AGG-Reform, Bundestag

AGG-Reform: Bundestag beschließt Klagefrist-Verdopplung am 11. Juni

Veröffentlicht am: 05.06.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Novelle des AGG sieht lÀngere Klagefristen und einen erweiterten Schutz vor Diskriminierung vor. Die Antidiskriminierungsstelle meldet Rekordzahlen bei Beratungen.
Eine vielfÀltige Gruppe von Menschen steht in einem hellen, modernen Raum, der Gleichheit und Inklusion symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Juni die Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) in Angriff. Die Novelle soll den Diskriminierungsschutz ausweiten und Betroffenen den Rechtsweg erleichtern. Hintergrund sind zwei EU-Richtlinien und aktuelle Urteile des Bundesgerichtshofs.

Klagefrist wird verdoppelt

Das Bundeskabinett hatte den Entwurf bereits am 6. Mai verabschiedet. Der Kern: Die Frist fĂŒr Klagen steigt von zwei auf vier Monate. KĂŒnftig soll das Benachteiligungsverbot wegen des Geschlechts nicht mehr nur fĂŒr „MassengeschĂ€fte“ gelten – die EinschrĂ€nkung fĂ€llt weg.

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Auch der Schutz vor sexueller BelĂ€stigung wird ausgeweitet. Erfasst werden sollen kĂŒnftig Wohnungsmarkt, Fitnessstudios und Fahrschulen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) bekommt eine unabhĂ€ngige Schlichtungsstelle und darf Betroffene kĂŒnftig vor Gericht begleiten.

Sprachlich ersetzt der Begriff „Lebensalter“ das Merkmal „Alter“. Die sogenannte Kirchenklausel in Paragraf 9 AGG wird an die Rechtsprechung angepasst.

Rekord bei Beratungsanfragen

Die Reform kommt nicht von ungefĂ€hr. Die ADS verzeichnete 2025 mit 13.067 Beratungsanfragen einen Höchststand – ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Laut dem Jahresbericht von Ferda Ataman, der UnabhĂ€ngigen Bundesbeauftragten fĂŒr Antidiskriminierung, betrafen 43 Prozent der FĂ€lle rassistische Diskriminierung. 28 Prozent entfielen auf Behinderungen oder chronische Krankheiten, 22 Prozent auf das Geschlecht. Rund 3.600 Anfragen kamen aus dem Arbeitsumfeld.

Ataman warnte, rassistische Einstellungen gewĂ€nnen zunehmend an Boden. Den Reformentwurf hĂ€lt sie fĂŒr unzureichend. Sie fordert Klagefristen von zwölf Monaten und die Einbeziehung staatlicher Stellen. Der internationale Vergleich zeigt: Deutschland stellt rund 10,4 Millionen Euro fĂŒr Antidiskriminierungsarbeit bereit – Belgien gibt bei deutlich weniger Einwohnern eine Ă€hnliche Summe aus.

Kritik von allen Seiten

Die dbb bundesfrauenvertretung begrĂŒĂŸt die lĂ€ngere Klagefrist, vermisst aber das Merkmal „FĂŒrsorgeverantwortung“ im Gesetzeskatalog. Zudem fehlten Schutzmechanismen gegen Benachteiligungen durch KĂŒnstliche Intelligenz in der Arbeitswelt.

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Die AfD-Fraktion lehnt den Entwurf grundsÀtzlich ab und fordert die ersatzlose Streichung des AGG. Sie verweist auf ein Urteil des Arbeitsgerichts Berlin, das die Klage einer non-binÀren Person wegen falscher Anrede als rechtsmissbrÀuchlich abgewiesen hatte.

EU-Richtlinie: Deutschland sÀumig

Parallel zur AGG-Novelle lĂ€uft Deutschland die Zeit davon. Die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie endet am 7. Juni – ohne dass Berlin liefert. Ein Gesetz wird laut Familienministerium erst Anfang 2027 erwartet. BegrĂŒndung: RĂŒcksicht auf die Wirtschaft.

Arbeitsrechtsexperten warnen: Ab dem 8. Juni könnte die Richtlinie dennoch faktisch wirken. Gerichte mĂŒssen bestehende Gesetze dann richtlinienkonform auslegen. Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst könnten sich direkt auf bestimmte Regelungen berufen. FĂŒr Unternehmen mit ĂŒber 250 BeschĂ€ftigten drohen umfassende Berichtspflichten voraussichtlich ab Juni 2028.

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