Deutschland, Energie

Wer bekommt die EntlastungsprÀmie? Konzerne warten ab

18.04.2026 - 03:00:05 | dpa.de

1.000 Euro zusĂ€tzlich? Und das steuer- und abgabenfrei? FĂŒr BeschĂ€ftigte hört sich das gut an, denn die Preise legen wieder zu. Doch wie gehen die großen Arbeitgeber mit dem Regierungsvorschlag um?

  • EntlastungsprĂ€mie stĂ¶ĂŸt bei Konzernen auf ZurĂŒckhaltung - Foto: Hendrik Schmidt/dpa
  • Mehr Netto - das soll die EntlastungsprĂ€mie bewirken. - Foto: Jens BĂŒttner/dpa-Zentralbild/dpa
EntlastungsprĂ€mie stĂ¶ĂŸt bei Konzernen auf ZurĂŒckhaltung - Foto: Hendrik Schmidt/dpa Mehr Netto - das soll die EntlastungsprĂ€mie bewirken. - Foto: Jens BĂŒttner/dpa-Zentralbild/dpa

Viele große Unternehmen halten sich bei der neuen EntlastungsprĂ€mie fĂŒr ihre BeschĂ€ftigten noch zurĂŒck. Die meisten Konzerne gaben in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur an, zunĂ€chst die konkrete Regelung abwarten zu wollen. Keiner der Befragten wollte sich vorher festlegen, die vorgeschlagene PrĂ€mie von bis zu 1.000 Euro zu zahlen. Teils gab es auch Kritik.

Verdi-Chef Frank Werneke sprach von einem «Rohrkrepierer». «Damit werden große Erwartungen geweckt. Aber welcher Arbeitgeber wird das Geld freiwillig bezahlen?», sagte Werneke  dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). LĂ€nder, Bund und Kommunen hĂ€tten als Arbeitgeber von mehr als 5 Millionen BeschĂ€ftigten bereits erklĂ€rt, sie wollten nicht zahlen. «Wenn nicht mal der Staat seine eigenen Gesetze umsetzen will, warum sollten das dann private Arbeitgeber tun?», sagte der Gewerkschafter.

Weil Energie- und andere Preise infolge des Iran-Kriegs gestiegen sind, hatte die Bundesregierung vorgeschlagen, dass Arbeitgeber den Mitarbeitern eine solche KrisenprĂ€mie steuer- und abgabenfrei auszahlen können. Die Drogeriemarktkette Rossmann kĂŒndigte umgehend an, allen BeschĂ€ftigten eine PrĂ€mie zu zahlen, sobald die Entscheidung dazu rechtskrĂ€ftig sei - in der Regel 500 Euro, bei Verkaufshilfen 250 Euro. 

ThyssenKrupp: nicht zielfĂŒhrend

Dem Beispiel folgt keines der durch die dpa befragten Unternehmen, es gibt vor allem zurĂŒckhaltende bis kritische Reaktionen. «Aus Unternehmenssicht ist es nicht zielfĂŒhrend, zusĂ€tzliche pauschale Zahlungen in den Mittelpunkt der Energiepreisdebatte zu stellen», hieß es etwa vom Industriekonzern ThyssenKrupp. Bosch-Arbeitsdirektor Stefan Grosch sagte bei der Bilanzvorlage des Konzerns: «Das Gesetz liegt noch nicht vor. Und insofern, wenn es dann vorliegt, dann prĂŒfen wir das.»

So wie Bosch wollen viele Unternehmen erst die konkrete Regelung durch die Bundesregierung abwarten. Darunter sind die Autobauer Volkswagen und Mercedes-Benz, der Industriekonzern Siemens, der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck, der Energieversorger Eon, der RĂŒstungskonzern Rheinmetall und der ElektronikhĂ€ndler MediaMarktSaturn. Auch der Flughafenbetreiber Fraport, die Lufthansa und die Deutsche Börse haben noch keine Entscheidung getroffen. Die LebensmittelhĂ€ndler Edeka und Aldi Nord verwiesen auf den Handelsverband Deutschland (HDE). 

