Kinder in Portugal ausgesetzt â Fahndung nach der Mutter
21.05.2026 - 14:52:08 | dpa.deNach der mutmaĂlichen Aussetzung von zwei französischen Kleinkindern in Portugal lĂ€uft dort und auch in Frankreich die Fahndung nach der Mutter und dem Stiefvater auf Hochtouren. Die beiden BrĂŒder im Alter von drei und fĂŒnf Jahren waren weinend und allein an einer abgelegenen LandstraĂe nahe AlcĂĄcer do Sal rund 60 Kilometer sĂŒdöstlich von Lissabon gefunden worden. Nach Angaben portugiesischer Medien sollen sie erst wenige Tage zuvor gemeinsam mit Mutter und Stiefvater eingereist sein.
Die portugiesische Kriminalpolizei teilte mit, man sei «wegen des Verdachts der Aussetzung» von der Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen beauftragt worden. Die französischen Behörden hÀtten bereits eine Fahndung nach den MinderjÀhrigen und ihrer Mutter eingeleitet, nachdem der leibliche Vater ihr Verschwinden aus der Wohnung im elsÀssischen Colmar gemeldet habe, hieà es. Die Mutter werde «wegen möglicher Straftaten» nun intensiv gesucht.
Die portugiesische Nationalgarde GNR verfĂŒge ĂŒber Aufnahmen des Wagens beim GrenzĂŒbertritt am 11. Mai, berichtete die Zeitung «Correio da Manhã» unter Berufung auf die Behörden. Ein Sprecher der Polizei sagte der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage, die Informationen des Blattes seien «nicht falsch». Zum Schutz der Kinder könne man aber keine weiteren Angaben machen.
Ein Autofahrer hatte die beiden Jungs am Dienstagabend allein und weinend am Seitenstreifen der abgelegenen, wenig befahrenen NationalstraĂe 253 nahe der Ortschaft Monte Novo do Sul entdeckt. Portugiesische Medien veröffentlichten Bilder der beiden blonden Kinder. Ausweise hatten sie nicht bei sich. Laut Medien erzĂ€hlten sie Beamten der Nationalgarde, ihre Mutter und ihr Stiefvater hĂ€tten sie mit verbundenen Augen im Wald allein gelassen. Als sie die Augenbinden abgenommen hĂ€tten, seien die Eltern bereits weg gewesen.
Kinder unter Vorwand im Wald verlassen
Der Mann, der die Kinder aufgriff, war mit dem Auto unterwegs, als er die beiden plötzlich im RĂŒckspiegel sah. Dem Fernseh-Nachrichtensender «SIC NotĂcias» schilderte er, das Ă€ltere Kind habe ihm erzĂ€hlt, dass die Eltern sie unter dem Vorwand eines Spiels verlassen hĂ€tten. «Die Eltern haben ihnen gesagt, dass sie im Wald nach einem Spielzeug suchen sollten», sagte er sichtlich mitgenommen, wĂ€hrend er sich die TrĂ€nen von den Augen wischte.
«Als ich in ihre RĂŒcksĂ€cke sah, war mir sofort klar, dass sie ausgesetzt worden waren», erzĂ€hlte er. «Dort waren nĂ€mlich komplette Wechselkleidung, Kekse, Obst und eine Flasche Wasser.» Um sich mit den Kindern verstĂ€ndigen zu können, habe er telefonisch eine französische Bekannte um Hilfe beim Ăbersetzen gebeten.
Familie laut Medien bereits komplett identifiziert
«Correio da Manhã» veröffentlichte neue Details der Ermittlungen. Demnach soll die bereits komplett identifizierte Familie zuletzt in einem Hotel im Raum AlcĂĄcer do Sal unweit der AtlantikkĂŒste ĂŒbernachtet haben. Nach Angaben des Ă€lteren Kindes hĂ€tten alle am Dienstag - wenige Stunden vor der mutmaĂlichen Aussetzung - noch gemeinsam in der Region zu Mittag gegessen.
Nach einem Bericht von CNN Portugal sollen die Kinder, die bei ihrem Vater in Frankreich lebten, von der Mutter entfĂŒhrt worden sein. Der biologische Vater habe die Jungs in Frankreich inzwischen als vermisst gemeldet, hieĂ es.
Die Mutter soll die Kinder entfĂŒhrt haben
Das deckt sich mit Informationen der französischen Zeitung «Le Parisien», wonach die 41 Jahre alte Mutter mit den beiden Kindern verschwunden sein soll und von den französischen Behörden ebenfalls intensiv gesucht wird. Die Frau soll in Frankreich auĂerdem einen 16 Jahre alten Sohn zurĂŒckgelassen haben.
Bei der Staatsanwaltschaft in Colmar im Elsass sei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Aussetzung MinderjÀhriger eingeleitet worden, berichtete «Le Parisien». Nach Angaben von Staatsanwalt Jean Richert werde die Mutter, die «ohne jede ErklÀrung» mit den Kindern verschwunden sei, auch in Frankreich intensiv gesucht. Der von ihr getrennt lebende Vater habe sich inzwischen selbst bei der Polizei gemeldet. «Er versteht es genauso wenig wie alle anderen», sagte der Staatsanwalt laut dem Bericht.
Nach einer medizinischen Untersuchung wurden die beiden BrĂŒder inzwischen laut Medien in die Obhut der französischen Botschaft in Lissabon ĂŒbergeben. Der Vorgang werde von der Kinderschutzkommission CPCJ sowie den französischen Jugendschutzbehörden beaufsichtigt. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen, die beiden Jungen an Angehörige in Frankreich zu ĂŒbergeben.
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