Zwei Buchenwald-VerbÀnde gegen Weimer-Auftritt bei Gedenken
23.03.2026 - 12:50:21 | dpa.deZwei Buchenwald-VerbĂ€nde haben Kulturstaatsminister Wolfram Weimer aufgefordert, auf einen öffentlichen Auftritt beim Gedenken zur Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers zu verzichten. Sie werfen den parteilosen Politiker vor, er habe es an VerstĂ€ndnis fĂŒr KZ-Ăberlebende missen lassen. Der Zentralrat der Juden und der israelische Botschafter Ron Prosor stellten sich hingegen ausdrĂŒcklich hinter Weimer. Auch der Leiter der GedenkstĂ€tte Buchenwald, Jens-Christian Wagner, begrĂŒĂte Weimers Teilnahme an der geplanten Gedenkveranstaltung am 12. April.
Die Vorsitzende der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora, Katinka Poensgen, und der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora, Horst Gobrecht - zwei ZusammenschlĂŒsse von Angehörigen ehemaliger politischer HĂ€ftlinge des Lagers - Ă€uĂerten ihre Kritik in einem offenen Brief an Weimer. «TatsĂ€chlich haben wir Sie und Ihre inhaltlichen Positionen in den vergangenen Jahren nicht so wahrgenommen, dass Sie sich mit dem VermĂ€chtnis der Ăberlebenden von Buchenwald und anderer Lager positiv beschĂ€ftigt hĂ€tten», heiĂt es darin.Â
VerbĂ€nde lehnen Auftritt von Weimer abÂ
Sie monieren unter anderem, Weimer habe mehrfach das Zitat von Heinrich Heine «Der Taufschein ist die Eintrittskarte zur europĂ€ischen Kultur» benutzt. Es bedeute «fĂŒr viele der ehemaligen HĂ€ftlinge des Lagers Buchenwald â und auch uns als Nachkommen und politischen Nachfolgern von Ăberlebenden, dass wir aus ihrer Sicht nicht zum Bereich der europĂ€ischen Kultur gehören», heiĂt es in dem Brief.Â
Die Autoren nehmen auch Bezug auf die Kontroverse ĂŒber Weimers Entscheidung, drei linke BuchlĂ€den wegen «verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse» von der Liste fĂŒr den Deutschen Buchhandlungspreis streichen zu lassen. «Wir sind ĂŒberzeugt davon, unsere Angehörigen hĂ€tten auch zum Kundenkreis der drei BuchlĂ€den gehören können. Bei Verhaftungen durch die Gestapo wurde bei ihnen nachweislich linke Literatur beschlagnahmt», schreiben die Vorsitzenden der beiden VerbĂ€nde.Â
Weimer hÀlt an PlÀnen fest
Ein Sprecher Weimers sagte, es sei nach wie vor geplant, dass der Kulturstaatsminister an der Veranstaltung teilnimmt und dort spricht. GedenkstĂ€ttenleiter Wagner befĂŒrwortete dies in einer schriftlichen ErklĂ€rung: «In Zeiten des weltweiten Rechtsrucks und vielfacher Angriffe auf die GedenkstĂ€ttenarbeit und die reflexive Erinnerungskultur setzt Kulturstaatsminister Weimer mit seiner Teilnahme an der Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Lagerbefreiung in Buchenwald ein sehr wichtiges Zeichen der UnterstĂŒtzung unserer Arbeit.»
Der PrĂ€sident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, erklĂ€rte: «Ich begrĂŒĂe, dass Staatsminister Weimer am 12. April in Buchenwald sprechen wird. Seit Herr Weimer im Amt ist, macht er den Erhalt der Erinnerungskultur in Deutschland, die wesentlich durch die Orte der Erinnerung wie die KZ-GedenkstĂ€tten getragen wird, zu einem seiner Kernanliegen.»Â
Israels Botschafter Prosor Ă€uĂerte sich Ă€hnlich. «Einzelne Stimmen wollen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer vom Gedenken in Buchenwald ausschlieĂen. Das ist falsch. Er ist eine der klarsten Stimmen im Kampf gegen Antisemitismus und fĂŒr jĂŒdisches Leben in Deutschland.» Die Erinnerung an die Shoah dĂŒrfe nicht zum politischen Grabenkampf werden, meint der Diplomat.Â
Kampagne von AktivistenÂ
Das diesjĂ€hrige Gedenken hat bereits fĂŒr Diskussionen gesorgt. Grund ist unter anderem die Kampagne «Kufiyas in Buchenwald» linksradikaler und propalĂ€stinensischer Aktivisten, die im Internet zu Protest wĂ€hrend des Gedenkwochenendes zum 81. Jahrestag der Befreiung des NS-Konzentrationslagers aufgerufen haben. Die GedenkstĂ€tte bezeichnete dies als «völlig unangemessene Instrumentalisierung des Gedenkens». Auch die Lagergemeinschaft und die Lagerarbeitsgemeinschaft hatten erklĂ€rt, die Kampagne abzulehnen.Â
Bei der zentralen Gedenkveranstaltung am 12. April soll der Entertainer Hape Kerkeling eine Rede halten, dessen GroĂvater in Buchenwald inhaftiert war. Von Weimer ist ein GruĂwort vorgesehen.
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