Aktien: 77 Prozent der jungen Deutschen sehen sie als Altersvorsorge
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFinanzplanung bleibt für viele spät
- Der Bankenverband ließ von Ende Juni bis Mitte Juli fast 2.200 Menschen befragen.
- Wertpapiere lagen mit 41 Prozent hinter Tagesgeld mit 44 Prozent auf Rang zwei der meistgenutzten Anlageformen.
- Bei den Gründen gegen Aktien nannten 29 Prozent fehlendes Geld, 21 Prozent Verlustangst und 18 Prozent fehlendes Wissen.
Bankenverband sieht großes Interesse an Aktien
Viele Menschen in Deutschland halten Aktien und andere Wertpapiere für eine geeignete Form der privaten Altersvorsorge. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Bundesverbands deutscher Banken unter fast 2.200 Menschen, die im Sommer befragt wurden.
Bei den 16- bis 24-Jährigen bewerten 77 Prozent Wertpapiere für die Altersvorsorge als gut oder sehr gut geeignet; über alle Altersgruppen hinweg sind es 65 Prozent.
Wertpapiere rücken bei Jüngeren nach vorn
In der Rangfolge der meistgenutzten Anlageformen stehen Wertpapiere mit 41 Prozent hinter Tagesgeld mit 44 Prozent. Unter den Jüngeren werden Wertpapiere als wichtigste Anlageform genannt.
Lebensversicherungen und Bausparverträge sind nach Angaben des Bankenverbands vor allem in den mittleren Generationen verbreitet. Die Befragung erhob das Marktforschungsinstitut Infas Quo von Ende Juni bis Mitte Juli.
Mehr Aktionäre und ETFs in Deutschland
Auch die Zahl der Menschen mit Aktien, Aktienfonds oder ETFs ist gestiegen. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts besaßen 2025 rund 14,1 Millionen Menschen solche Wertpapiere, fast zwei Millionen mehr als im Vorjahr.
Dennoch bremsen finanzielle und psychologische Hürden den Einstieg. Als Gründe für Zurückhaltung nannten 29 Prozent fehlendes Geld, 21 Prozent Angst vor Verlusten und 18 Prozent fehlendes Wissen.
Interesse an Finanzen führt nicht immer zu Planung
Vier von zehn Befragten interessieren sich stark oder sehr stark für Wirtschafts- und Finanzthemen, weitere 34 Prozent etwas. Zwischen den Generationen gebe es dabei kaum Unterschiede.
52 Prozent schätzen ihre Kenntnisse in Geldfragen als gut ein. Beim Börsenwissen sagen 45 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, dass sie sich auskennen.
Junge Menschen planen seltener regelmäßig
Bei der regelmäßigen Beschäftigung mit den eigenen Finanzen zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Während sich ältere Menschen ab 40 häufiger Zeit für Finanzplanung nehmen, tun dies bei den 16- bis 24-Jährigen nur 24 Prozent; unter Senioren sind es 45 Prozent.
Auch die Altersvorsorge wird häufig aufgeschoben. 64 Prozent der jungen Befragten und 27 Prozent der erwerbsfähigen Menschen ab 60 haben sich nach der Umfrage noch keine ernsthaften Gedanken darüber gemacht.
Altersvorsorgedepot soll Kapitalmarkt öffnen
Bankenverbands-Hauptgeschäftsführer Heiner Herkenhoff warnt, aus dem späteren Beginn könne irgendwann ein zu später Beginn werden. Das geplante Altersvorsorgedepot biete die Chance, mehr Menschen für den Kapitalmarkt zu gewinnen und langfristigen Vermögensaufbau zu fördern.
Die Umfrage beschreibt ein Spannungsfeld zwischen wachsender Offenheit für Wertpapiere und einem weiterhin aufgeschobenen Beginn der Altersvorsorge. Besonders bei jungen Menschen ist die grundsätzliche Zustimmung hoch: 77 Prozent der 16- bis 24-Jährigen halten Aktien und andere Wertpapiere für geeignet. Zugleich beschäftigen sich nur 24 Prozent dieser Altersgruppe regelmäßig mit den eigenen Finanzen.
Damit liegt die zentrale Hürde nicht allein in einer grundsätzlichen Ablehnung des Kapitalmarkts. Fehlendes Geld, Verlustängste und Wissenslücken erschweren den Einstieg. Für die private Altersvorsorge ist zudem der lange Anlagehorizont entscheidend: Wer früh beginnt, kann regelmäßige Beiträge über viele Jahre verteilen und kurzfristige Kursschwankungen eher ausgleichen. Eine Anlage in Wertpapieren bleibt dennoch mit Risiken verbunden und setzt eine passende Streuung sowie eine ausreichende finanzielle Reserve voraus.
Altersvorsorge zwischen Interesse und Alltag
Die steigende Zahl von Menschen mit Aktien, Aktienfonds oder ETFs deutet auf eine breitere Nutzung des Kapitalmarkts hin. Gleichzeitig zeigen die Angaben zum Aufschieben der Vorsorge, dass Interesse nicht automatisch in konkrete Planung mündet. Das geplante Altersvorsorgedepot soll diesen Übergang erleichtern und mehr Menschen für langfristigen Vermögensaufbau gewinnen.
Für Verbraucher bedeutet das vor allem, finanzielle Entscheidungen nicht nur nach der aktuell beliebtesten Anlageform zu treffen. Entscheidend sind Ziele, Anlagehorizont, Kosten, Risikotragfähigkeit und die Frage, ob zunächst kurzfristig benötigte Rücklagen aufgebaut werden müssen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Spar-Sieger in der EU: Nur ein Nachbarland legt noch mehr Geld zurück als die Deutschen“ (29.10.2026)
Der Beitrag ordne die Diskussion in das hohe Sparaufkommen deutscher Haushalte und die geplante staatliche Förderung von ETFs und Aktien ein. Anders als die Umfrage richte er den Schwerpunkt auf die Anlage bestehender Rücklagen und den möglichen Kaufkraftverlust bei gering verzinsten Konten.
ntv: „Deutschland, das Land der Sparer? Fast jeder Zweite plündert sein Sparschwein“ (30.10.2026)
Der Beitrag habe eine Postbank-Umfrage zum Rückgriff auf Notgroschen thematisiert. Damit setze er einen anderen Akzent als die Bankenverbandsumfrage und lenke den Blick auf die Frage, wie viel Spielraum Haushalten nach laufenden Kosten überhaupt für langfristige Vorsorge bleibe.
Beide Beiträge unterstrichen die Bedeutung finanzieller Rücklagen und einer geeigneten Anlage. Offen bleibe, ob größere Offenheit für Wertpapiere tatsächlich zu regelmäßiger Altersvorsorge führe.
