Weltbank-Manager warnt vor Abkopplung: 'Alles wird global'
18.04.2024 - 06:17:32Der Entwicklungsexperte und Senior Managing Director bei der Weltbank, Axel van Trotsenburg, warnte davor, dass sich wohlhabendere LĂ€nder abkoppeln. "Heutzutage, und das hat man leider auch mit Covid gesehen, ist nichts mehr lokal, alles wird global. Das heiĂt, es braucht eine internationale Antwort", sagte er im GesprĂ€ch der Deutschen Presse-Agentur in Washington. Die internationale Gemeinschaft mĂŒsse sich auch weiter um die Ă€rmsten LĂ€nder der Welt kĂŒmmern, sagte van Trotsenburg. Es sei zwar einfach, sich "einzuigeln" und nur um die Probleme im eigenen Land zu kĂŒmmern. Aber van Trotsenburg betonte, es sei wichtig, SolidaritĂ€t zu leben.
Dabei spielten multilaterale Organisationen wie die Weltbank eine besondere Rolle, sagte der 65-JĂ€hrige. "Wir mĂŒssen im stĂ€ndigen Wandel sein." Deshalb sei es auch wichtig, dass die Weltbank derzeit einen Reformprozess durchmache. Ziel der Reform ist weiterhin die BekĂ€mpfung von Armut. Doch durch neue Kriterien bei der Vergabe der Weltbank-Kredite soll es sich fĂŒr Staaten mehr lohnen, in Projekte zu investieren, die nicht allein zu ihrem eigenen Nutzen sind - etwa in den Schutz von RegenwĂ€ldern und bedrohten Arten oder in die BekĂ€mpfung ansteckender Krankheiten.
Die Weltbank sei eine Art lernende Institution, die sich immer neuen Gegebenheiten anpasse, sagte van Trotsenburg. Dabei gebe sie nicht nur Geld weiter, sondern auch Wissen. Die aktuelle globale Zersplitterung sei allerdings eine enorme Herausforderung, sagte er auch mit Blick auf geopolitische Konflikte. "Ich bin schon lange bei der Weltbank. Ich glaube, man muss den Willen haben und ich weiĂ, es gibt immer neue Probleme", betonte er. Er sei aber ein "ewiger Optimist" und ĂŒberzeugt davon, dass es möglich sei, unterschiedliche Parteien zusammenzubringen. Van Trotsenburg arbeitet seit mehr als 35 Jahren bei der Weltbank.
Die Weltbank leiht armen LĂ€ndern Geld zu gĂŒnstigen Konditionen mit dem Ziel, deren Wirtschaft zu stĂ€rken und die Armut dort zu reduzieren. Die Organisation wird von 189 Staaten weltweit getragen. ZunĂ€chst war Hauptzweck der Organisation mit Sitz in Washington, den Wiederaufbau nicht zuletzt in Europa zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF stabile WĂ€hrungen zu schaffen. Seit den 1960er Jahren liegt ihre Kernaufgabe in der Entwicklungshilfe und im Kampf gegen die Armut, neuerdings auch im Klimaschutz. In der Regel hilft die Weltbank mit zinsgĂŒnstigen Darlehen und sogenannten Mikro-Krediten.
Sie koordiniert Entwicklungsprojekte, unterstĂŒtzt Bildungsangebote, leistet technische Hilfe und steht den bedĂŒrftigen Staaten bei Investitionen in Infrastruktur oder beim Kampf gegen Korruption zur Seite. Die Weltbank verfĂŒgt ĂŒber verschiedene Finanzierungsinstrumente. So vergibt die Entwicklungsorganisation IDA Kredite unter Auflagen an die Ă€rmsten LĂ€nder. Auf diese LĂ€nder entfallen inzwischen 90 Prozent aller Menschen, die von Hunger oder UnterernĂ€hrung betroffen sind. Einem aktuellen Bericht der Weltbank zufolge ist ein Drittel der 75 IDA-LĂ€nder Ă€rmer als vor Beginn der Corona-Pandemie. Mehr als die HĂ€lfte der IDA-LĂ€nder befindet sich im Afrika sĂŒdlich der Sahara.
Die Mitgliedstaaten der Weltbank sind zugleich die Kapitaleigner der Weltbank. Je höher der Anteil, desto mehr Stimmrechte besitzt das Land. GröĂter Anteilseigner sind die USA vor Japan und China. LĂ€nder wie Deutschland und Frankreich haben ebenfalls groĂen Einfluss.

