Erdbebenkatastrophe in Venezuela: Viele Menschen verschĂŒttet
25.06.2026 - 06:28:50 | dpa.deNach zwei sehr starken Erdbeben in Venezuela suchen die RettungskrĂ€fte unter den TrĂŒmmern nach zahlreichen VerschĂŒtteten. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die StĂ€rke der Beben mit 7,2 und 7,5 an. Die Regierung von Venezuela rief den Notstand aus und sprach von groĂen SchĂ€den.
Fotos und Videos zeigten an mehreren Orten eingestĂŒrzte GebĂ€ude. Der Zugverkehr im Land wurde eingestellt, der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas wurde wegen SchĂ€den geschlossen. Eine Modellrechnung der US-Erdbebenwarte legte nahe, dass eine sehr hohe Opferzahl zu befĂŒrchten war.
Trump: Werden fĂŒr unsere neuen Freunde da sein
US-PrĂ€sident Donald Trump sicherte dem sĂŒdamerikanischen Land schnelle Hilfe zu. Er habe alle US-Behörden angewiesen, sich darauf vorzubereiten, schnell zu helfen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Die beiden Erdbeben seien von «massivem AusmaĂ» gewesen und hĂ€tten zu einer «verheerenden Zahl Toter» gefĂŒhrt, schrieb Trump. Er machte dabei keine Angaben dazu, auf welche Informationen sich seine Aussage zur Opferzahl stĂŒtzte.
«Wir werden fĂŒr unsere neuen und groĂartigen Freunde da sein», schrieb Trump - wohl mit Blick auf die Ăbergangsregierung in Caracas. Weiter erklĂ€rte er in Bezug auf das wahrscheinliche AusmaĂ der Folgen: «Die ersten Berichte sind nicht gut!!!»
In Caracas sowie in mehreren Bundesstaaten im Norden Venezuelas kam es zu SchĂ€den, wie die geschĂ€ftsfĂŒhrende PrĂ€sidentin Delcy RodrĂguez sagte. «Es gibt Bundesstaaten, die besonders betroffen sind», sagte RodrĂguez, darunter La Guaira. Es habe bereits 20 Nachbeben gegeben. Genauere Angaben zum AusmaĂ der SchĂ€den oder zu Opferzahlen machte sie zunĂ€chst nicht. PrioritĂ€t hĂ€tten nun die Rettungsarbeiten, sagte RodrĂguez. Der Schulunterricht werde ausgesetzt.
Zahlreiche Tote befĂŒrchtet
Zwischen beiden ErschĂŒtterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Das erste Beben ereignete sich am Mittwoch um 18.04 Uhr (Ortszeit; 0.04 Uhr MESZ Donnerstag) 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite, stĂ€rkere Erbeben ereignete sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe. Wegen der geringen Tiefe dĂŒrften die Auswirkungen des zweiten Bebens gröĂer sein.
Allein in den relativ nahe gelegenen StÀdten Puerto Cabello und San Felipe leben nach USGS-Angaben zusammen etwas mehr als 400.000 Menschen. Auch dort war vom Einsturz von GebÀuden und erheblichen SchÀden die Rede - zunÀchst ohne nÀhere Angaben.
Die automatische Modellrechnung der US-Erdbebenwarte basierend auf der StĂ€rke des Bebens und der NĂ€he einiger StĂ€dte legte eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit von mehr als tausend Todesopfern nahe.Â
Die Millionenstadt Caracas, aus der nach den Beben die ersten Bilder und Berichte kamen, lag dabei nicht besonders nah am Epizentrum, sondern mehr als 150 Kilometer östlich davon.
Fotos und Videos zeigen AusmaĂ der SchĂ€denÂ
Allein in der Stadt Tucacas an der KaribikkĂŒste wĂŒrden 15 Menschen unter den TrĂŒmmern eines eingestĂŒrzten fĂŒnfstöckigen GebĂ€udes vermutet, sagte der Gouverneur des Bundesstaates FalcĂłn, VĂctor Clark, dem Fernsehsender VTV. Rund 22 Verletzte wĂŒrden dort in Kliniken medizinisch versorgt.Â
In sozialen Netzwerken kursierten Videos von beschÀdigten GebÀuden und SchÀden unter anderem am Flughafen von Caracas. Videos zeigten, wie verÀngstigte Menschen am Flughafen versuchten, sich in Sicherheit zu bringen, wÀhrend der Boden bebte und Staubwolken aufstiegen.
Zahlreiche Staaten bieten ihre Hilfe an
Die geschĂ€ftsfĂŒhrende PrĂ€sidentin sprach von einem «Vorfall mit schwerwiegenden Folgen». Das US-AuĂenministerium richtete nach eigenen Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitĂ€re und medizinische Hilfe zu schicken.
Der PrĂ€sident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb ebenfalls auf der Plattform X, es stĂŒnden 300 RettungskrĂ€fte und SanitĂ€ter sowie 50 Tonnen HilfsgĂŒter bereit, um in die Hauptstadt Caracas gebracht zu werden.
Der PrĂ€sident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, erklĂ€rte spezialisierte Such- und Rettungsteams der StreitkrĂ€fte wĂŒrden am Morgen nach Venezuela aufbrechen. Auch Brasilien signalisierte Hilfsbereitschaft. RodrĂguez zufolge boten auch bereits andere Staaten Hilfe an.
Innenminister: «ĂuĂerst alarmierende Situation»
«Wir haben es mit einer Ă€uĂerst alarmierenden Situation zu tun», sagte Innenminister Diosdado Cabello im Fernsehen. Er rief die Menschen dazu auf, an sicheren Orten zu bleiben. Nach schweren Erdbeben seien normalerweise Nachbeben zu erwarten, die bereits beschĂ€digte GebĂ€ude zum Einsturz bringen könnten, warnte der Minister. Um Explosionen zu verhindern, hĂ€tten die Behörden angeordnet, die Gaszufuhr zu unterbrechen.
Die venezolanische FriedensnobelpreistrĂ€gerin und OppositionsfĂŒhrerin MarĂa Corina Machado, die sich derzeit nicht in Venezuela aufhĂ€lt, schrieb auf der Plattform X: «Mein Herz, meine unendliche Umarmung und meine Gebete gelten in diesen Stunden der Not jeder venezolanischen Familie. Mögen StĂ€rke, Ruhe und SolidaritĂ€t in dieser schwierigen Zeit unter uns herrschen.»
