Heil sieht Steuerbonus fĂŒr auslĂ€ndische FachkrĂ€fte kritisch
09.07.2024 - 16:24:38(aktualisierte Fassung)
BERLIN (dpa-AFX) - Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sieht die geplanten Steuererleichterungen fĂŒr auslĂ€ndische FachkrĂ€fte kritisch. "Das gehört zur Abteilung "Das mĂŒssen wir uns noch mal genauer angucken"", sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk. "Ich gebe zu, dass ich an diesem Punkt ĂŒber die Einigung nicht furchtbar glĂŒcklich bin, weil es zu MissverstĂ€ndnissen fĂŒhren kann."
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Christian DĂŒrr verteidigte die PlĂ€ne dagegen. "Wir wollen eine AnwerbeprĂ€mie fĂŒr FachkrĂ€fte einfĂŒhren, die wir dringend brauchen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Die groĂe Mehrheit der EU-LĂ€nder hat so eine Regelung ebenfalls. Und als gröĂte Volkswirtschaft in Europa hinken wir da bisher hinterher."
Steuerbonus ist Teil der geplanten Wachstumsinitiative
Der geplante Steuerbonus findet sich in der 31 Seiten starken Wachstumsinitiative, die die Spitzen der Koalition in der vergangenen Woche im Zusammenhang mit dem Kompromiss zum Bundeshaushalt 2025 beschlossen haben. Ziel der darin enthaltenen MaĂnahmen ist es, die lahmende deutsche Wirtschaft wieder anzukurbeln.
In dem Papier heiĂt es: "Um Deutschland attraktiver fĂŒr auslĂ€ndische FachkrĂ€fte zu machen, wird die Bundesregierung zudem steuerliche Anreize fĂŒr die Arbeitsaufnahme in Deutschland einfĂŒhren. Dazu können neu zugewanderte FachkrĂ€fte in den ersten drei Jahren 30, 20 und 10 Prozent vom Bruttolohn steuerfrei stellen." FĂŒr diese Freistellung werde man eine Unter- und Obergrenze fĂŒr den Bruttolohn definieren.
Scharfe Kritik der Opposition
Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, zeigte sich empört: "Das ist ein echtes InlĂ€nder-Benachteiligungsprogramm, das sich die Ampel da ausgedacht hat", sagte er der dpa. "Wie muss man sich das vorstellen? Ăsterreicher oder HollĂ€nder zahlen kĂŒnftig weniger Steuern als Einheimische, wenn sie in Deutschland arbeiten?" Ganz Ă€hnlich sprach BSW-Chefin Sahra Wagenknecht von einer "Politik gegen die eigene Bevölkerung". Sie sagte der dpa in Dresden: "Die PlĂ€ne sind ein Schlag ins Gesicht fĂŒr den NormalbĂŒrger, der hier schon immer brav seine Steuern und Abgaben zahlt."
Regelung soll nur fĂŒr FachkrĂ€fte gelten
FDP-Fraktionschef DĂŒrr machte deutlich, dass der Steuervorteil nur fĂŒr FachkrĂ€fte gelten solle und nicht fĂŒr FlĂŒchtlinge, wie Wagenknecht unterstellte. Die Ampel-Koalition habe ein neues Einwanderungsrecht mit klaren Kriterien und schnellen Visaverfahren geschaffen. "Dennoch bleiben wir ein Land mit bĂŒrokratischen HĂŒrden und hohen Steuern. Deshalb ist es völlig richtig, steuerliche Anreize als AnwerbeprĂ€mie fĂŒr gut ausgebildete FachkrĂ€fte anzubieten", erklĂ€rte DĂŒrr.
Arbeitsminister Heil betonte allerdings, solche Anreize seien nicht der entscheidende Punkt, wenn Deutschland fĂŒr FachkrĂ€fte wirklich attraktiv sein wolle. "Es geht eher um die Frage, ob wir anwerben, ob wir auf die StĂ€rken unseres Landes hinweisen", sagte der SPD-Politiker. "Das ist ein bisschen unsicher formuliert in diesem Papier", ergĂ€nzte Heil bei seiner Sommertour in Sigmaringen. "Wenn es nach mir gegangen wĂ€re, wĂ€re es auch gar nicht drin gewesen."
Kritik auch aus der Ampel
Kritische Stimmen waren auch aus den Ampel-Parteien SPD und GrĂŒne zu hören: "Ich verstehe vollkommen, wenn das die Leute irritiert", sagte Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) dem "Tagesspiegel". Die GrĂŒnen-Arbeitsmarktpolitikerin Beate MĂŒller-Gemmeke sagte der Zeitung: "Es gibt aus gutem Grund einen Gleichbehandlungsgrundsatz in unserem Arbeitsrecht." Dies wĂ€re aus ihrer Sicht nicht gewĂ€hrleistet, wenn bestimmte Gruppen bei gleicher Arbeit durch Steueranreize mehr Geld im Portemonnaie hĂ€tten.
Steueranreize seit Jahren ein Thema
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) hatte zuvor darauf hingewiesen, dass andere europĂ€ische LĂ€nder bereits SteuervergĂŒnstigungen fĂŒr zugezogene FachkrĂ€fte gewĂ€hrten. So ist in den Niederlanden seit Jahresbeginn eine Ă€hnliche Regelung wie die von der Ampel-Koalition geplante in Kraft.
Die Bundesregierung hatte bereits 2018 in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage 15 EU-LĂ€nder mit solchen Steuervorteilen genannt. Der Schwerpunkt lag dabei allerdings auf FĂŒhrungskrĂ€ften in Unternehmen und anderen hochqualifizierten und gut bezahlten Zuwanderern. Höhere SteuersĂ€tze als in ihrer Heimat schrecken gerade solche Zielgruppen oft von einem Wechsel ins Ausland ab.
Bernd Meurer, der PrĂ€sident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Alle Schritte, um internationale KrĂ€fte zu einer TĂ€tigkeit in Deutschland zu motivieren, begrĂŒĂen wir." Zugewanderte Arbeitnehmer hĂ€tten zudem in der Phase des Ankommens viele zusĂ€tzliche Kosten.

