Agrartagung in Zollikofen: Experten debattieren Arbeit und Digitalisierung
07.07.2026 - 05:22:11 | boerse-global.de
Im Mittelpunkt stehen die Attraktivität des Sektors, Gesundheitsaspekte und die Digitalisierung.
25. Arbeitswissenschaftliches Kolloquium gestartet
Das 25. Arbeitswissenschaftliche Kolloquium findet zeitgleich mit dem 3. Internationalen Symposium über Arbeit in der Landwirtschaft statt. Organisiert wird die Veranstaltung von der International Association on Work in Agriculture (IAWA), der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (BFH-HAFL) und Agroscope. Bis zum 10. Juli diskutieren Experten über menschenwürdige Arbeitsbedingungen und den Erhalt der psychischen sowie physischen Gesundheit von Beschäftigten.
Landwirtschaft als Arbeitgeber unter Druck
Wie kann die Landwirtschaft im Wettbewerb um Arbeitskräfte attraktiv bleiben? Diese Frage steht im Zentrum der Tagung. Die Digitalisierung biete Chancen für mehr Effizienz, verlange aber neue Qualifikationen und veränderte Arbeitsplätze, so die Experten. Im Rahmen der Veranstaltung wird zudem der Ludwig-Wilhelm-Ries-Preis verliehen. Die mit 750 Euro dotierte Auszeichnung würdigt junge Forscher auf dem Gebiet der Arbeitswissenschaften.
Die Notwendigkeit einer resilienten Agrarwirtschaft wurde zeitgleich auf internationaler Ebene unterstrichen. Bei einer Fachtagung in Yeosu betonten Ökonomen, dass digitale Transformation und KI als zentrale Wachstumsachsen fungieren könnten – gerade angesichts globaler Mehrfachkrisen und des Klimawandels.
Agrarhaushalt 2027: Kürzungen trotz steigender Anforderungen
Die Fachdebatten finden vor dem Hintergrund sich wandelnder politischer Rahmenbedingungen statt. Das Bundeskabinett hat jüngst den Entwurf für den Agrarhaushalt 2027 verabschiedet. Das Gesamtvolumen liegt bei knapp sieben Milliarden Euro – ein Rückgang um 0,3 Prozent.
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Besonders umstritten: Die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) wird um 54 Millionen Euro gekürzt. Auch der Zuschuss zur landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft sinkt um 30 Millionen auf 90 Millionen Euro. DBV-Präsident Rukwied warnte vor fehlender Planungssicherheit und kritisierte die Streichungen bei der sozialen Sicherung und der Stallbauförderung.
Auf einer Kundgebung am 6. Juli in Bopfingen forderten Landwirte mehr politische Wertschätzung und weniger Bürokratie. Ministerialdirektorin Isabel Kling sagte dort Erleichterungen bei Dokumentationspflichten zu.
Neue Regeln für Saisonarbeitskräfte
Parallel zur Debatte um Arbeitsqualität gibt es Änderungen bei den Beschäftigungsregeln. Arbeitsministerin Bärbel Bas hat Forderungen nachgegeben: Unterkunftskosten dürfen künftig unter bestimmten Bedingungen automatisch vom Lohn verrechnet werden. Zudem wurde die Grenze für sozialversicherungsfreie Beschäftigung von 70 auf 90 Tage angehoben – trotz interner Bedenken wegen möglicher Millionenverluste bei den Sozialkassen.
Drohnen und KI in der Praxis
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Technologische Innovationen werden längst in der Praxis erprobt. Im Obstinformationszentrum Forchheim wurde eine Agri-Photovoltaikanlage über Kirschbäumen errichtet. Sie produziert Strom, schützt vor Hagel und optimiert die Bewässerung. Drohnen erkennen zudem frühzeitig Schädlinge.
Auch in der Qualitätskontrolle hält die Technik Einzug: Auf einer Getreidetagung am 23. Juni in Freising-Weihenstephan zeigten Experten, wie KI-basierte Bildanalysen eine präzisere Sortenerkennung und Schadstoffbewertung ermöglichen. Das hilft nicht nur bei der Logistik, sondern auch bei der fairen Entlohnung der Erzeuger.