Handel: Viele können Erwartung nicht erfĂŒllen

Nach Angaben des Branchenverbandes lĂ€sst sich bislang nicht absehen, wie viele Handelsunternehmen die PrĂ€mie auszahlen. Der Verband sieht sie kritisch. Bei BeschĂ€ftigten werde eine Erwartung geweckt, die viele Unternehmen wegen der schwierigen wirtschaftlichen Ausgangslage nicht erfĂŒllen können, sagte HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Genth.

Die Otto Group kĂŒndigte an, die Regelung der Bundesregierung zu prĂŒfen, wenn sie konkret ausgestaltet ist, der ElektronikhĂ€ndler Expert verwies auf laufende interne Abstimmungen. «Ob und in welcher Form eine mögliche PrĂ€mie umgesetzt werden kann, prĂŒfen wir, sobald eine konkrete gesetzliche Ausgestaltung vorliegt», sagte auch ein Sprecher der Rewe-Group. Ähnlich Ă€ußerte sich der Autozulieferer Continental. 

Regierung: PrÀmien-Regelung soll möglichst schnell kommen

Nach Angaben von Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer lĂ€uft die regierungsinterne Abstimmung zur EntlastungsprĂ€mie. Diese solle möglichst schnell in Kraft treten. In den GesprĂ€chen geht es auch darum, den zunĂ€chst fĂŒr 2026 geplanten BegĂŒnstigungszeitraum auf das Jahr 2027 auszudehnen.

Der KonsumgĂŒterkonzern Henkel erklĂ€rte, man begrĂŒĂŸte es grundsĂ€tzlich, dass die Bundesregierung verschiedene Entlastungen in den Blick nehme. «Wir werden uns die gerade beschlossene EntlastungsprĂ€mie intern anschauen und können uns daher dazu noch nicht konkret Ă€ußern.» 

Tui: Unternehmen haben kaum Luft zum Atmen

Vom Reisekonzern Tui, der auf einen Beitrag des Vorstandschefs Sebastian Ebel auf der Plattform LinkedIn verwies, kamen andere Töne: «Jede Woche eine zusĂ€tzliche bĂŒrokratische HĂŒrde. Und dazu eine potentielle 1000€ steuerfreie Zahlung je Mitarbeiter seitens der Bundesregierung zu Lasten der deutschen Unternehmen, die eh kaum noch Luft zum Atmen haben. Bekommt keiner der Verantwortlichen mehr mit, wie die Situation in Deutschland ist?»

Andere Unternehmen wollten sich gar nicht Ă€ußern, etwa der Logistikkonzern DHL, dessen StammgeschĂ€ft des Briefversands Deutsche Post heißt, die Deutsche Telekom, der Autobauer Opel und die Deutsche Bahn. 

Große Vorbehalte im Mittelstand 

Auch fĂŒr die BeschĂ€ftigten im Mittelstand gibt es derzeit wenig Aussicht auf die PrĂ€mie. Nach einer Blitzumfrage des Bundesverbands mittelstĂ€ndische Wirtschaft kann sich nur ein FĂŒnftel der befragten gut 2.000 Unternehmen vorstellen, den Krisenbonus draufzulegen. Die HĂ€lfte hat sich demnach schon dagegen entschieden, wie das ZDF berichtete. Der Deutsche Hotel- und GaststĂ€ttenverband teilte mit, viele seiner Unternehmen könnten die PrĂ€mie nicht stemmen. 

Arbeitgeberverband sieht Firmen einseitig belastet

Die Bundesvereinigung der Deutschen ArbeitgeberverbÀnde (BDA) hatte bereits betont, man rechne damit, dass deutlich weniger Unternehmen die steuerfreie PrÀmie auszahlten als 2022. Damals hatte die Bundesregierung wegen der steigenden Lebenshaltungskosten infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine die sogenannte InflationsausgleichsprÀmie beschlossen.

BDA-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Steffen Kampeter sagte der «Bild»-Zeitung, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hĂ€tten Erwartungen geschĂŒrt und die ErfĂŒllung dieser Erwartung bei anderen abgeladen. «Man kann nicht eine Party bestellen und sie andere Leute zahlen lassen.» Das gehöre sich nicht.

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