeit zurĂŒckgebracht werden», teilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann mit. Viele Fragen sind aber noch offen, etwa, wie der Mann untertauchen und nach Kolumbien kommen konnte.Â
Er wÀre vielleicht bald freigekommen
Warum der Mann geflohen ist, wirft Fragen auf. Denn er hĂ€tte möglicherweise ohnehin bald mehr Freiheiten genieĂen können: «Wenn alles komplikationslos gelaufen wĂ€re, wĂ€re ein Entlasszeitraum innerhalb von zwei Jahren nach meiner Ăberzeugung realistisch gewesen. Das hĂ€tte das Probewohnen allerdings schon beinhaltet, heiĂt, er wĂ€re zwar formal noch in der MaĂregel gewesen, tatsĂ€chlich hĂ€tte er allerdings schon zuhause gewohnt», sagte MĂŒhlberger.Â
Wie es jetzt weitergeht
Einen neuen Prozess erwartet den 34-JĂ€hrigen nicht. «Das, was er jetzt getan hat, stellt letzten Endes einen VerstoĂ gegen die Hausordnung dar, das ist strafrechtlich nicht relevant», erklĂ€rt sein Anwalt. FrĂŒheren Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge muss der Mann aber damit rechnen, dass alle LockerungsmaĂnahmen zurĂŒckgenommen werden. Es werde eine neue Risikobewertung vorgenommen. Das Klinikum wollte sich zunĂ€chst auf Anfrage nicht Ă€uĂern.


