Aktivrente: 9.000 Rentner mehr in MittelstÀndlern seit Januar
21.06.2026 - 08:31:33 | boerse-global.de
Eine Datenauswertung des IT-Dienstleisters Datev belegt den Trend.
2,1 Prozent mehr sozialversicherungsfrei beschĂ€ftigte Altersvollrentner verzeichneten kleine und mittlere Unternehmen im ersten Quartal 2026. Das zeigt eine Analyse von rund 5,5 Millionen Lohnabrechnungen. Besonders stark fiel der Zuwachs im MĂ€rz aus: plus 3,2 Prozent â der stĂ€rkste Anstieg seit Jahren.
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Datev-Chefvolkswirt Timm Bönke bezifferte den Zuwachs auf rund 9.000 zusĂ€tzliche ErwerbstĂ€tige. Sie arbeiten im Schnitt 20 Wochenstunden, umgerechnet etwa 4.300 VollzeitĂ€quivalente. Der Trend zeigt sich branchenĂŒbergreifend, besonders aber in Energie, Bau, Handel und im verarbeitenden Gewerbe.
Was die Aktivrente bringt
Die schwarz-rote Koalition beschloss die Aktivrente Ende 2025. Seit dem 1. Januar 2026 dĂŒrfen Arbeitnehmer nach Erreichen der Regelaltersgrenze bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Der Arbeitgeber berĂŒcksichtigt diesen Betrag direkt beim Lohnsteuerabzug.
Wichtig: Nicht genutzte FreibetrĂ€ge verfallen am Monatsende. Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld bleiben innerhalb der Grenze ebenfalls steuerfrei. Die Regelung gilt nur fĂŒr nichtselbststĂ€ndige TĂ€tigkeiten. Bei mehreren Arbeitgebern ist sie nur fĂŒr ein DienstverhĂ€ltnis möglich.
Ausgeschlossen sind Minijobber, SelbststĂ€ndige, Freiberufler, Beamte und FrĂŒhrentner. Die SozialversicherungsbeitrĂ€ge bleiben fĂ€llig. Werbungskosten können nicht geltend gemacht werden â der Fiskus sieht den hohen Freibetrag als Pauschalausgleich.
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Auch FrĂŒhrentner arbeiten mehr
Parallel zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom 19. Juni einen Trend bei FrĂŒhrentnern. Seit dem Wegfall der Hinzuverdienstgrenzen 2023 nutzen immer mehr diese Möglichkeit.
Besonders auffĂ€llig: Bei besonders langjĂ€hrig Versicherten mit 45 Versicherungsjahren stieg der Anteil derjenigen mit Einkommen ĂŒber der Minijob-Grenze von 18 Prozent (2022) auf 25 Prozent. Bei langjĂ€hrig Versicherten mit 35 Jahren kletterte er von 8 auf 14 Prozent.
IW-Ăkonomin Stefanie Seele kritisiert die gegensĂ€tzlichen Signale der Reformen. Sie könnten die Nachhaltigkeit des Rentensystems gefĂ€hrden.
Weitere Ănderungen fĂŒr Rentner
Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.348 Euro fĂŒr Alleinstehende. In Kombination mit der Aktivrente können erwerbstĂ€tige Altersrentner theoretisch bis zu 3.029 Euro monatlich steuerfrei beziehen. FĂŒr Neurentner des Jahres sind 84 Prozent der Rente steuerpflichtig.
Zum 1. Juli steigen die Renten um 4,24 Prozent. Der aktuelle Rentenwert klettert bundeseinheitlich auf 42,52 Euro. Gleichzeitig startet ein Pilotprojekt fĂŒr eine Ein-Klick-ErklĂ€rung â sie soll Arbeitnehmer mit bis zu 70.000 Euro Bruttoeinkommen steuerlich entlasten.
Langfristig zeichnen sich weitere Weichenstellungen ab. Eine Expertenkommission einigte sich auf Empfehlungen, die ab 2032 ein schrittweise steigendes Renteneintrittsalter vorsehen. Zudem soll eine verpflichtende kapitalmarktgedeckte Vorsorge nach schwedischem Vorbild kommen.
