25/ 50/ 25-Regel: So sollten BeschÀftigte Sitzen, Stehen und Bewegung verteilen
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deHöhenverstellbare Schreibtische, ergonomische MĂ€use und Haltungsschulungen gehören in vielen Unternehmen mittlerweile zur Standardausstattung. Eine systematische Ăbersichtsarbeit der University of Technology Sydney, veröffentlicht in der Cochrane Database of Systematic Reviews fĂŒr das Jahr 2026, stellt den therapeutischen Nutzen dieser Investitionen jedoch infrage.
Bei BeschÀftigten, die bereits unter arbeitsbedingten Beschwerden an Arm, Nacken oder Schulter leiden, zeigen ergonomische Arbeitsplatzanpassungen kurzfristig kaum bis gar keine messbaren Verbesserungen hinsichtlich Schmerz, FunktionsfÀhigkeit oder Genesung im Vergleich zu keiner Behandlung. Angesichts dieser Befunde rÀt Studienleiterin Dr. Poonam Mehta Arbeitgebern dazu, entsprechende Kosten sorgfÀltig abzuwÀgen.
Begrenzter therapeutischer Nutzen von Spezialausstattung
Die Cochrane-Untersuchung fasst die Ergebnisse aus 20 klinischen Studien mit insgesamt 2.478 Teilnehmenden zusammen. Davon befassten sich 13 Untersuchungen mit BĂŒroangestellten und Computernutzern, wĂ€hrend sieben Studien BeschĂ€ftigte aus Fabriken, NĂ€hereien oder Schlachthöfen analysierten. Die Evidenzsicherheit fĂŒr die untersuchten Interventionen wird von den Autoren als niedrig bis moderat eingestuft.
Neben Schmerzen und Funktionsstatus Ànderten ergonomische Arbeitsmittel auch an den krankheitsbedingten Fehlzeiten wenig. Gemischte Ergebnisse zeigten sich lediglich bei der LebensqualitÀt und der Inanspruchnahme medizinischer Versorgungsleistungen.
Leichte Vorteile wurden vereinzelt in Untergruppen beobachtet, etwa bei Betroffenen mit einer Rotatorenmanschetten-Tendinitis oder wenn Anpassungen Teil eines umfassenderen Programms waren. Die Autoren halten fest, dass Ergonomie zur PrÀvention bedeutsam bleibe, als alleinige Behandlung bestehender Beschwerden jedoch nicht ausreiche und körperlicher Bewegung unterlegen sei.
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Bewegung und Haltungswechsel vor Hardware
Experten aus dem Arbeitsschutz betonen wiederholt die Grenzen rein technischer Anpassungen. Dr. Britta Weber vom Institut fĂŒr Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in Berlin verweist darauf, dass die wichtigste MaĂnahme der regelmĂ€Ăige Wechsel der Haltung sei und nicht allein die Hardware.
Zwar böte eine 90-Grad-Sitzhaltung eine gute Orientierung, darin sollte man jedoch nicht acht Stunden verharren. Höhenverstellbare Tische seien zwar empfehlenswert, könnten Sport und Bewegung aber keinesfalls ersetzen.
FĂŒr BildschirmarbeitsplĂ€tze verweisen die ArbeitsstĂ€ttenregeln zudem auf eine BeleuchtungsstĂ€rke von 500 Lux sowie eine Monitorneigung, bei der die Oberkante weiter vom Nutzer entfernt ist. Bei Doppelbildschirmen sollte das HauptgerĂ€t direkt vor der Person stehen und der Zweitbildschirm seitlich platziert werden.
Auch die weit verbreitete Annahme, langes Stehen sei automatisch die gesĂŒndere Alternative zum Sitzen, wird durch wissenschaftliche Untersuchungen relativiert.
Eine Beobachtungsstudie im International Journal of Epidemiology mit mehr als 83.000 Teilnehmenden zeigte bereits im Jahr 2024, dass eine höhere Stehzeit nicht mit einem geringeren Herz-Kreislauf-Risiko einherging, sondern das Risiko fĂŒr Kreislaufbeschwerden steigern kann.
An der University of Sydney wird daher die 25/50/25-Regel empfohlen: BeschÀftigte sollten pro Stunde 30 Minuten sitzen, 15 Minuten stehen und 15 Minuten in Bewegung verbringen.
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Hohe Fehlzeiten erfordern breitere PrÀventionsansÀtze
Die Relevanz prĂ€ventiver MaĂnahmen im Betrieb bleibt unbestritten hoch. Laut dem DAK-Gesundheitsreport fĂŒr das Jahr 2025 entfielen in Deutschland rund 19,8 Prozent aller Fehltage auf Muskel-Skelett-Erkrankungen, bei einem Gesamtkrankenstand von 5,4 Prozent und durchschnittlich 19,5 Ausfalltagen je BeschĂ€ftigtem.
Der TK-Gesundheitsreport fĂŒr 2026 weist RĂŒckenleiden ebenfalls als fĂŒhrende Ursache fĂŒr ArbeitsunfĂ€higkeit aus und rĂ€t zu Haltungswechseln alle 45 bis 60 Minuten.
Eine Auswertung in The Lancet Public Health aus dem Jahr 2025, die 36 Ăbersichtsarbeiten mit 214 Einzelstudien bĂŒndelte, verdeutlichte bereits die Grenzen reiner Möbelanschaffungen: Sitz-Steh-ArbeitsplĂ€tze verringerten die tĂ€gliche Sitzdauer zwar um bis zu 75 Minuten, fĂŒhrten jedoch zu keiner signifikanten Steigerung der gesamten körperlichen AktivitĂ€t.
Wissenschaftler und Arbeitsschutzexperten empfehlen Unternehmen daher, ergonomische Modifikationen konsequent mit gezielten Bewegungseinheiten und aktiven Rehabilitationsangeboten zu verknĂŒpfen.
