Hafenchef: Habe Block beschuldigte Firma nicht empfohlen
13.10.2025 - 14:31:56 | dpa.deIm Verfahren um die EntfĂŒhrung der Block-Kinder hat Hamburgs Hafenchef Jens Meier als Zeuge Angaben zur Vorgeschichte des Falls gemacht. Medienberichte, er habe die israelische Sicherheitsfirma empfohlen, die spĂ€ter die Kinder mutmaĂlich in der Silvesternacht 2023/24 aus DĂ€nemark entfĂŒhrte, seien «kompletter Quatsch», sagte der 59-JĂ€hrige am 17. Prozesstag.
Meier leitet die stÀdtische Hamburger Hafenverwaltung HPA und ist zudem PrÀsident der Welthafenorganisation IAPH. Von 2015 bis 2018 war er PrÀsident des Hamburger SV e.V. Laut Staatsanwaltschaft war Meier zu keinem Zeitpunkt Beschuldigter in dem Verfahren.
Das «DÀnemark-Projekt»
Der Zeuge berichtete, er kenne den Familienanwalt der Blocks, der in dem Verfahren einer der sieben Angeklagten ist, seit vielen Jahren aus unterschiedlichen geschÀftlichen TÀtigkeiten. Da er sich als Hafenchef beruflich gut mit IT-Sicherheit auskenne, habe er diesem Anwalt auf Anfrage zwei Kontakte gegeben, die vielleicht beim Thema Cybersicherheit in dessen Kanzlei und in der Block-Gruppe weiterhelfen könnten, sagte Meier.
Auch habe sich der Anwalt Informationen ĂŒber die Familie des Vaters der Block-Kinder in DĂ€nemark erhofft, die im langen Sorgerechtsstreit zwischen der Unternehmerin Christina Block und ihrem Ex-Mann Stephan Hensel hilfreich sein könnten.
Nichts anderes habe er mit der Formulierung «DĂ€nemark-Projekt» gemeint, die die Ermittler in einer Nachricht bei ihm entdeckt hatten, versicherte Meier. Das sei «etwas unglĂŒcklich» formuliert gewesen. Meier hatte der Auswertung seiner DatentrĂ€ger nach Gerichtsangaben selbst zugestimmt.Â
«Zwei Telefonnummern weitergegeben»
«Ich habe zwei Telefonnummern weitergegeben», sagte Meier zu seinen GesprĂ€chen mit dem Familienanwalt und einem IT-Experten der Block-Gruppe. Das sei alles gewesen. Bei den Unterhaltungen sei es nie um die RĂŒckholung von Personen gegangen, betonte Meier. «Es ging rein um eine technische Recherche.»
Bei den beiden Kontakten handelte es sich nach Aussage von Meier um einen frĂŒheren hochrangigen Polizeibeamten, der zu diesem Zeitpunkt fĂŒr ein privates deutsches Sicherheitsunternehmen arbeitete und einen Mann, der als guter Netzwerker zu israelischen Firmen gelte, die Spezialisten im Bereich IT-Sicherheit sind.
In Israel gebe es viele «Topfirmen», die zu den MarktfĂŒhrern im Bereich Cybersicherheit gehörten, sagte Meier. Die israelische Firma, die im EntfĂŒhrungsfall beschuldigt wird, gehöre nicht zu diesen MarktfĂŒhrern. Er habe ihren Namen zu diesem Zeitpunkt gar nicht gekannt.
Sicherheitsfirma soll Kinder nach Deutschland gebracht haben
Nach Darstellung der Angeklagten Christina Block war diese Firma ausschlieĂlich zur ĂberprĂŒfung der Cybersicherheit des zur Block-Gruppe gehörenden ElysĂ©e-Hotels angeworben worden und handelte ihr zufolge bei der RĂŒckholaktion auf eigene Faust.
Die 52-JĂ€hrige ist die Tochter des GrĂŒnders der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block. Sie soll der Anklage zufolge den Auftrag gegeben haben, zwei ihrer Kinder aus der Obhut des Vaters zu entfĂŒhren. Sie bestreitet das. An Silvester vor gut zwei Jahren waren der damals zehnjĂ€hrige Sohn und die 13-jĂ€hrige Tochter mutmaĂlich von Mitarbeitern der israelischen Sicherheitsfirma entfĂŒhrt und zur Mutter nach Deutschland gebracht worden.
Fiel schon bei einem Treffen im Grand Elysée der Firmenname?
Wiederholt sprachen die Vorsitzende Richterin, Meier und die AnwĂ€lte im Gerichtssaal ĂŒber ein Treffen im Hotel Grand ElysĂ©e. Das trug sich im Mai oder Juni 2023 zu, wie die Richterin sagte. Sie fragte Meier, ob bei dem Treffen schon ĂŒber die israelische Sicherheitsfirma gesprochen worden sei, die mit der EntfĂŒhrung in Verbindung gebracht wird. Meier sagte, das sei nicht der Fall gewesen. Er habe den Namen des Unternehmens erstmals in einer Mail gelesen - und das erst im August 2023.
Geldsummen sind in Notizbuch festgehaltenÂ
Nach der Mittagspause verlas die Vorsitzende Richterin rund zwei Stunden lang ĂŒbersetzte Mitschriften aus einem Notizbuch. AnwĂ€lte mehrerer Angeklagter erklĂ€rten, es sei nicht bewiesen, dass diese Notizen aus der Feder des Mannes stammten, der Leiter der beschuldigten israelischen Sicherheitsfirma gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft geht allerdings davon aus.Â
GröĂtenteils waren die Inhalte des Notizbuchs kryptisch. Stichwortartig wurden beispielsweise Geldsummen, Hotelaufenthalte und Namen genannt. Es fielen Formulierungen wie «Medienarbeit und Krieg», «Zweifel an der Persönlichkeit des Vaters» und «Erzfeind».Â
Anwalt der Nebenklage: An EntfĂŒhrer sei Geld geflossenÂ
Der Verteidiger des angeklagten Israeli (36), der seine Beteiligung an der RĂŒckholaktion zugegeben hat, sagte: Das Notizbuch belege, dass zahlreiche Leistungen erbracht worden seien. Dies zeige, dass das mutmaĂlich in die EntfĂŒhrung verwickelte Unternehmen nicht «selbst beauftragend» gehandelt habe.
Ăhnlich Ă€uĂerte sich der Anwalt der Nebenklage, der den Vater Hensel vertritt. Er sagte, es gab aus seiner Sicht eine Bezahlung an die EntfĂŒhrer. Blocks Verteidiger hat die Möglichkeit, sich zu einem spĂ€teren Zeitpunkt zu dem Notizbuch zu Ă€uĂern.Â
Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Bis Ende MÀrz hatte das Gericht insgesamt 53 Prozesstage terminiert. Bisher haben an vielen Verhandlungstagen die angeklagte Christina Block sowie als Zeuge ihr Ex-Mann ausgesagt. Auch Sicherheitsberater, der die Familie in DÀnemark im Auftrag der Familie Block beschatten sollte, wurde gehört. Die Liste weiterer Zeugen ist noch lang.
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