Vorlesemonitor, Stiftung Lesen

Vorlesemonitor: 77 Prozent der Eltern lesen regelmäßig vor

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Anteil der Eltern, die regelmäßig vorlesen, ist seit 2022 deutlich gestiegen. Die Stiftung Lesen warnt jedoch vor Rückschritten, weil ein Förderprogramm des Bundes Ende des Jahres ausläuft.

Vorlesen erreicht mehr Kleinkinder

  • Die Befragung umfasst 914 Eltern und wurde für den Vorlesemonitor 2026 ausgewertet.
  • Bei einjährigen Kindern lesen 75 Prozent der befragten Eltern regelmäßig vor, bei Zweijährigen sind es 93 Prozent.
  • Das Programm «Lesestart 1-2-3» wird laut Stiftung Lesen Ende 2026 nicht weiter gefördert.
  • Gerade bei Kleinkindern ist regelmäßiges Vorlesen eminent wichtig, sagen Experten. (Symbolfoto) - Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
  • Über das Vorlesen ins Gespräch kommen, auch das trägt zum Spracherwerb bei, sagt die Stiftung Lesen. (Symbolfoto) - Bild: Hans-Thomas Frisch/dpa
Gerade bei Kleinkindern ist regelmäßiges Vorlesen eminent wichtig, sagen Experten. (Symbolfoto) - Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa Über das Vorlesen ins Gespräch kommen, auch das trägt zum Spracherwerb bei, sagt die Stiftung Lesen. (Symbolfoto) - Bild: Hans-Thomas Frisch/dpa

Vorlesemonitor zeigt mehr Vorlesezeit in Familien

Mehr Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern regelmäßig vor. Laut Vorlesemonitor gaben knapp 77 Prozent der Befragten an, mehrmals am Tag, einmal am Tag oder mehrmals pro Woche vorzulesen.

2024 hatte der Anteil noch bei knapp 68 Prozent gelegen, zwei Jahre zuvor bei rund 61 Prozent. Zugleich sank der Anteil der Eltern, die nie vorlesen, von einem Fünftel im Jahr 2022 auf 12 Prozent.

Umfrage erfasst 914 Eltern

Der Vorlesemonitor ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung «Die Zeit» und der Deutsche Bahn Stiftung. Für die aktuelle Ausgabe wurde eine repräsentative Stichprobe von 914 Eltern befragt.

Der Erhebung zufolge lesen 75 Prozent der befragten Eltern einjähriger Kinder regelmäßig vor. Bei den Zweijährigen lag der Anteil bei 93 Prozent.

Frühe Sprachimpulse durch Bücher

Timm Albers, Professor am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Paderborn, sprach von einer Fortsetzung des positiven Trends. Frühes Vorlesen sei zentral für den Erwerb von Sprache und Wortschatz.

Eine feste Routine könne Gespräche zwischen Eltern und Kindern fördern und zusätzliche Sprachimpulse geben. Nach Einschätzung von Albers könnten auch schlechte Ergebnisse bei Bildungsstudien dazu beigetragen haben, dass das Lesen stärker in den Fokus gerückt sei.

Stiftung warnt vor Ende der Förderung

Der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg Maas, führt die Entwicklung unter anderem auf das Programm «Lesestart 1-2-3» zurück. Dabei werden in Kinder- und Jugendarztpraxen sowie Bibliotheken Buchgeschenke an Familien verteilt.

Die Förderung läuft laut Maas Ende dieses Jahres aus. Er warnte, der positive Trend könne dadurch wieder zunichtegemacht werden. Rund ein Viertel der Kinder bekomme nach wie vor nicht oder zu selten vorgelesen.

Bildung beeinflusst Vorlesehäufigkeit

Das Bundesbildungsministerium verweist darauf, dass Projektförderungen grundsätzlich zeitlich befristet seien. Seit 2011 seien gut 40 Millionen Euro geflossen; die Stiftung könne künftig erneut eine Projektskizze oder einen Förderantrag einreichen.

Das Ministerium betont zugleich, sein Engagement für Sprach- und Leseförderung gehe über die «Lesestart»-Projekte hinaus. Nach dem Vorlesemonitor lesen 80 Prozent der Eltern mit formal höherer Bildung regelmäßig vor, bei formal niedriger Bildung sind es 70 Prozent.

Vorlesen gehört zu den einfachsten Möglichkeiten, Kinder früh mit Sprache, Büchern und Geschichten vertraut zu machen. Die Ergebnisse des Vorlesemonitors zeigen zugleich, dass regelmäßiges Vorlesen in Familien keine Selbstverständlichkeit ist: Trotz des Anstiegs erhält weiterhin etwa ein Viertel der Kinder zu wenig oder gar keine entsprechende Unterstützung.

Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei Kleinkindern aus. Gerade in den ersten Lebensjahren entstehen durch gemeinsames Betrachten, Benennen und Erzählen wichtige Sprechanlässe. Vorleseroutinen können dabei helfen, Wortschatz und Sprachverständnis im Alltag zu fördern, ersetzen aber keine gezielte Unterstützung, wenn Kinder zusätzlichen Förderbedarf haben.

Förderung bleibt entscheidend

Die Unterschiede nach formaler Bildung deuten darauf hin, dass Zugang, Zeit, Bücher und Sicherheit im Umgang mit dem Vorlesen weiterhin ungleich verteilt sind. Dass die Unterschiede zwischen Familien mit und ohne Zuwanderungsgeschichte laut Umfrage gering ausfallen, spricht zugleich gegen eine einfache Erklärung über Herkunft.

Für die Bildungspolitik liegt die zentrale Herausforderung darin, den positiven Trend zu stabilisieren und jene Familien zu erreichen, die bislang kaum vorlesen. Programme mit niedrigschwelliger Ansprache über Arztpraxen, Bibliotheken und Bildungseinrichtungen können dabei eine Brücke bilden. Mit dem angekündigten Ende der Förderung von «Lesestart 1-2-3» stellt sich deshalb die Frage, wie diese Zugänge künftig erhalten bleiben.

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