Istanbul, Nachbeben

Istanbul: Nachbeben versetzen Bevölkerung weiter in Unruhe

25.04.2025 - 12:29:42 | dpa.de

Zwei Tage nach dem starken Beben erschĂŒttern immer wieder ErdstĂ¶ĂŸe Istanbul und die Region. Noch immer trauen sich viele nicht zurĂŒck in ihre HĂ€user.

  • In Istanbul bebt die Erde weiter. - Foto: Emrah Gurel/AP/dpa
    In Istanbul bebt die Erde weiter. - Foto: Emrah Gurel/AP/dpa
  • Menschen trauen sich weiterhin nicht zurĂŒck in ihre GebĂ€ude - Foto: Khalil Hamra/AP/dpa
    Menschen trauen sich weiterhin nicht zurĂŒck in ihre GebĂ€ude - Foto: Khalil Hamra/AP/dpa
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Zwei Tage nach dem starken Istanbuler Beben gibt es weitere ErschĂŒtterungen rund um die Metropole. Am frĂŒhen Morgen ereigneten sich an einer vor der Stadt gelegenen Plattengrenze Beben mit einer StĂ€rke von bis zu 3,6, wie der Katastrophendienst Afad mitteilte. Menschen verbrachten die Nacht erneut im Freien, zum Beispiel in Sportstadien, wie verschiedene tĂŒrkische Medien berichteten. Viele sorgen sich vor einem weiteren, heftigeren Beben.

Am Mittwoch registrierte Afad kurz vor 13.00 Uhr Ortszeit das bislang stĂ€rkste Beben der StĂ€rke 6,2 mit einem Epizentrum im vor der Stadt gelegenen Marmarameer. Zahlreiche weitere ErdstĂ¶ĂŸe folgten. Bisher habe es rund 300 Nachbeben gegeben. Diese können auch in den kommenden paar Wochen noch anhalten.

Starkes Beben in Istanbul nun wahrscheinlicher 

Die TĂŒrkei liegt in einer der seismisch aktivsten Gegenden der Welt. Mehr als eine Million GebĂ€ude in Istanbul gelten als nicht erdbebensicher. Laut Experten gilt zudem ein Beben der StĂ€rke 7 als ĂŒberfĂ€llig. Das Beben von Mittwoch habe ein solch starkes Beben nun noch mal wahrscheinlicher gemacht, denn damit sei ein Teil der ohnehin schon kritisch geladenen Verwerfung vor Istanbul aktiviert worden, sagte Marco Bohnhoff vom GFZ Helmholtz-Zentrum fĂŒr Geoforschung in Potsdam.

Im vor der 16-Millionen-Stadt gelegenen Marmarameer verlĂ€uft eine aktive Plattengrenze, die Nordanatolischen Verwerfung. Istanbul selbst gilt als besonders gefĂ€hrdet, da sich die Verwerfung nur etwa 15–20 km sĂŒdlich der Stadt entlangzieht. 

Nicht nur GebÀudesubstanz macht Erdbeben so gefÀhrlich

Istanbulerinnen und Istanbuler machen fast 20 Prozent der tĂŒrkischen Bevölkerung aus. Um die Metropole dauerhaft sicher zu machen, fordern zahlreiche Stimmen aus der Politik mehr Maßnahmen - und prangern fehlende BemĂŒhungen vonseiten der Regierung an. Ein Politiker der nationalkonservativen Oppositionspartei Iyi sagte im Parlament mit Blick auf die schlechte Vorbereitung der Stadt, die Menschen wĂŒrden «in SĂ€rgen und nicht in Wohnungen» leben. Der politische Analyst Levent GĂŒltekin kritisierte in einem Video: «Wir warten auf das Erdbeben wie die Schafe auf die Schlacht.»

Nicht nur die GebĂ€udesubstanz ist ein großes Risiko in der Metropole. In der Stadt fehlt es etwa auch an Evakuierungsplanung und -infrastruktur sowie an AufklĂ€rung der Öffentlichkeit. Auch MĂ€ngel bei der Bauaufsicht und Korruption sind weit verbreitet. Zudem wurden in der Vergangenheit immer wieder - und nicht nur in Istanbul - Tausende illegal errichtete GebĂ€ude nachtrĂ€glich ĂŒber Baumamnestien legalisiert.

Zahlreiche Menschen verließen wegen der Erdbeben und der Angst vor weiteren zumindest vorĂŒbergehend die Stadt. Doch die Option haben nicht alle. Das Land plagt eine starke Wirtschaftskrise, der starke Anstieg der Preise etwa von Lebensmitteln hat viele Menschen nicht nur in Istanbul in die Armut gedrĂ€ngt.

Erdbeben konkurriert mit anderen Krisen im Land

FĂŒr viele in der Stadt rĂŒckt die Erdbebengefahr auch wegen zahlreicher anderer politischer Krisen im Land in den Hintergrund – etwa das Verfahren gegen den inhaftierten und abgesetzten Istanbuler BĂŒrgermeister, Prozesse gegen protestierende Studierende oder gesellschaftlich umstrittene Regelungen wie die teilweise EinfĂŒhrung eines Kaiserschnittverbots.

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