«Wie eine Mauer aus Wasser» - UnwetterschÀden in Italien
Veröffentlicht am: 16.03.2025 um 11:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Verschlammte HĂ€user, blockierte StraĂen und StromausfĂ€lle - die schweren Unwetter der vergangenen Tage haben in Mittel- und Norditalien eine Spur der VerwĂŒstung hinterlassen. Allein in der bei Touristen beliebten Region Toskana mit der Hauptstadt Florenz wurden die SchĂ€den laut Medienberichten auf mindestens 100 Millionen Euro geschĂ€tzt. Schwer betroffen war auch die nördlich angrenzende Region Emilia-Romagna mit der Hauptstadt Bologna und der Adria-Metropole Ravenna.Â
In Florenz waren am Freitag binnen sechs Stunden 70 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, was dort dem Durchschnitt eines ganzen Monats entspricht. Der Wasserstand des Arno war gefÀhrlich gestiegen, seit Samstag aber wieder gesunken. FlussabwÀrts in Pisa war die Lage ebenfalls kritisch. In Fauglia bei Pisa mussten Feuerwehrleute zwei Familien mit Schlauchbooten aus ihren vom Wasser eingeschlossenen HÀusern retten.
RĂŒckhaltebecken verhinderten das Schlimmste
Auch im Gebiet der Siave, eines Nebenflusses des Arno, gab es schwere Ăberschwemmungen. «Die Siave ist ĂŒber die Ufer getreten, und der Schlamm ist ĂŒberall eingedrungen. Wir haben in 40 Jahren noch nie so einen Regen gesehen, es schien wie eine Mauer aus Wasser», zitierte die Zeitung «La Repubblica» Bewohner des Ortes San Piero a Sieve nördlich von Florenz.
Der RegionalprĂ€sident der Toskana, Eugenio Giani, sagte, dass ein Abflusskanal und HochwasserrĂŒckhaltebecken das Schlimmste in Florenz verhindern konnten. «Wir stehen vor einer sehr ernsten Lage, aber wir können sagen, unser Arno-System hat funktioniert», sagte Giani. Er bat die Regierung in Rom, den nationalen Notstand auszurufen, um schnellere HilfseinsĂ€tze in den betroffenen Gebieten zu ermöglichen.Â
FrĂŒhjahrsregen wie sonst im Herbst
In der Emilia-Romagna war laut Zeitungsberichten die Provinz Ravenna am schwersten betroffen. In den vergangenen Jahren hatte es in der Region schon mehrere Hochwasser gegeben. Der BĂŒrgermeister der Kleinstadt Faenza, Fabrizio Curzio, sagte, es sei zermĂŒrbend, stĂ€ndig mit dieser Gefahr zu leben. «Die Sorge einer Stadt, die stĂ€ndig in Schach gehalten, von jedem gröĂeren Wetterereignis gefĂ€hrdet wird, ist unertrĂ€glich», sagte er.Â
Der Meteorologe Bernardo Gozzini bezeichnete die NiederschlĂ€ge als fĂŒr die Jahreszeit ungewöhnlich. «Ein solches Unwetter ist eher typisch fĂŒr November, wenn das Meer noch warm ist, und Wasser verdunstet», sagte er «La Repubblica». «Man kann fast sagen, dass es keinen Winter gab. Das Mittelmeer konnte sich nicht abkĂŒhlen», fĂŒgte er hinzu. Es sei vielleicht etwas gewagt, die Unwetter von heute mit Sicherheit dem Klimawandel zuzuschreiben. Aber 2024 sei das wĂ€rmste Jahr aller Zeiten gewesen.
