Nach mysteriösem Tod von Mango-GrĂŒnder: Sohn unter Verdacht
19.05.2026 - 12:58:56 | dpa.de Ein mutmaĂliches Verbrechen im Umfeld der GrĂŒnderfamilie erschĂŒttert den weltweit erfolgreichen spanischen Modekonzern Mango - und sorgt in ganz Spanien fĂŒr Aufsehen. Knapp eineinhalb Jahre nach dem Tod von FirmengrĂŒnder Isak Andic wurde nun dessen Sohn als VerdĂ€chtiger festgenommen. Bisher war man von einem Unfall ausgegangen.
Jonathan Andic sei in Barcelona in Gewahrsam genommen worden, berichteten der staatliche TV-Sender RTVE und weitere Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise. Ein Sprecher der Polizei bestÀtigte die Festnahme auf Anfrage.
Isak Andic war am 14. Dezember 2024 bei einem Familienausflug im Montserrat-Gebirge circa 40 Kilometer nordwestlich von Barcelona in den Tod gestĂŒrzt. Er war damals 71 Jahre alt. Ein Unfall hieĂ es seinerzeit. Der mehrfache MilliardĂ€r sei in den Salpeterhöhlen von CollbatĂł ausgerutscht und 150 Meter in die Tiefe gefallen. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen wurden irgendwann jedoch Zweifel laut, der GrĂŒnder-Sohn geriet in den Fokus der Ermittlungen. Laut Medien wurde auch sein Handy untersucht.
Medien: Sohn verwickelte sich in WidersprĂŒche
Nach bisherigen Erkenntnissen der katalanischen Polizei Mossos d'Esquadra war Jonathan Andic die einzige Begleitperson, als der Mango-GrĂŒnder in die Tiefe stĂŒrzte. Dem 44-JĂ€hrigen werde nun Totschlag vorgeworfen, berichtete RTVE. Die Polizei habe WidersprĂŒche in seiner Aussage festgestellt. Die Lebenspartnerin von Isak Andic, die Profi-Golfspielerin EstefanĂa Knuth, habe von einem schlechten VerhĂ€ltnis zwischen Vater und Sohn erzĂ€hlt.
Der VerdĂ€chtige wurde noch am Dienstag in Handschellen zum Verhör gebracht und der Richterin am Untersuchungsgericht Nr. 5 in Martorell bei Barcelona vorgefĂŒhrt. Diese ordnete nach der Anhörung Untersuchungshaft an, die gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von einer Million Euro ausgesetzt werden kann. Ob der VerdĂ€chtige davon Gebrauch machen wird, wurde zunĂ€chst nicht mitgeteilt. Falls er das tut, muss er seinen Reisepass abgeben, er darf Spanien nicht verlassen und muss sich einmal pro Woche beim Gericht melden.
Familienvertreter teilten der Nachrichtenagentur Europa Press mit, Jonathan Andic habe am Dienstagvormittag bereits eine erste Aussage gemacht. Wegen der Geheimhaltung des Verfahrens könne man keine weiteren Angaben machen, hieà es weiter. Man arbeite aber eng mit den Behörden zusammen.
Sogar Spaniens Königin Letizia trÀgt Mango
Mit einem geschĂ€tzten Vermögen von rund 4,5 Milliarden Euro galt Andic als einer der wohlhabendsten MĂ€nner Spaniens. Er war begeisterter Bergsteiger und Wanderer. Andic habe nicht nur die katalanische, sondern auch die globale Modebranche unauslöschlich geprĂ€gt, schrieb der katalanische RegionalprĂ€sident Salvador Illa nach dem Tod auf der Nachrichtenplattform X. Sogar Spaniens Königin Letizia trĂ€gt Mango. Nach der ĂŒberraschenden Wende gaben weder Illa noch andere Persönlichkeiten zunĂ€chst Stellungnahmen ab.
Die Familie des 1953 in Istanbul geborenen Unternehmers war 1969 nach Spanien ausgewandert. Im Alter von 17 Jahren verkaufte er bereits Kleidung und Schuhe auf MÀrkten. Anfang der 1980er Jahre eröffnete Andic in Barcelona und in Madrid mehrere ModegeschÀfte unter dem Namen Isak Jeans. Vor etwas mehr als 40 Jahren benannte er diese in Mango um. Neben Jonathan hatte Andic zwei Töchter, Judith und Sarah, die ebenfalls im Unternehmen tÀtig sind.
Knapp 3.000 Verkaufspunkte in mehr als 120 LĂ€ndern
«Isak war ein Vorbild fĂŒr uns alle», hatte Mango-CEO Toni Ruiz in der Mitteilung kurz nach dem Tod gesagt. «Er hat sein Leben dem Mango-Projekt gewidmet und einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen, dank seiner strategischen Vision, seiner inspirierenden FĂŒhrungsqualitĂ€ten und seinem unerschĂŒtterlichen Engagement fĂŒr Werte, die er selbst in unser Unternehmen eingebracht hat.»
Mit 2.900 Verkaufspunkten in mehr als 120 LĂ€ndern und mehr als 18.000 Mitarbeitern schloss Mango das vergangene GeschĂ€ftsjahr 2025 mit einem Umsatzrekord von mehr als 3,7 Milliarden Euro ab. Das entsprach einem Wachstum von 13 Prozent im Vergleich zu 2024. Knapp 80 Prozent des Umsatzes wird inzwischen nach Konzernangaben auĂerhalb Spaniens erzielt.
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