LORDI KONZERTE & BILDER!
15.09.2006 - 10:37:08
War das nicht herrlich, als im Mai die TV-Kommentatoren die finnischen Horror-Hardrocker Lordi zunĂ€chst mitleidig belĂ€chelten, dann erstaunt bis befremdet die unerwarteten Tendenzen zur Kenntnis nahmen und sich schlieĂlich angesichts des grandiosen Sieges der kostĂŒmierten Bande in betretener Sprachlosigkeit ĂŒbten? Und wie das einstige Schlager-FrĂ€uleinwunder Nicole gar kein bisschen friedlich giftete: âIch kann nicht verstehen, wie das Grand-Prix-Komitee es zulassen kann, dass dieser traditionelle Liederwettbewerb von solchen Leuten beschmutzt wird.â Ja, liebe Nicole, mit dem Verstehen ist das halt so eine SacheâŠ
Im Gegensatz zu den meisten anderen Nationenvertretern beim Eurovision Song Contest sind Lordi eine richtige Band, die mit einem einzigen ihrer Songs unterhaltsamer sind als Ralph Siegels komplettes Lebenswerk. Und statt sich wie all die gelifteten Chanteusen mit Implantaten zu âverschönernâ, verstecken Lordi ihre natĂŒrliche Schönheit eben hinter fantasievollen Masken. Fragt sich nur, was moralisch verwerflicher und als Einfluss auf die Jugend gefĂ€hrlicher ist, ach so Furcht erregende Horrormasken oder der alltĂ€glichen Horror der heuchlerischen Schlagerwelt? Doch ganz unabhĂ€ngig vom hohen optischen Entertainment-Faktor sieht es die TrĂ€ller-Branche wohl eher als Bedrohung an, dass hier ungewohnt harter Rock den Staub von der verschnarchten Eurovision-Tradition pustete.
Und dabei ist der Sieger-Song Hardrock Hallelujah beileibe nicht das beste StĂŒck aus dem reichhaltigen Repertoire der seit 2000 umtriebigen Metalband aus dem Norden Finnlands, aber fĂŒr die groĂe Masse konnte man sich eben am besten mit einem möglichst simplen, maximal eingĂ€ngigen Hit prĂ€sentieren. Dass das aktuelle Album The Arockalypse mehr zu bieten hat als geilen Stampfrock mit sinnfreiem Endlosrefrain, zeigen zum Beispiel der Metal-Smasher They Only Come Out At Night (mit Accept -Shouter Udo Dirkschneider als Duettpartner!), die 80er-Hardrock-Hymne Chainsaw Buffet (mit Twisted Sisters Jay Jay French als Gast-Gitarrist!) oder dem balladesken Epos It Snows In Hell (mit einem GĂ€nsehaut-Solo des Ex-Kiss- Gitarristen Bruce Kullick!). Letzteres dĂŒrfte Bandleader Lordi alias Tomi Putansuu eine besondere Ehre gewesen sein, ist der 32-jĂ€hrige SĂ€nger doch schon seit vielen Jahren der PrĂ€sident des finnischen Kiss-Fanclubs.
Gleich mit ihrem DebĂŒtalbum Get Heavy (2002) wurden Lordi in der Heimat und den skandinavischen NachbarlĂ€ndern zu Superstars, die Single Would You Love A Monsterman stĂŒrmte bis an die Spitze der finnischen Charts und mit der zweiten Auskopplung Devil Is A Loser musste auch dem letzten Scheuklappen-Denker klar sein, dass hier keine Friedhofe schĂ€ndenden Satanisten am Werk sind, sondern satirische SpaĂvögel, die das Spiel mit den Klischees lieben und exzellent beherrschen. 2004 folgte mit The Monsterican Dream ein starkes Nachfolgealbum, das den Erfolg des DebĂŒts bestĂ€tigte und wiederholte. Der dritte Streich The Arockalypse stellt nun in kreativer wie in kommerzieller Hinsicht den bisherigen Höhepunkt von Lordis Schaffen dar.
Und mit wachsendem Erfolg wuchsen fĂŒr die aus Lordi (Gesang, Programming), Amen (Gitarre), Ox (Bass), Kita (Schlagzeug) und dem weiblichen Quoten-Monster Awa (Keyboards) bestehende Band auch die Möglichkeiten, ihre Vision eines gigantischen Showspektakels zu realisieren. Die massive Wall of Sound der Musiker wird auf der BĂŒhne von einer solch atemberaubenden Pyrotechnik- und Licht- Gewitter umrahmt, dass selbst Show-Gigantomanen wie Kiss anerkennend Beifall klatschen. Ein HöllenspaĂ ist garantiert, wenn Lordi ab dem 23. September ĂŒber deutsche BĂŒhnen herfallen. Und keine Angst vor bleibenden SchĂ€den: Lordi beiĂen nicht, die wollen nur rocken!
Termine:
23.09. Herford - X
24.09. Berlin - Postbahnhof
25.09. Hamburg - Markthalle
27. 09. Stuttgart - Longhorn LKA
28.09. Köln - Live Music Hall
30.09. Saarburg - Stadthalle
01.10. Leipzig - Werk 2
02.10. MĂŒnchen - Backstage Werk
Bilder und Texte auf dieser Seite mit freundlicher Genehmigung von Marek Lieberberg Konzertagentour GmbH: www.mlk.com









