Wolfsangriff, Wildpark Baruth

Wolfsangriff in Baruth: Polizei ermittelt gegen Mitarbeiterin

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 19:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach dem schweren Angriff auf ein achtjähriges Mädchen untersucht die Polizei die Verantwortung einer Mitarbeiterin. Der Landkreis will zudem klären, ob Vorgaben für den Aufenthalt von Kindern im Wolfsgehege eingehalten wurden.

Ermittlungen und Kontrolle in Baruth

  • Die Polizei ermittelt gegen eine Mitarbeiterin wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung.
  • Der Landkreis Teltow-Fläming will den Wildpark Anfang kommender Woche kontrollieren.
  • Das achtjährige Mädchen wurde nach dem Angriff per Rettungshubschrauber in eine Berliner Klinik gebracht.
  • Der Wildpark bleibt nach dem Wolfsangriff auf ein achtjähriges Mädchen vorerst geschlossen. - Bild: Carsten Koall/dpa
  • Der Betreiber des Wolfcenter Dörverden, Frank Faß, geht zu seinen Wölfen auch ins Gehege - für fremde Besucher ist das aber tabu. (Archivbild) - Bild: Sina Schuldt/dpa
Der Wildpark bleibt nach dem Wolfsangriff auf ein achtjähriges Mädchen vorerst geschlossen.  - Bild: Carsten Koall/dpa Der Betreiber des Wolfcenter Dörverden, Frank Faß, geht zu seinen Wölfen auch ins Gehege - für fremde Besucher ist das aber tabu. (Archivbild) - Bild: Sina Schuldt/dpa

Polizei prüft Verantwortung nach Wolfsangriff

Nach dem Angriff eines Wolfs auf ein achtjähriges Mädchen in einem Wildpark im brandenburgischen Baruth/Mark ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Die Ermittlungen richten sich gegen eine Mitarbeiterin, die mit den Kindern im Gehege gewesen sei.

Landkreis kündigt Kontrolle an

Der Landkreis kündigte eine Aufarbeitung des Angriffs und eine Kontrolle des Wildparks südlich von Berlin Anfang kommender Woche an. Nach den vorliegenden Informationen hätten die Kinder das Gehege nicht betreten dürfen.

Warum es dazu kam und ob Sicherheitsvorkehrungen möglicherweise nicht beachtet wurden, blieb zunächst offen. Weitere Angaben zum Ablauf machte der Landkreis nicht.

Kind schwer verletzt

Der Wolf hatte das Mädchen am Mittwochmorgen schwer verletzt. Es wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Berliner Klinik gebracht.

Für mehrere Kinder war vor der regulären Öffnung des Wildparks ein „Tierpflegertag für Kinder“ vorgesehen. Während der Tränkung der Tiere griffen die dort gehaltenen Wölfe das Mädchen an; zwei weitere Kinder blieben unverletzt.

Ermittler befragen Zeugen

Die Achtjährige befand sich mit zwei anderen Kindern und der Mitarbeiterin in einem Gehege. Nach Angaben der Polizei wurde sie von mindestens einem Wolf angegriffen.

Wie sich der Vorfall genau ereignete, ist Gegenstand der Ermittlungen. Die Polizei befragte auch Zeugen.

Schutzbarrieren im Vergleich

Unklar blieb, wie nah Kinder Wölfen bei dem gebuchten Programm normalerweise kommen durften und welche Schutzbarrieren vorgesehen waren. Im Wolfcenter Dörverden dürfen Besucher Wölfen nur hinter einem 3,5 Meter hohen Zaun näher kommen.

Der Landkreis erklärte, die Betriebsgenehmigung enthalte Sicherheitsanforderungen für Tierhaltungsanlagen. Gehege von Raubtieren und Wisenten müssten täglich auf Schwachstellen überprüft werden.

Frühere Vorfälle und Wolfsdebatte

2016 waren in dem Wildpark zwei Löwen aus ihrem Gehege ausgebüxt. Sie wurden durch einen zweiten Sicherheitszaun und eine Tierärztin mit Betäubungsgewehr gestoppt.

Angriffe von Wölfen sind in Deutschland sehr selten. 2007 verletzte ein Wolf im Zoo Hannover eine Tierpflegerin schwer; in diesem Frühjahr verletzte ein frei lebender Wolf in Hamburg eine Frau.

In Brandenburg leben im bundesweiten Vergleich besonders viele Wolfsrudel. Der Umgang mit den Tieren bleibt umstritten, auch weil Wölfe wiederholt Schafe und Ziegen reißen. Ihr Schutzstatus wurde zuletzt gelockert.

Der Vorfall in Baruth/Mark fällt in eine Debatte, die in Brandenburg seit Jahren zwischen Artenschutz, Nutztierhaltung und Sicherheitsfragen geführt wird. Das Land gehört zu den Regionen Deutschlands mit besonders vielen Wolfsrudeln. Begegnungen zwischen Menschen und Wölfen bleiben selten, erhalten aber große Aufmerksamkeit, wenn sie in einem kontrollierten Umfeld wie einem Wildpark stattfinden.

Für die Bewertung des Geschehens ist entscheidend, unter welchen Bedingungen das Kinderprogramm im Gehege stattfand. Wildparks müssen ihre Tierhaltungsanlagen gegen Ausbruch und unzulässigen Kontakt sichern. Bei Raubtiergehegen kommt es dabei nicht nur auf Zäune an, sondern auch auf Zutrittsregeln, Aufsicht, Abläufe bei der Versorgung der Tiere und klare Notfallpläne.

Sicherheitsfragen im Mittelpunkt

Die angekündigte Kontrolle des Wildparks dürfte deshalb klären, ob die Vorgaben der Betriebsgenehmigung eingehalten wurden und wie die Kinder in das Gehege gelangen konnten. Die polizeilichen Ermittlungen richten sich auf die mögliche individuelle Verantwortung der Mitarbeiterin; davon getrennt steht die aufsichtsrechtliche Prüfung des Betriebs.

Für Besucher anderer Wildparks bedeutet der Angriff vor allem, dass besondere Mitmachangebote mit Raubtieren streng von normalen Tierbeobachtungen unterschieden werden müssen. Die weitere Debatte über den Schutzstatus frei lebender Wölfe betrifft den Fall nur mittelbar: Hier geht es um gehaltene Tiere und die Sicherheitsorganisation vor Ort.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS online: „Kind wird in Wildpark von Wolf attackiert und verletzt“ (28.10.2026)

Der Beitrag habe den Angriff und die schwere Verletzung des Mädchens anhand der Mitteilung des Landkreises dargestellt. Im Mittelpunkt habe dabei der Ablauf während der Tränkung der Tiere gestanden.

stern: „Behörden wollen Wolfsangriff im Wildpark aufarbeiten“ (29.10.2026)

Der Artikel habe den angekündigten Prüfauftrag der Behörden und die fortdauernden Ermittlungen hervorgehoben. Anders als der FOCUS-Bericht habe er den Schwerpunkt auf die institutionelle Aufarbeitung nach dem Angriff gelegt.

Beide Beiträge hätten den Angriff und die behördlichen Reaktionen bestätigt. Unterschiede hätten vor allem in der Gewichtung gelegen: Im einen Fall habe der Ablauf des Angriffs, im anderen die Kontrolle des Wildparks im Vordergrund gestanden.

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