GroĂrazzia gegen «Schutzgeld»-Bande â Neun MĂ€nner gefasst
13.05.2026 - 15:18:07 | dpa.deSeit mehr als einem Jahr schieĂen in Berlin meist unbekannte TĂ€ter auf GeschĂ€fte, Restaurants und auch Menschen - nun ist dem Landeskriminalamt (LKA) ein wichtiger Schlag gegen eine mutmaĂliche Bande von sogenannten Schutzgeld-Erpressern gelungen. Rund 570 Polizisten, darunter Spezialeinheiten, durchsuchten ab dem frĂŒhen Morgen 28 Wohnungen und andere RĂ€ume, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten.
Neun verdĂ€chtige MĂ€nner im Alter von 23 bis 63 Jahren wurden festgenommen. Gegen fĂŒnf von ihnen lagen Haftbefehle vor. Unter anderem geht es um den Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Sie werden einem Richter vorgefĂŒhrt. Die Polizei beschlagnahmte Drogen, Bargeld, eine Schusswaffe, Schusswaffenteile, Schreckschusswaffen, zwei Autos sowie DatentrĂ€ger und Handys.Â
SEK und GSG 9 beteiligt
«Es wird angenommen, dass die Gruppierung fĂŒr eine Vielzahl von Erpressungslagen mit Schussabgaben in der vergangenen Zeit verantwortlich ist», teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Vorausgegangen waren intensive Ermittlungen der extra gegen organisierte KriminalitĂ€t und illegalen Waffenhandel eingerichteten Ermittlungseinheit «Ferrum» («Eisen») im LKA.Â
An den Durchsuchungen unter anderem in Neukölln und Kreuzberg waren auch Spezialeinsatzkommandos (SEK) aus Berlin, anderen BundeslĂ€ndern und die GSG 9 der Bundespolizei beteiligt, auĂerdem Polizei aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt, Einheiten zur Beweissicherung und fĂŒr Festnahmen, HundefĂŒhrer, Finanzermittler sowie Spezialisten fĂŒr digitale Beweissicherung.
PolizeiprĂ€sidentin: Wichtiger Tag fĂŒr Strafverfolgung
PolizeiprĂ€sidentin Barbara Slowik erklĂ€rte: «Wir setzen alles daran, diese TĂ€terstrukturen aufzudecken und der Strafverfolgung zuzufĂŒhren. Heute war ein wichtiger Tag. Wir werden gegen derartige Strukturen auch kĂŒnftig konsequent vorgehen.»Â
2025 zĂ€hlte die Berliner Polizei 1.119 FĂ€lle von Schusswaffengebrauch, etwas mehr als die HĂ€lfte waren Drohungen, in 515 FĂ€llen wurde geschossen. Das waren insgesamt 68 Prozent mehr Straftaten, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde, als im Vorjahr 2024.Â
Die Polizei ordnete viele Taten der organisierten KriminalitĂ€t zu. Oft handelt es sich demnach um Erpressungen von GeschĂ€ftsleuten sowie RevierkĂ€mpfe und Auseinandersetzungen. Vor allem tĂŒrkische und kurdische Ladeninhaber und Restaurantbesitzer wurden bedroht, TĂ€ter schossen auf Scheiben und Fassaden. In manchen FĂ€llen wurden MĂ€nner in die Beine geschossen - im kriminellen Milieu gilt das als Warnung, wenn nicht gezahlt wird.Â
Innensenatorin: Einsatz ĂŒber Monate vorbereitet
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betonte, die Sondereinheit «Ferrum» habe den Einsatz Â«ĂŒber Monate hinweg mit hoher IntensitĂ€t vorbereitet und vorangetrieben». Die Polizei halte den Ermittlungsdruck zur BekĂ€mpfung der SchusswaffenkriminalitĂ€t weiterhin aufrecht. «Wer mit Waffen unsere StraĂen unsicher macht, bekommt die volle HĂ€rte des Rechtsstaats zu spĂŒren.»Â
Auch Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) kĂŒndigte an, die kriminellen Strukturen weiter gezielt zu bekĂ€mpfen. Die Staatsanwaltschaft hatte ebenfalls eine spezielle Ermittlungsgruppe «Telum» (lateinisch fĂŒr «Angriffswaffe») eingesetzt. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte, die Polizei mĂŒsse fĂŒr eine erfolgreiche AufklĂ€rung mehr Möglichkeiten erhalten, effektiv Handys von VerdĂ€chtigen abzuhören, Daten zu speichern und mit moderner Software auszuwerten.
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