Experten fordern: Ăltere Menschen besser vor Hitze schĂŒtzen
01.07.2025 - 14:48:15In extremen HitzefĂ€llen wie einem ĂŒber Tage bestehenden sogenannten Hitzedom könne es Zehntausende TodesfĂ€lle binnen weniger Tage geben, warnte der PrĂ€sident der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Geriatrie (DGG), Markus Gosch. Es fehle an grundlegenden Vorbereitungen, sagte auch Clemens Becker vom Geriatrischen Zentrum der Uniklinik Heidelberg.
Beide sind Mitautoren der Analyse "Hitzedom in Deutschland und wie gut wir darauf vorbereitet sind", die in der "Zeitschrift fĂŒr Gerontologie und Geriatrie" erschienen ist. Von einem Hitzedom sprechen Experten demnach, wenn eine starke Hochdruckzone eine Art Kuppel bildet, unter der die Hitze ĂŒber einem bestimmten Gebiet eingeschlossen ist. Dann könnten ĂŒber Tage oder sogar Wochen sehr hohe Temperaturen erreicht werden - etwa als im Sommer 2021 im Westen Nordamerikas in Teilen Kanadas und der USA Rekordwerte von mehr als 49 Grad Celsius gemessen wurden. Im Sommer 2023 starben in Deutschland bei einer Hitzewelle nach DGG-Angaben schĂ€tzungsweise 7.600 Menschen.
Ăltere Menschen sind gefĂ€hrdeter
Senioren seien ĂŒberproportional von hitzebedingten TodesfĂ€llen betroffen, so die DGG. Sie hĂ€tten eine verminderte Temperaturregulation und empfĂ€nden Durst nicht so stark. Bei Hitze könne es zudem zu Wechselwirkungen von Medikamenten kommen, ferner hat diese Gruppe hĂ€ufiger Vorerkrankungen und eine eingeschrĂ€nkte MobilitĂ€t sowie kognitive BeeintrĂ€chtigungen.
Die DGG fordert, HitzeaktionsplĂ€ne unter Einbeziehung extremer Szenarien zu ĂŒberarbeiten und Notaufnahmen auf Menschen mit Hitzschlag vorzubereiten. KrisenstĂ€be sollten eingerichtet werden, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. AuĂerdem sollten besonders gefĂ€hrdete Personen durch gezielte Datenabgleiche zwischen Kranken- und Pflegekassen identifiziert und durch mobile Einsatzteams geschĂŒtzt werden.
Urlaubssperren im Gesundheitssektor
Denkbar seien auch Urlaubssperren oder Urlaubsabbruch fĂŒr BeschĂ€ftigte im Gesundheitswesen und die Nutzung geschulter Laieneinsatzhelfer, heiĂt es weiter. In einzelnen Stadtteilen sollten gekĂŒhlte RĂ€ume zugĂ€nglich gemacht werden. "WĂ€hrend andere LĂ€nder bereits katastrophale Hitzewellen erlebt haben - und das sind lĂ€ngst nicht mehr nur die LĂ€nder im SĂŒden Europas -, fehlen in Deutschland grundlegende Vorbereitungen fĂŒr solche Extremereignisse", bemĂ€ngelte der Heidelberger Experte Becker.

