VerdĂ€chtiger fĂŒr vierfachen Mord in Solingen ermittelt
Veröffentlicht am: 10.04.2024 um 12:28 Uhr | dpa.deZwei Wochen nach dem verheerenden Feuer mit vier Toten in Solingen hat die Polizei einen VerdÀchtigen ermittelt. Er steht unter dem Verdacht des vierfachen Mordes, wie die Ermittler in Wuppertal berichteten.
Der 39-JĂ€hrige soll 14 Tage spĂ€ter erneut versucht haben, einen Menschen umzubringen, indem er einen 44-jĂ€hrigen Mann mit einer Machete angegriffen und lebensgefĂ€hrlich verletzt haben soll. Die Ermittler sprachen von vier Skalpierungsversuchen. Der Bluttat soll ein Streit um ein missglĂŒcktes DrogengeschĂ€ft vorangegangen sein.
Wegen des Machetenangriffs sei gegen den 39-JĂ€hrigen bereits Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen worden. Der Deutsche sei zuvor nur wegen kleinerer Delikte wie Unterschlagung und Diebstahl aufgefallen. Konkrete Hinweise auf eine psychische Erkrankung gebe es nicht.
Ăberwachungskameras bringen Hinweise auf den TĂ€ter
Als die Ermittler nach der Macheten-Attacke seine Wohnung durchsuchten, stieĂen sie auf belastendes Material im Fall des Vierfachmordes. Bei dem 39-JĂ€hrigen soll es sich um einen ehemaligen Mieter im Hinterhaus des Brandhauses handeln, dem nach einem Streit mit seiner Vermieterin gekĂŒndigt worden war.
Er sei von Ăberwachungskameras in TatortnĂ€he zur Tatzeit gefilmt worden und habe dabei ein auffĂ€lliges Verhalten gezeigt. Dabei habe er weiĂe Schuhe, einen Rucksack und eine MĂŒtze getragen. Er sei der Einzige gewesen, den die Kameras zur Tatzeit gefilmt hĂ€tten. So habe er sich mehrfach in Richtung des spĂ€teren Brandhauses bewegt. Kurz danach sei das Feuer ausgebrochen, bei dem vier Menschen starben und acht verletzt wurden. SpĂ€ter entdeckte Videoaufnahmen weiter entfernt vom Tatort hĂ€tten eine Identifizierung ermöglicht.
SachverstÀndige hatten Spuren von Brandbeschleuniger im hölzernen Treppenhaus entdeckt. Zudem sei ein Bewegungsmelder «abgedeckt» gewesen. Die Durchsuchung seiner Wohnung mit SpezialkrÀften sei zum Zeitpunkt der Macheten-Attacke vorbereitet und wenige Stunden zuvor gerichtlich genehmigt worden.
Keine Hinweise auf Fremdenfeindlichkeit
In dem Haus, in dem er wohnte, seien neben einer kleinen Cannabisplantage auch Brandmittel gefunden worden. Das Motiv wegen der mörderischen Brandstiftung sei unklar. Die Spurenauswertung dauere an. Der Beschuldigte schweige zu den VorwĂŒrfen.
Es gebe keine Hinweise auf Fremdenfeindlichkeit als Tatmotiv. Zwar wolle ein Zeuge bei der Macheten-Attacke den Ausruf «Sieg Heil» gehört haben, andere Zeugen und das Opfer selbst hÀtten dem aber widersprochen. Die Ermittlungen deuteten zudem nicht auf eine rechtsextreme Gesinnung des VerdÀchtigen hin, dieser sympathisiere eher mit einer «Partei der Mitte».
Mit dem Haftbefehl wegen vierfachen Mordes habe man keine Eile, sagten die StaatsanwĂ€lte. Die Ermittlungen stĂŒnden noch am Anfang und der VerdĂ€chtige sitze ohnehin in Untersuchungshaft.
Eine aus Bulgarien stammende Familie, die im Dachgeschoss wohnte, hatte sich in der Brandnacht am 25. MÀrz nicht mehr retten können. Die 28 und 29 Jahre alten Eltern und zwei MÀdchen im Alter von drei Jahren sowie wenigen Monaten kamen ums Leben.
Die Tat sei «weitgehend aufgeklĂ€rt», sagte Wuppertals PolizeiprĂ€sident Markus Röhrl. Es handele sich um einen «durchgreifenden Ermittlungserfolg». Das Feuer mit vier Toten habe schlimme Erinnerungen an den rassistischen Anschlag mit fĂŒnf Toten 1993 in Solingen geweckt. Damals starben fĂŒnf tĂŒrkischstĂ€mmige Frauen und MĂ€dchen, nachdem Rechtsextremisten ein Wohnhaus angezĂŒndet hatten.
