Achtstundentag, Bas

Achtstundentag: Bas plant Flexibilisierung für Tarifbetriebe ab Juli

19.06.2026 - 03:31:45 | boerse-global.de

Arbeitsministerium plant Lockerung des Achtstundentags für tarifgebundene Firmen. Opposition und Wirtschaft kritisieren den Entwurf scharf.

Arbeitszeitreform: Neue Flexibilität nur für Tarifbetriebe
Achtstundentag - Eine Uhr mit unscharfen Zeigern und überlagerten digitalen Datenströmen, die Arbeitszeitflexibilität in einem modernen Büro symbolisiert. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Arbeitsministerin Bärbel Bas will den seit 1918 geltenden Achtstundentag als Grundsatz behalten – aber unter bestimmten Bedingungen aufweichen. Das 21-seitige Papier, das am Donnerstag bekannt wurde, erlaubt Tarifpartnern künftig eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit.

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Nur für Tarifgebundene

Die Flexibilisierung ist an eine zentrale Bedingung geknüpft: Sie gilt nur in tarifgebundenen Betrieben. Im Jahresdurchschnitt darf die Arbeitszeit 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Für Unternehmen ohne Tarifbindung bleibt die starre tägliche Acht-Stunden-Grenze bestehen. Das betrifft rund die Hälfte der Beschäftigten.

Das Ministerium betont: Die Lockerungen sind an strenge Auflagen zum Gesundheitsschutz gebunden. Das BMAS bezeichnete das Dokument als interne Arbeitsfassung, die noch nicht final abgestimmt sei.

Branchenregeln und Sonntagsarbeit

Der Entwurf enthält spezifische Ausnahmen. In Bäckereien soll die Sonntagsarbeit auf bis zu fünf Stunden ausgeweitet werden können, in öffentlichen Bibliotheken auf bis zu sechs Stunden. Auch die elektronische Zeiterfassung wird Pflicht – eine Reaktion auf Urteile des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts. Das Modell der Vertrauensarbeitszeit soll aber weiter möglich bleiben.

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Scharfe Kritik von Union und Wirtschaft

Die Opposition reagierte umgehend. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann erklärte, das Papier entspreche nicht dem Koalitionsvertrag und sei keine Grundlage für die weitere Zusammenarbeit. Aus der Unionsfraktion kommen Forderungen nach Flexibilisierung für alle Arbeitnehmer – unabhängig von der Tarifbindung.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger bezeichnete den Entwurf als „Zumutung“ und forderte dessen sofortigen Rückzug. Rund 76 Prozent der Unternehmen sind nicht tarifgebunden und blieben von den Lockerungen ausgeschlossen. Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, sprach von einem „Rückfall in veraltete Regulierungsmuster“. Auch Mittelstandsverbände wie der ZDH und der BVMW kritisierten die fehlende Flexibilität für kleinere Betriebe.

Gewerkschaften und Linke warnen

Während die Linke den Entwurf teilweise als zu weitgehend sieht und vor einem „Generalangriff auf soziale Errungenschaften“ warnt, mobilisieren Gewerkschaften wie der DGB mit Kampagnen für den Erhalt des Achtstundentags. SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kritisierte zudem, dass die Bundesländer nicht ausreichend in die Erarbeitung einbezogen worden seien.

Entscheidung im Juli erwartet

Eine Klärung des Streits ist für den 1. Juli 2026 geplant. Dann soll ein Koalitionsgipfel über die weitere Ausgestaltung des Gesetzes entscheiden. Das Reformpaket will das Ministerium noch vor der Sommerpause verabschieden.

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