Trauergemeinde, Anschlag

Trauergemeinde soll sich nach Anschlag gerÀcht haben

14.12.2023 - 16:56:05

Zwei Gruppen tragen ihre Fehde offen aus. Mehr als 50 VerdÀchtige werden verhaftet. Nun wird ein besonders schwerer Fall vor Gericht verhandelt. Wurden Opfer zu TÀtern? Die Anklage ist deutlich.

  • Ein Polizist geht ĂŒber den abgesperrten Teil an einem Tatort auf einem Friedhof. - Foto: Christoph Schmidt/dpa

    Christoph Schmidt/dpa

  • Einer der fĂŒnf Angeklagten steht mit Handschellen im Gerichtssaal in Stuttgart. - Foto: --/dpa

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Ein Polizist geht ĂŒber den abgesperrten Teil an einem Tatort auf einem Friedhof. - Foto: Christoph Schmidt/dpaEiner der fĂŒnf Angeklagten steht mit Handschellen im Gerichtssaal in Stuttgart. - Foto: --/dpa

Es klingt fast wie ein Rausch. Immer wieder schlagen sie zu, so beschreibt es die StaatsanwĂ€ltin. Sie treten laut Anklageschrift auf ihr bereits bewusstloses Opfer ein, einer von ihnen springt demnach dem blutenden Mann auf den Kopf. So lange, bis sie von dem halb zertrĂŒmmerten Körper fortgezerrt werden. Die fĂŒnf MĂ€nner wollen sich rĂ€chen, das wird deutlich. Denn nur wenige Minuten zuvor soll das nun hilflose Opfer als Teil einer rivalisierenden Gruppe eine Handgranate auf die verfeindete Trauergemeinde geschleudert haben, 15 Menschen werden verletzt, ein noch grĂ¶ĂŸeres Blutbad wird nur mit viel GlĂŒck verhindert.

Höhepunkt der Banden-Fehde

Der blutige Zwischenfall am 9. Juni im Neckartal gilt als der bisherige Höhepunkt einer Banden-RivalitĂ€t, die die Polizei rund um Stuttgart seit Monaten in Atem hĂ€lt. Der mutmaßliche Granaten-Werfer gehört nach Angaben der Staatsanwaltschaft zu einer Gruppe aus dem Raum Stuttgart-Zuffenhausen und Göppingen. Die Trauergemeinde und die fĂŒnf nun vor Gericht stehenden MĂ€nner stehen nach EinschĂ€tzung der Ermittler einer anderen Gruppierung aus dem Raum Esslingen nahe.

Die Sicherheitsvorkehrungen zum Prozessauftakt sind gewaltig, Dutzende Polizisten sind am Donnerstag im Einsatz. LĂ€chelnd betreten die fĂŒnf MĂ€nner im Alter zwischen 19 und 21 Jahren den Sitzungssaal der Jugendkammer im Stuttgarter Landgericht, einer von ihnen streckt den Daumen hoch zu Freunden und Verwandten, die in den Besucherreihen sitzen. Die VorwĂŒrfe wiegen schwer: Versuchter Totschlag, gefĂ€hrliche Körperverletzung, illegaler Waffenbesitz - am Ende des mehrmonatigen Prozesses sind mehrjĂ€hrige Haftstrafen keineswegs ausgeschlossen.

Enorme BrutalitÀt

Die BrutalitĂ€t, mit der die MĂ€nner den mutmaßlichen Handgranaten-Werfer laut Anklage auf seiner Flucht fassen und zusammenschlagen, ist immens: Sie zerren den 23-JĂ€hrigen, der seit dem vergangenen Donnerstag selbst wegen versuchten Mordes vor Gericht steht, aus dem bereits fahrenden Taxi, sie werfen den Iraner zu Boden, treten und schlagen immer wieder zu, wie die StaatsanwĂ€ltin aus der Anklageschrift zitiert. Einer von ihnen springt demnach mit voller Wucht auf den Kopf, ein anderer «sprang und trat mit seinem beschuhten Fuß so wuchtig in das Gesicht des GeschĂ€digten, dass sein Schuh platzte», sagte die StaatsanwĂ€ltin weiter.

Die Anklageschrift lĂ€sst nur wenige Details dessen aus, was die Ermittler zusammengetragen haben. Demnach lassen die MĂ€nner zwar kurz ab, als sie Sirenen hören, sie sollen aber wieder auf ihr Opfer eingeprĂŒgelt haben, als sie feststellen, dass nicht etwa die erwartete Polizei, sondern der Rettungswagen kommt. Und selbst die SanitĂ€ter können zunĂ€chst nicht helfen, sondern mĂŒssen sich vor der aufgebrachten Gruppe schĂŒtzen und im Krankenwagen verbarrikadieren.

Mit einem schweren SchĂ€del-Hirn-Trauma, einem gebrochenen Kiefer und gebrochenen Rippen wird der lebensgefĂ€hrlich verletzte Mann ins Krankenhaus geflogen. Die fĂŒnf jungen MĂ€nner - zwei mit deutscher, zwei mit tĂŒrkischer und einer mit georgischer Staatsangehörigkeit - hĂ€tten in ihrem Gewaltrausch den Tod des mutmaßlichen Granaten-Werfers billigend in Kauf genommen, wirft ihnen die StaatsanwĂ€ltin vor.

Wenig Aussicht auf ein Ende der Gewalt

Anzeichen fĂŒr einen Frieden zwischen den Banden sind nicht zu sehen, im Gegenteil: Als die fĂŒnf angeklagten MĂ€nner nacheinander mit Polizeiwagen aus dem Landgericht gebracht werden, applaudieren ihnen rund zwei Dutzend wartende junge MĂ€nner vor dem GebĂ€ude, streng gesichert von Polizisten.

@ dpa.de