Hohe, Rabatte

Hohe Rabatte fĂŒr RĂ€der könnten noch in diesem Jahr auslaufen

12.03.2025 - 13:01:39

20, 30 oder 40 Prozent Preisnachlass: Der Fahrradhandel versucht mit krÀftigen Rabatten, seine Lager zu rÀumen. Doch der Trend könnte sich auch bei E-Bikes bald drehen.

  • E-Bikes werden viel spĂ€ter verschrottet als es die Industrie angenommen hat. - Foto: Arne Dedert/dpa

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  • Der Absatz des Fahrradhandels ist 2024 zurĂŒckgegangen. - Foto: Jens BĂŒttner/dpa

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  • Die Fahrradindustrie hofft auf Investitionen in die Infrastruktur.  - Foto: Bernd Weißbrod/dpa

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E-Bikes werden viel spĂ€ter verschrottet als es die Industrie angenommen hat. - Foto: Arne Dedert/dpaDer Absatz des Fahrradhandels ist 2024 zurĂŒckgegangen. - Foto: Jens BĂŒttner/dpaDie Fahrradindustrie hofft auf Investitionen in die Infrastruktur.  - Foto: Bernd Weißbrod/dpa

SchnĂ€ppchenjĂ€ger konnten im vergangenen Jahr im deutschen Fahrradhandel gute GeschĂ€fte machen. Auch zu Beginn der Saison 2025 locken HĂ€ndler und Hersteller bereits wieder mit deutlichen Rabatten auf die Listenpreise. Hintergrund sind nach wie vor gut gefĂŒllte Lager, in denen noch Millionen fertige RĂ€der auf die Kunden warten und Kapital binden. Doch der Trend könnte sich bald drehen, sagen die Fahrradindustrie und der HĂ€ndlerverband VSF. 

Trotz der allgemein gestiegenen Verbraucherpreise mussten die Kunden im vergangenen Jahr fĂŒr ein durchschnittliches E-Bike 300 Euro weniger ausgeben als im Jahr zuvor, wie der Zweiradindustrieverband ZIV in Berlin berichtet. Zwar stiegen gleichzeitig die Preise fĂŒr die herkömmlichen RĂ€der leicht, doch unter dem Strich ging der Gesamtumsatz bei fast gleichbleibender StĂŒckzahl um 10,3 Prozent auf 6,33 Milliarden Euro zurĂŒck. 

SpÀtfolgen der Corona-Krise

Der Handel kĂ€mpft weiterhin mit den SpĂ€tfolgen der Corona-Krise. Konnte wĂ€hrend der Pandemie zunĂ€chst die sprunghaft gestiegene Nachfrage nicht gedeckt werden, folgte eine Phase der Überproduktion und des abgeflauten Kaufinteresses. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 3,85 Millionen RĂ€der verkauft. Das waren nur geringfĂŒgig (-2,5 Prozent) weniger als 2023, aber der Rekord aus dem ersten Corona-Jahr 2020 mit gut 5 Millionen StĂŒck blieb weit entfernt. 

Der RĂŒckgang um 1,1 Millionen StĂŒck ist allerdings allein auf die Bikes ohne Motor zurĂŒckzufĂŒhren, wĂ€hrend 2024 erneut ĂŒber 2 Millionen E-Bikes ihre Abnehmerinnen und Abnehmer fanden. 2024 ist das zweite Jahre in Folge, in dem in Deutschland mehr E-Bikes verkauft wurden als muskelbetriebene FahrrĂ€der. «Der E-Anteil wird weiter wachsen auf 70 bis 75 Prozent», sagt ZIV-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Burkhard Stork. 

Und das Blatt bei den Preisen wendet sich. Bereits 30 Prozent der Mitgliedsbetriebe berichteten von einem normalisierten Lagerbestand, sagt Caroline Bonn vom HĂ€ndlerverband VSF. Weitere 46 Prozent rechneten damit im Laufe dieses Jahres, nur ein knappes Viertel sieht bis 2026 Probleme. Die HĂ€ndler haben fĂŒr die neue Saison einfach deutlich weniger bestellt und ÜberbestĂ€nde abgebaut. 

Die deutschen Hersteller wie auch die Importeure lieferten 2024 nur noch 3,16 Millionen RĂ€der aus - nach 4,36 Millionen im Jahr zuvor. Die inlĂ€ndische Produktion wie auch der Rad-Import wurden deutlich zurĂŒckgefahren. 

Die Angst vor dem Schweine-Zyklus

Sollte sich nun der Handel aus kaufmĂ€nnischer Vorsicht bei den Bestellungen fĂŒr das kommende Jahr zurĂŒckhalten, droht ein sogenannter Schweine-Zyklus: Das reduzierte Angebot könnte der stabilen Nachfrage nicht entsprechen und die Preise wĂŒrden stĂ€rker steigen als eigentlich notwendig. Die Industrie will das nach den Worten Storks verhindern und mit möglichst kurzen Vorlaufzeiten flexibel auf die Anforderungen des Handels reagieren. «Der Handel wird wieder ordern», sagt dazu VSF-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Wöll. Aber selbst dann dĂŒrften 2026 die Zeiten der sehr hohen Rabatte vorbei sein. 

Mehr RĂ€der als Menschen

Ein Hemmnis fĂŒr den weiteren Absatz könnte die lĂ€ngere Haltbarkeit der verkauften RĂ€der sein. Nach EinschĂ€tzung der Industrie halten die Akkus und damit die gesamten E-Bikes deutlich lĂ€nger als erwartet und werden entsprechend erst nach durchschnittlich acht bis neun Jahren verschrottet. In der Folge ist der Bestand von E-Bikes in Deutschland im vergangenen Jahr auf 15,7 Millionen StĂŒck angewachsen. Das sind gut drei Millionen RĂ€der mehr als bei der Fortschreibung frĂŒherer Prognosen seit dem Jahr 2014 angenommen wurde. 

LĂ€ngst gibt es in Deutschland einschließlich der unmotorisierten Varianten mehr FahrrĂ€der (88,7 Mio) als Menschen (83,6 Mio). Industrievertreter Stork bleibt aber optimistisch, die Pro-Kopf-Quote auf den niederlĂ€ndischen Wert von 1,3 steigern zu können. Dazu sollen nach Meinung des Verbands auch die milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur beitragen, die von der kommenden Bundesregierung geplant werden. Bessere Radverkehrsbedingungen im Alltag und in der Freizeit gehörten zu den Investitionen, die am schnellsten umgesetzt werden könnten.

@ dpa.de