Abrechnungspraxis, Prioswiss

Abrechnungspraxis: Prioswiss wirft Fachärzten systematische Überforderung vor

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Prioswiss wirft Augenärzten und Dermatologen mögliche Doppelabrechnungen vor und verlangt aktuelle Daten zur Prüfung der Tardoc-Praxis.

Prioswiss kritisiert Tardoc-Abrechnungen von Spezialisten
Ein leerer, modern eingerichteter medizinischer Untersuchungsraum in hellen Farben mit natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

In der Debatte um die Wirtschaftlichkeit medizinischer Leistungen hat Saskia Schenker, Direktorin des Versicherungsverbandes Prioswiss, deutliche Kritik an der Abrechnungspraxis bestimmter Facharztgruppen geäußert.

Wie aus Berichten vom 5. September 2026 hervorgeht, die sich auf Aussagen Schenkers in der SRF-Samstagsrundschau stützen, sieht der Verband Anzeichen für systematisch überhöhte Abrechnungen im Rahmen des Tarifsystems Tardoc. Im Fokus stehen dabei insbesondere Praktiken zur Maximierung von Pauschalvergütungen.

Vorwurf der künstlichen Ausdehnung von Behandlungszeiträumen

Die Vorwürfe der Prioswiss-Direktorin richten sich gezielt gegen spezialisierte Mediziner, wobei Schenker explizit Augenärzte und Dermatologen nannte. Den betroffenen Fachgruppen wird vorgeworfen, medizinisch notwendige Behandlungen strategisch zu planen, um finanzielle Vorteile zu generieren.

Laut Schenker gebe es Hinweise darauf, dass Behandlungen, die üblicherweise innerhalb eines einzigen Termins abgeschlossen werden könnten, bewusst auf zwei aufeinanderfolgende Tage verteilt würden.

Dieses Vorgehen habe zur Folge, dass für eigentlich zusammengehörige Leistungen die entsprechenden Pauschalen im Abrechnungssystem doppelt geltend gemacht werden könnten.

Aus Sicht des Krankenversicherers stellt dies eine unzulässige Ausdehnung des Leistungsumfangs dar, welche die Gesundheitskosten unnötig belaste und die Integrität des Tarifgefüges Tardoc gefährde. Die Einhaltung der rechtlichen Sorgfaltspflichten bei der Rechnungsstellung sieht der Verband durch solche Praktiken infrage gestellt.

Diskrepanzen im Honorargefüge der Ärzteschaft

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Ein weiterer zentraler Punkt in der Argumentation von Prioswiss ist die Positionierung der verschiedenen ärztlichen Disziplinen innerhalb des Honorarsystems. Schenker hielt fest, dass Hausärzte trotz der beobachteten Tendenzen bei Spezialisten keineswegs besser gestellt seien.

Diese Feststellung unterstreicht die Sorge des Verbandes vor einer Schieflage in der Vergütungsstruktur, bei der spezialisierte Praxen durch die Gestaltung ihrer Abrechnungsabläufe finanzielle Spielräume nutzen, die allgemeinmedizinischen Praxen in dieser Form nicht offenstehen.

Die Debatte berührt damit grundlegende Fragen der Honorargerechtigkeit und der korrekten Anwendung tariflicher Vorgaben. Prioswiss betont in diesem Zusammenhang, dass die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung ein gesetzliches Gebot bleibe, das durch taktische Termingestaltungen nicht umgangen werden dürfe.

Forderung nach Transparenz und aktuellen Daten

Um die erhobenen Vorwürfe zu validieren und das tatsächliche Ausmaß der beschriebenen Abrechnungsmodelle zu erfassen, sieht Prioswiss die medizinischen Fachgesellschaften in der Pflicht. Der Verband fordert die Bereitstellung aktueller Daten, um die gegenwärtige Abrechnungspraxis einer detaillierten Überprüfung unterziehen zu können.

Bisher mangelt es laut den Verbandsangaben an einer ausreichenden Datengrundlage, um die Vorwürfe der überhöhten Abrechnungen abschließend und flächendeckend zu belegen. Die Kooperation der Fachgesellschaften wird daher als notwendiger Schritt erachtet, um Transparenz zu schaffen und gegebenenfalls regulatorische Korrekturen am Tarifsystem Tardoc vorzunehmen.

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Nur durch eine lückenlose Analyse der Abrechnungsdaten könne sichergestellt werden, dass das Vertrauen in die korrekte Abwicklung der Gesundheitsleistungen gewahrt bleibe und Fehlentwicklungen frühzeitig korrigiert werden könnten.

Wie am 5. September 2026 berichtet wurde, ist diese Aufforderung zur Datenoffenlegung ein zentraler Bestandteil der Strategie von Prioswiss, um die Einhaltung der Sorgfaltspflichten im Gesundheitswesen und die Stabilität der Versicherungsprämien langfristig zu sichern. Weitere Schritte hängen maßgeblich davon ab, inwieweit die ärztlichen Organisationen bereit sind, die geforderten Einblicke in die Abrechnungsmodalitäten zu gewähren.

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