Nancy Faeser: MĂŒssen Opfer hĂ€uslicher Gewalt stĂ€rken
18.06.2023 - 17:14:37Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) appelliert an Opfer hĂ€uslicher Gewalt, die Taten hĂ€ufiger anzuzeigen. «Es ist unertrĂ€glich, wenn Betroffene von hĂ€uslicher Gewalt aus Scham schweigen. Wir mĂŒssen sie stĂ€rken, die Taten anzuzeigen, damit mehr TĂ€ter strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können», sagte Faeser. Gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium und dem Bundeskriminalamt erstellt das Innenministerium derzeit ein bundesweites Lagebild zum Thema hĂ€usliche Gewalt, zuerst hatte die «Welt am Sonntag» darĂŒber berichtet.
Nach Recherchen der Zeitung bei den LandeskriminalÀmtern und Innenministerien der BundeslÀnder wurden im vergangenen Jahr deutschlandweit 179.179 Opfer hÀuslicher Gewalt polizeilich registriert. Das entspreche einem Anstieg von 9,3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021. Insgesamt hÀtten 15 BundeslÀnder deutlich mehr Opfer als noch im Vorjahr gemeldet - nur in Bremen/Bremerhaven sank die Zahl. Zwei Drittel der Betroffenen sind nach Informationen der «WamS» Frauen.
«Jede Stunde erleiden durchschnittlich 13 Frauen Gewalt in der Partnerschaft», sagte Bundesfamilienministerin Lisa Paus. «Fast jeden Tag versucht ein Partner oder Ex-Partner, eine Frau zu töten. Fast jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch ihren derzeitigen oder vorherigen Partner.» HĂ€usliche Gewalt sei alltĂ€gliche RealitĂ€t in Deutschland, sagte die GrĂŒnen-Politikerin.
«Es ist ein furchtbarer Gedanke, dass das eigene Zuhause zu einem Ort des Schreckens werden kann. Gewalt in den eigenen vier WĂ€nden betrifft viele Frauen, aber auch Kinder und PflegebedĂŒrftige», sagte Innenministerin Faeser dazu. Es gehe um SchlĂ€ge und Misshandlungen, aber auch um Stalking und Psychoterror.
«Um gezielt handeln zu können, sind valide und verlĂ€ssliche Daten unverzichtbar. In diesem Bereich haben wir leider ein sehr groĂes Dunkelfeld», sagte Faeser weiter. Die Daten sollen daher in das Lagebild einflieĂen, das am 3. Juli in Berlin vorgestellt werden soll. Paus ergĂ€nzte: «Die Bundesregierung wird eine Gesamtstrategie gegen Gewalt erarbeiten, PrĂ€vention von Gewalt wird ein wichtiger Bestandteil der Strategie sein.» Noch immer gebe es LĂŒcken im UnterstĂŒtzungsangebot fĂŒr Gewaltopfer.


