Alles von vorn - Gift-Prozess um SanitÀterin neu gestartet
19.12.2025 - 13:11:51Der Prozess um eine angehende NotfallsanitĂ€terin, die versucht haben soll, ihre Kollegen zu vergiften, hat vor dem Landgericht Heilbronn von vorn begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft der jungen Frau aus dem Kreis Ludwigsburg versuchten Mord in vier FĂ€llen vor. Sie sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Nach dem Tod eines Schöffen war die erste Auflage des Prozesses nach drei Monaten geplatzt.Â
Die angeklagte 25-JĂ€hrige gab zu, ihren damaligen Kollegen mehrfach Notfallmedikamente untergemischt zu haben - etwa in einer Trinkflasche. Sie habe allerdings keinesfalls die Absicht gehabt, jemanden körperlich zu schĂ€digen oder umzubringen, sagte sie in der Verhandlung. Ăber die MordvorwĂŒrfe sei sie «entsetzt».
Die Angeklagte spricht von massivem Druck und Mobbing wĂ€hrend ihrer Ausbildung und von anderen persönlichen Belastungen. Einen betroffenen Kollegen habe sie «nur Ă€rgern» wollen. Bei einem anderen sei die Absicht gewesen, ihm «eins auszuwischen».Â
Staatsanwaltschaft: Kollegen befanden sich in LebensgefahrÂ
Die Staatsanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass die Angeklagte die potenziell lebensgefĂ€hrliche Wirkung der Medikamente «mindestens vorhergesehen und billigend in Kauf genommen» hat. So hĂ€tten sich die SanitĂ€ter dadurch teilweise in Lebensgefahr befunden. Deren Ăberleben sei rein zufĂ€llig gewesen.Â
Nach Ăberzeugung der Staatsanwaltschaft hat die Angeklagte «aus tief empfundener Wut» wegen Kritik an ihrer Arbeit gehandelt. AuĂerdem habe sie die Wirkung der Notfallmedikamente wie etwa Atropin auf Menschen erkunden wollen. Das aus der Tollkirsche gewonnene Gift ist wasserlöslich und kann bei einer Ăberdosierung tödlich wirken.
Entschuldigungsbrief
Mit zwei ehemaligen Kollegen habe sich die Angeklagte bereits auĂergerichtlich auf einen Vergleich geeinigt, teilten ihr Verteidiger und die Vertretung der GeschĂ€digten mit. So erhielten die SanitĂ€ter neben mehreren Tausend Euro und einen handschriftlichen Entschuldigungsbrief der Angeklagten.
FĂŒr den zweiten Anlauf der Hauptverhandlung sind acht weitere Prozesstage geplant.


