3D-Druck-Sicherheit: BG ETEM aktualisiert Betriebsanweisungen 2026
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die industrielle Nutzung von 3D-Druck-Verfahren stellt Unternehmen vor komplexe Herausforderungen im Bereich der Arbeitssicherheit. Um den technologischen Entwicklungen Rechnung zu tragen, hat die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) für das Jahr 2026 eine Aktualisierung ihrer Muster-Betriebsanweisungen für additive Fertigungsverfahren angekündigt.
Unter dem Webcode M18672969 stellt die Berufsgenossenschaft Informationen bereit, die sowohl chemische als auch physikalische und mechanische Risiken adressieren.
Gefährdungsbeurteilung in der additiven Fertigung
Die Sicherheit beim 3D-Druck beginnt laut den Experten der BG ETEM bei der Identifikation vielfältiger Gefahrenquellen. Im Bereich der chemischen Gefährdungen stehen insbesondere Metallpulver, Polymerdämpfe und verschiedene Harze im Fokus. Diese Stoffe erfordern spezifische Schutzmaßnahmen, um gesundheitliche Beeinträchtigungen der Mitarbeiter zu verhindern.
Zusätzlich zu den stofflichen Risiken weist die Berufsgenossenschaft auf erhebliche physikalische Gefahren hin. Dazu zählen der Einsatz von Lasern der Klasse 4, die Arbeit an heißen Oberflächen sowie die mögliche Exposition gegenüber Röntgenstrahlen. Die mechanischen Gefährdungen variieren zudem je nach eingesetzter Technologie und den verwendeten Materialien, was eine differenzierte Betrachtung in den betrieblichen Anweisungen notwendig macht.
Sicherheitsstandards für Nachbehandlung und Pressverfahren
Wer im Betrieb mit 3D-Druck-Verfahren oder anderen technischen Anlagen arbeitet, muss die Risiken systematisch erfassen. Dieser kostenlose Report unterstützt Sie mit praxiserprobten Vorlagen dabei, eine rechtssichere Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, die vor jeder Aufsichtsbehörde standhält. Gefährdungsbeurteilung: Jetzt kostenlose Checklisten sichern
Ein wesentlicher Bestandteil der aktualisierten Richtlinien betrifft die Nachbehandlung von Bauteilen, insbesondere durch das isostatische Warmpressen (HIP). Dieses Verfahren dient der Verdichtung von Werkstücken bei hohen Temperaturen und unter isostatischem Argondruck, um Porosität zu eliminieren.
Der Prozess umfasst definierte Schritte von der Beladung über den Einsatz von Inertgas bis hin zur Haltephase unter Hitze und Druck sowie dem kontrollierten Abkühlen.
Für den Betrieb von hydraulischen Pressen, die in diesem Kontext genutzt werden, gelten strenge Sicherheitsvorgaben. Dazu gehören ein wirksamer Überlastschutz und die Anwendung kontrollierter Kraft.
Die BG ETEM warnt in diesem Zusammenhang vor Risiken durch Hydraulikflüssigkeiten, die bei Leckagen zu Bränden oder gefährlichen Injektionsverletzungen führen können. Regelmäßige Wartungen, die Beachtung von Warnzeichen wie Vibrationen oder ungewöhnlichen Geräuschen sowie die Schulung des Personals werden als essenziell eingestuft.
Die korrekte Dokumentation von Sicherheitsvorgaben ist für den Betrieb von industriellen Anlagen gesetzlich vorgeschrieben. Mit dieser editierbaren Word-Vorlage erstellen Sie in wenigen Minuten rechtssichere Betriebsanweisungen und schützen Ihr Unternehmen zuverlässig vor Bußgeldern. Kostenlose Word-Vorlage für Betriebsanweisungen herunterladen
Spezialisierte Sinterprozesse und thermische Verfahren
Die Betriebsanweisungen decken zudem innovative Konsolidierungsverfahren wie das Funkenerosionssintern (SPS) ab. Bei diesem Prozess kommen gepulster Gleichstrom und uniaxialer Druck zum Einsatz.
Ein charakteristisches Merkmal des SPS-Verfahrens sind die kurzen Zyklen von 5 bis 20 Minuten bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen, was die Erzeugung feiner Mikrostrukturen ermöglicht. Allerdings bestehen Einschränkungen hinsichtlich der Bauteilgeometrien und der erforderlichen Leitfähigkeit der Werkzeuge.
Für das Cu-Mo-Sintern wird auf die Bedeutung von atmosphärenkontrollierten Röhrenöfen verwiesen. Die Verwendung einer Argon-Atmosphäre verhindert hierbei die Oxidation und ermöglicht stabile Hochtemperaturbedingungen für die atomare Diffusion. Dies sei laut den vorliegenden Informationen die Voraussetzung für chemische Reinheit und strukturelle Stabilität der gefertigten Komponenten.
Umfassende Schutzmaßnahmen und betriebliche Prävention
Zur Risikominimierung sieht das Regelwerk der BG ETEM ein Bündel an Schutzmaßnahmen vor. Neben der Bereitstellung persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und einer effektiven Belüftung der Arbeitsbereiche stehen organisatorische Maßnahmen wie regelmäßige Schulungen im Vordergrund.
Für den Umgang mit Öfen gelten spezifische Sicherheitsvorkehrungen. Die Nutzung von hitzebeständigen Handschuhen, Schutzbrillen und Zangen ist obligatorisch. Zudem muss sichergestellt werden, dass beim Beladen der Strom abgeschaltet ist und keine Flüssigkeiten in die Anlagen gelangen. Neue Öfen müssen vor der regulären Inbetriebnahme fachgerecht eingebrannt werden, um die Betriebssicherheit dauerhaft zu gewährleisten.
