Aios-Insolvenz: Rund 300 Beschäftigte an drei Standorten betroffen
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 02:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer saarländische Automobilzulieferer Aios hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenregie gestellt. Wie Medien am 24. Oktober 2026 übereinstimmend berichteten, sind davon rund 300 Beschäftigte an insgesamt drei Standorten betroffen. Das unter dem Namen Automotive Integrated Overhead Systems firmierende Unternehmen stellt Bauteile und Inneneinrichtungen für Fahrzeuge von Mercedes-Benz her.
Drohende Jobverluste und schwelender Tarifkonflikt bei Aios
Der Insolvenzantrag wurde beim Amtsgericht Bremen eingereicht. Hauptsächlich betroffen ist der Unternehmenssitz im saarländischen Überherrn-Altforweiler mit rund 240 Mitarbeitern. Zudem unterhält Aios zwei kleinere Betriebsstätten in Bremen sowie im baden-württembergischen Sindelfingen nahe Stuttgart.
Die IG Metall äußerte erhebliche Sorgen um die knapp 300 Arbeitsplätze und kritisierte, dass die Unternehmensleitung bislang kein tragfähiges Zukunftskonzept vorgelegt habe. Laut Gewerkschaftsangaben hatte die Geschäftsführung die Belegschaft bereits im Juni intern vor einem drohenden Insolvenzverfahren gewarnt.
In der Folge forderte die Arbeitnehmervertretung einen Sozialvertrag und rief im September zu einem Warnstreik auf. Die Geschäftsleitung von Aios wies den Vorwurf zurück, Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag verweigert zu haben. Für Samstag setzte die Gewerkschaft eine Beratung mit den Mitgliedern an; erneute Streikmaßnahmen wurden dabei nicht ausgeschlossen.
Wenn betriebsbedingte Kündigungen oder Umstrukturierungen drohen, ist die rechtzeitige Sicherung von Arbeitnehmerrechten entscheidend. Dieser kostenlose Leitfaden unterstützt Betriebsräte dabei, einen fairen Sozialplan zu verhandeln und Nachteile für die Belegschaft zu minimieren. Kostenlosen Ratgeber für Sozialplan-Verhandlungen herunterladen
Sparprogramme und Kostendruck beim Hauptkunden Mercedes-Benz
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Zulieferers treffen auf ein angespanntes Umfeld beim Großkunden Mercedes-Benz. Der Autobauer beabsichtigt im Zuge eines internen Sparkurses, die Zahl der Leiharbeiter an deutschen Standorten zu senken.
Laut Berichten vom 23. Oktober 2026 gehe es dabei nach Angaben aus Konzernkreisen um einige Tausend Stellen. In den Werken Sindelfingen, Bremen und Rastatt sind gegenwärtig etwa 3000 Zeitarbeiter tätig. Eine Konzernsprecherin betonte, dass Zeitarbeitnehmer die Stammbelegschaft lediglich ergänzten und diese nicht ersetzten.
Gleichzeitig treibt der Vorstand von Mercedes-Benz unter dem Stichwort einer Produktivitätsoffensive für Deutschland zusätzliche Sparmaßnahmen voran. Ziel des Managements ist Medienberichten zufolge eine jährliche Kostenreduktion von rund 800 Millionen Euro in Deutschland, was die operative Marge um knapp einen Prozentpunkt verbessern würde.
Die Überlegungen sehen vor, Arbeitskosten unter anderem durch unbezahlte Mehrarbeit sowie Kürzungen oder Streichungen von Weihnachts- und Urlaubsgeldern und der jährlichen Gewinnbeteiligung zu verringern. Betriebsrat und IG Metall lehnen diesen Vorstoß ab.
In Zeiten von Sparprogrammen und drohendem Stellenabbau ist die fundierte Kenntnis der Mitbestimmungsrechte für Arbeitnehmervertreter unerlässlich. Erfahren Sie in diesem Gratis-E-Book, wie Sie als Betriebsrat Ihre gesetzlichen Möglichkeiten voll ausschöpfen können. Gratis-Ratgeber zu Mitbestimmungsrechten jetzt sichern
Beschäftigungssicherung bis 2034 und laufender Stellenumbau
Ein Abbau von Stellen innerhalb der Stammbelegschaft wird bei Mercedes-Benz aktuell nicht angestrebt. Für die Stammbelegschaft in Deutschland besteht eine Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung bis Ende 2034. Zudem scheiden innerhalb der nächsten zehn Jahre rechnerisch rund 20 Prozent der Mitarbeiter altersbedingt aus dem Betrieb aus.
Zur Anpassung der Mitarbeiterzahl setzt der Automobilhersteller zudem auf freiwillige Trennungsprogramme. Nach einer Ankündigung von Ende September soll voraussichtlich im Dezember ein neues Abfindungsprogramm starten. In einer vorangegangenen Runde waren rund 40.000 Angestellte kontaktiert worden; 5500 Beschäftigte entschieden sich für das freiwillige Angebot und verließen das Unternehmen.
