Lufthansa und Bundesverband: Kein Sommer-Chaos in Sicht
05.07.2023 - 15:31:50Der Flugverkehr nimmt weiter krĂ€ftig zu - aber ein Kofferchaos wie im vergangenen Sommer ist nach EinschĂ€tzung des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) nicht zu befĂŒrchten. Airlines und FlughĂ€fen hĂ€tten aus dem vergangenen Jahr viel gelernt und die ersten BewĂ€hrungsproben Ostern und soeben zum Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen bestanden, sagte BDL- HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Matthias von Randow am Mittwoch in MĂŒnchen.
Der Flugbetrieb der Lufthansa laufe deutlich stabiler und pĂŒnktlicher als im Vorjahr, sagte Airline-Chef Jens Ritter in Frankfurt. Den HĂ€rtetest ĂŒber Pfingsten mit widrigem Wetter, einer gesperrten Landebahn und mehr als 390.000 FluggĂ€sten an den Drehkreuzen Frankfurt und MĂŒnchen habe die Lufthansa bewĂ€ltigt.
Wie kam es zu dem Chaos 2022?
Vor allem wegen Corona. Anfang 2022 hatte es wegen der Omikron-Variante noch Reisewarnungen gegeben, im MĂ€rz wurden plötzlich alle BeschrĂ€nkungen aufgehoben. Die sprunghaft steigende Nachfrage nach Flugreisen traf die Branche, die kurz zuvor noch im Stillstand war, unvorbereitet. Im Sommer 2022 kam es in Frankfurt, DĂŒsseldorf und anderen deutschen FlughĂ€fen zu teils chaotischen ZustĂ€nden und extrem langen Wartezeiten, da Personal zur GepĂ€ckabfertigung fehlte. In MĂŒnchen standen im Juli 2022 rund 3000 Koffer von Lufthansa-Passagieren zur Nachsendung - die HĂ€lfte davon von anderen FlughĂ€fen, die mit der Abarbeitung nicht mehr nachkamen. Auch beim Check-in und bei den Sicherheitskontrollen gab es an einigen FlughĂ€fen sehr lange Schlangen.
Nach einer Auswertung des Airline-IT-Dienstleisters Sita wurden 2022 je 10.000 GepĂ€ckstĂŒcken in Europa 176 fehlgeleitet oder verspĂ€tet ausgeliefert, in den USA nur 63, in Asien sogar nur 30. Warum die EuropĂ€er so schlecht abschnitten, werde immer noch untersucht - er habe keine Antwort, sagte von Randow. Laut Sita wurden weltweit 25,4 Millionen Koffer fehlgeleitet - fĂŒr die Passagiere sehr Ă€rgerlich, fĂŒr die Branche sehr teuer: Jeder fehlgeleiteter Koffer koste die Airline bis zu 150 US-Dollar.
Was lÀuft jetzt besser?
Bei der GepĂ€ckabfertigung gebe es keine groĂen PersonallĂŒcken mehr: «Im Wesentlichen steht das Personal», sagte von Randow. «Bei uns arbeiten zehntausende Angelernte», sagte der BDL-Chef. Der Monatslohn liege bei annĂ€hernd 3000 Euro. ZusĂ€tzliches Personal sei aber nur noch auĂerhalb der EU zu finden. Viele Langzeit-Arbeitslose in Deutschland erfĂŒllten nicht die Anforderungen an ZuverlĂ€ssigkeit, Qualifikation, Sozialkompetenz, Sprache und Gesundheit. Deshalb sei er froh ĂŒber das neue Zuwanderungsgesetz.
Im vergangenen Jahr hatte die Branche noch versucht, rasch 2000 ArbeitskrĂ€fte aus der TĂŒrkei anzuheuern. Das scheiterte an den kurzen Fristen, Qualifikation und Deutschkenntnissen der Bewerber. Letztlich kamen nur rund 100 in MĂŒnchen und in NĂŒrnberg zum Einsatz.
Ein anderer groĂer Hebel fĂŒr Verbesserungen ist die Technik. BDL-Wirtschaftsexperte Dirk Helf sagte, der Anteil der Online-Check-Ins sei in Deutschland inzwischen deutlich auf ĂŒber 50 Prozent gestiegen. In MĂŒnchen checken sich sogar rund 90 Prozent der Lufthansa-Passagiere selbst ein.
Bei den Sicherheitskontrollen vereinfachen und beschleunigen immer mehr CT-Scanner den Ablauf, weil weniger HandgepĂ€ck ausgepackt werden muss, um etwa Laptops oder GetrĂ€nke zu prĂŒfen. Das Bundesbeschaffungsamt habe sich schwer getan, aber «MĂŒnchen war sehr vorneweg. Bayern hat einfach gesagt, wir machen einen Testbetrieb», sagte von Randow. Getestet, aber wieder aufgegeben wurden in MĂŒnchen von den Passagieren zu buchende Zeit-Slots fĂŒr die Sicherheitskontrollen. Damit sei es auch nicht schneller gegangen, sagte ein Flughafensprecher.
FĂŒr den eigenen Betrieb habe die Lufthansa-Airline mehr als 1000 neue Leute eingestellt und automatisierte Prozesse vorangetrieben, sagte Ritter. Auch werde sehr darauf geachtet, dass der erste Flug am Morgen pĂŒnktlich startet, um nicht bereits mit VerspĂ€tungen in den tĂ€glichen Umlauf zu starten. Die Lufthansa strich fĂŒr diesen Sommer auch tausende FlĂŒge, um gemeinsam mit FlughĂ€fen, Flugsicherung und Abfertigern einen stabilen Betrieb zu ermöglichen. DafĂŒr stehen mehr Ersatzmaschinen und Reserve-Crews zur VerfĂŒgung.
Wo hapert es noch?
Mit der PĂŒnktlichkeit sei man noch nicht ganz zufrieden, sagte Ritter. Bei der GepĂ€ckausgabe sei die Automatisierung noch nicht sehr fortgeschritten, sagte Helf.
Wie entwickelt sich das Verkehrsaufkommen?
Die Lufthansa bietet im Sommer etwa 85 Prozent der Vorkrisen-KapazitĂ€t an. Randow sagte, auch die Auslastung der Maschinen steige. Das Luftverkehrsaufkommen in Deutschland dĂŒrfte gut 10 Prozent ĂŒber dem Vorjahresniveau liegen. Der Europa-Verkehr ohne die Zubringer zu den Drehkreuzen liege deutlich darunter - aber im Langstreckenverkehr sei Frankfurt schon bei 91 Prozent, MĂŒnchen bei 83 Prozent. In MĂŒnchen ist der Nordamerika-Verkehr schon seit einem Jahr stĂ€rker als damals, hier setzt die Lufthansa den GroĂraumflieger A380 ein.


