Elektroschrott am Wegesrand: Telefonzellen-Abbau dauert noch
20.01.2025 - 05:15:36 | dpa.deDie Deutsche Telekom ist mit dem Abbau von 12.000 Telefonzellen und anderen öffentlichen Telefonen, die im Januar 2023 auĂer Betrieb genommen wurden, noch immer nicht fertig. Man gehe davon aus, den Abbau im Laufe dieses Jahres abschlieĂen zu können, teilte der Konzern mit.Â
Vor zwei Jahren hatte die Telekom die Fernsprecher ausgeschaltet und dies mit einem stark rĂŒcklĂ€ufigen Bedarf begrĂŒndet - im Handyzeitalter ist keine Telefonzelle mehr nötig, um unterwegs jemanden anzurufen. Ihr Betrieb sei nicht wirtschaftlich, sie seien veraltet und verbrauchten groĂe Mengen an Energie, so die Telekom.
Einst hatte es in Deutschland sogar 160.000 öffentliche Telefone gegeben, diese Zahl sank mit den Jahren. Die letzten gelben HĂ€uschen, die noch aus Bundespost-Zeiten stammten, verschwanden 2018. In vielen StĂ€dten sind die magentafarbenen Stelen, TelefonhĂ€uschen und anderen Apparate noch immer zu sehen, obwohl sie keine Funktion mehr haben.Â
Manche Passanten sind verwundert
Am Bochumer Hauptbahnhof etwa hĂ€ngen zwei solcher Fernsprecher nebeneinander an einer Wand. Das fĂŒhrt zu kuriosen Alltagsszenen: Ein junger Mann geht vorbei, bleibt stehen und schaut ratlos auf die Anzeige. Er nimmt den Telefonhörer ab, liest einen ErklĂ€r-Text, schĂŒttelt den Kopf und hakt den Hörer wieder ein. FĂŒr den jungen Mann ist das wohl eine Art Blick in die Vergangenheit. Im Weggehen zĂŒckt er sein Handy.
Auf dem ErklĂ€r-Text am Wandtelefon steht, wie Telefonieren möglich sei: «Hörer abnehmen - Zahlungsmittel zufĂŒhren - Rufnummer wĂ€hlen und GesprĂ€ch fĂŒhren - Nach Ende des GesprĂ€chs Hörer auflegen - Zahlungsmittel entnehmen». Die Inlandsauskunft sei unter 11 8 33 erreichbar. All das sind fast schon museale Relikte: Das Telefon ist deaktiviert und die Auskunft eingestellt. Strom gibt es noch an dem Telefon, auf dem digitalen Display steht: «Entschuldigung, zur Zeit gestört».
Im Stadtbild noch prÀsent
Anderswo sieht es Ă€hnlich aus - etwa in der Innenstadt von Rottweil, wo eine Magenta-Stele zumindest im Sommer 2024 noch stand. «Sag ihr, dass Du sie liebst», hatte ein Scherzkeks auf Englisch auf den Telefonhörer geschrieben. Von diesem Telefon aus wĂŒrde es aber nicht mehr klappen mit der LiebeserklĂ€rung, auch das ist ausgeschaltet.
In der NRW-Landeshauptstadt DĂŒsseldorf und im niedersĂ€chsischen LĂŒneburg sowie zahlreichen anderen StĂ€dten steht die auĂer Betrieb genommene Telekom-Technik ebenfalls noch herum. Der Zustand ist mitunter desolat - mancherorts ist der Telefonhörer abgerissen, Glasscheiben sind kaputt. Immerhin muss die Telekom das nicht mehr reparieren.
Warum der Abbau so lange dauertÂ
Aber warum sind die deaktivierten Telefonanlagen ĂŒberhaupt noch da? Nach Darstellung der Telekom liegt das auch an der BĂŒrokratie. «Die Standorte werden Schritt fĂŒr Schritt zurĂŒckgebaut», sagt eine Firmensprecherin. Hierbei könne die Firma nicht allein vorgehen, sondern sie sei auf die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen und Behörden angewiesen. «Vom regionalen Energieversorger ĂŒber die BauĂ€mter, Baufirmen und Recycling-Unternehmen sind viele Menschen, Firmen und Ămter am RĂŒckbau beteiligt.»Â
Die Koordination sei aufwendig und werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. So könne es Monate dauern, bis der Energieversorger einen Auftrag zur Stromabstellung umsetze. «BauĂ€mter mĂŒssen fĂŒr jeden Tiefbau eine eigene verkehrsrechtliche Anordnung erstellen, und Baufirmen mĂŒssen sowohl die Stromlos-Schaltung als auch die erforderlichen Genehmigungen abwarten.»
Beim Abbau geht es auch um Tiefbau, da Betonfundamente in den Boden eingelassen sind. Die mĂŒssen ausgegraben werden. DafĂŒr benötige man «Aufgrabe- und Absperr-Genehmigungen». Beim Tiefbau seien lokale und regionale Besonderheiten zu beachten, in manchen StĂ€dten brauche man etwa eine «Bescheinigung zur Kampfmittelfreiheit» - also den Nachweis, dass keine Fliegerbombe im Untergrund ist. In anderen StĂ€dten dĂŒrften die notwendigen Pflasterarbeiten nur von einem Unternehmen durchgefĂŒhrt werden, das die Stadt vorgegeben habe. Alles in allem sei der Abbau der 12.000 Telestationen «sehr komplex». Es dauere leider noch «einige Zeit».
Fortschritte beim Abbau - zumindest etwas
In den Stadtverwaltungen ist das Thema bekannt. Ein Sprecher der Stadt Bochum etwa berichtet, dass die Telekom bei den Stadtwerken im August 2024 die Stromabschaltung von 43 öffentlichen Telefonen beantragt habe. An knapp der HĂ€lfte dieser Standorte sei das inzwischen erfolgt, bei der anderen HĂ€lfte werde dies bis Ende des ersten Quartals geschehen. Von der Stadt DĂŒsseldorf heiĂt es, die Telekom sei zustĂ€ndig. Man unterstĂŒtze aber den Abbau.Â
Fortschritte beim Abbau lassen sich am DĂŒsseldorfer Hauptbahnhof erkennen. Dort befinden sich vier Metall-Stelen, an denen die Telefone hingen. Die Telekom hat die Telefone inzwischen abgeschraubt, die Metall-Stelen sind aber noch da - ihre Ăffnungen oben und in der Mitte wurden mit Klebeband abgedichtet. Es wirkt wie Schrott, den niemand weggerĂ€umt hat.
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