Wolfsangriff in Baruth: Polizei ermittelt gegen Mitarbeiterin
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 15:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWSErmittlungen nach dem Vorfall in Baruth
- Die Polizei ermittelt gegen eine Mitarbeiterin wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung.
- Der Angriff ereignete sich am Mittwochmorgen im Wildpark bei Baruth/Mark während eines Tierpflegertags.
- Das achtjährige Mädchen wurde schwer verletzt und per Rettungshubschrauber in eine Berliner Klinik gebracht.
Polizei untersucht Angriff im Wildpark Johannismühle
Nach dem Angriff eines Wolfs auf ein achtjähriges Mädchen in einem Wildpark im brandenburgischen Baruth/Mark ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Die Ermittlungen richten sich gegen eine Mitarbeiterin, die mit den Kindern im Gehege gewesen sein soll.
Landkreis kündigt Kontrolle an
Der Landkreis Teltow-Fläming kündigte eine Aufarbeitung des Angriffs und eine Kontrolle des Wildparks südlich von Berlin an. Auch die Sicherheitsvorkehrungen in den Wolfsgehegen dürften dabei geprüft werden.
Ein Wolf hatte das Mädchen am Mittwochmorgen schwer verletzt. Das Kind wurde per Rettungshubschrauber in eine Berliner Klinik gebracht.
Angriff während eines Kinderprogramms
Für mehrere Kinder war vor der regulären Öffnung des Wildparks ein „Tierpflegertag für Kinder“ gebucht worden. Nach Angaben des Landkreises griffen die dort gehaltenen Wölfe das Mädchen während der Tränkung der Tiere im Wildgehege an.
Das Eingreifen der Tierpflegerin habe weiteres Leid verhindert. Zwei weitere Kinder blieben unverletzt. Die Anlage soll zu einem Polarwolf-Gehege gehören.
Schutzbarrieren im Mittelpunkt
Unklar ist, wie nah Kinder bei dem Programm an die Wölfe herankommen durften und welche Schutzbarrieren vorgesehen waren. Die Betriebsgenehmigung des Wildparks enthält nach Angaben des Landkreises Sicherheitsanforderungen für die Tierhaltungsanlagen.
Gehege von Raubtieren und Wisenten müssen täglich auf Schwachstellen überprüft werden. 2016 waren in dem Wildpark zwei Löwen aus ihrem Gehege ausgebrochen; ein zweiter Sicherheitszaun und eine Tierärztin mit Betäubungsgewehr stoppten die Tiere.
Ermittler befragen Zeugen
Die Achtjährige befand sich mit zwei weiteren Kindern und der Mitarbeiterin in einem Gehege. Wie es zu dem Angriff kam, ist Gegenstand der Ermittlungen; die Polizei befragte auch Zeugen.
Wolfcenter setzt auf Schleuse
Das Wolfcenter Dörverden lässt Besucher nicht in das eigentliche Wolfsgehege. Zwei handaufgezogene Wölfe können aus einer gesicherten Schleuse heraus beobachtet werden; diese ist von einem mehr als 3,5 Meter hohen Zaun umgeben.
Besucher sollen reizarm gekleidet sein und Schmuck sowie auffällige Accessoires ablegen. In Deutschland sind Angriffe von Wölfen äußerst selten. Ein früherer Angriff ereignete sich 2007 im Zoo Hannover, als eine Tierpflegerin schwer verletzt wurde.
Debatte über den Umgang mit Wölfen
In Brandenburg leben im bundesweiten Vergleich besonders viele Wolfsrudel. Der Umgang mit den Tieren bleibt umstritten, weil Wölfe wiederholt Schafe und Ziegen reißen.
Der Schutzstatus wurde zuletzt gelockert. Ein Abschuss soll vor allem dann leichter möglich sein, wenn Wölfe Schutzzäune überwinden und Nutztiere töten.
Der Angriff in Baruth/Mark lenkt den Blick auf eine besondere Risikosituation: Kinder hielten sich im Rahmen eines gebuchten Programms gemeinsam mit einer Mitarbeiterin in einem Wolfsgehege auf. Welche Abläufe und Schutzbarrieren dort galten, ist Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen und der angekündigten behördlichen Kontrolle.
Für Wildparks ergibt sich daraus die Notwendigkeit, Besucherkontakt, Tierpflege und Notfallabläufe klar voneinander zu trennen. Andere Einrichtungen setzen bei unmittelbarer Nähe zu Wölfen auf gesicherte Schleusen und mehrere Meter hohe Zäune. Solche Modelle zeigen, dass pädagogische Angebote mit Wildtieren besondere organisatorische und bauliche Anforderungen haben.
Folgen für Wildparks und Besucher
Der Landkreis will den Vorfall aufarbeiten und den Wildpark kontrollieren. Dabei dürften die Betriebsgenehmigung, die tägliche Prüfung der Raubtiergehege, die Einbindung von Kindern sowie die Reaktionsmöglichkeiten des Personals eine zentrale Rolle spielen. Eine Bewertung muss den konkreten Ablauf und die geltenden Sicherheitsvorgaben berücksichtigen.
Über den Einzelfall hinaus bleibt der Umgang mit Wölfen in Deutschland konfliktträchtig. In Brandenburg leben vergleichsweise viele Wolfsrudel, zugleich sorgen Nutztierrisse und der Schutzstatus der Tiere für politische Auseinandersetzungen. Der Angriff in einem Gehege betrifft jedoch eine andere Lage als Begegnungen mit freilebenden Wölfen: Hier stehen menschlich geplante Nähe, bauliche Sicherung und betriebliche Verantwortung im Mittelpunkt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
stern: „Raubtier in Wildgehege: Behörden wollen Wolfsangriff im Wildpark aufarbeiten“ (29.10.2026)
Der Artikel bestätige den Angriff und stelle die angekündigte Aufarbeitung sowie Kontrollen in den Mittelpunkt. Zusätzlich berichte er, der Wildpark bleibe zunächst geschlossen und eine Wiedereröffnung erfolge erst nach behördlicher Freigabe.
stern: „Nach Wolfsangriff in Wildpark: Wolfcenter: Nähe zu Wölfen gibt es nur hinter einem Zaun“ (29.10.2026)
Der Beitrag setze einen anderen Schwerpunkt und beschreibe die Sicherung im Wolfcenter Dörverden. Dort dürften Besucher Wölfen nur aus einer umzäunten Schleuse und hinter einem mehr als 3,5 Meter hohen Zaun näherkommen.
Beide Beiträge stellten den Angriff und die Sicherheitsfrage in den Mittelpunkt. Unterschiedlich seien die Perspektiven: Der erste fokussiere auf die behördliche Aufarbeitung, der zweite auf praktische Schutzvorkehrungen in einer anderen Einrichtung.
