Ukrainische Drohnen nahe Moskau abgeschossen
21.08.2024 - 07:28:52(Aktualisierung: Aufmachung: neue Zahlen zu Drohnen)
MOSKAU (dpa-AFX) - Im Gebiet Moskau wurden nach Behördenangaben in der Nacht zum Mittwoch elf ukrainische Drohnen abgeschossen, die in Richtung der russischen Hauptstadt unterwegs gewesen seien. Insgesamt habe die Luftabwehr 45 unbemannte ukrainische FluggerÀte gestoppt, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. UnabhÀngige Informationen oder Angaben der ukrainischen StreitkrÀfte dazu gab es zunÀchst nicht. Auch blieb unklar, um welche Art Drohnen es sich dabei gehandelt haben soll.
Einige der Drohnen gingen im Bezirk Podolsk nieder, der nur wenige Dutzend Kilometer sĂŒdlich der Moskauer Stadtgrenze liegt, wie der BĂŒrgermeister der russischen Hauptstadt, Sergej Sobjanin, mitteilte. Es sei der gröĂte Angriff dieser Art gewesen. Die meisten Drohnen - 23 - wurden dem Ministerium zufolge ĂŒber dem Gebiet Brjansk abgeschossen. In allen FĂ€llen habe es nach ersten Erkenntnissen keine Opfer oder Zerstörungen gegeben.
Die Ukraine ist seit dem russischen Ăberfall im Februar 2022 jede Nacht Luftangriffen ausgesetzt, die unter anderem wichtige Energie-Infrastruktur ins Visier nehmen. Auch in der Nacht zum Mittwoch wurden unter anderem Explosionen aus dem westukrainischen Gebiet Chmelnyzkyj gemeldet.
Ukrainischer VorstoĂ geht weiter
In der westrussischen Region Kursk rĂŒckten unterdessen ukrainische Truppen nach eigenen Angaben weiter vor. Ihrem Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj zufolge kontrollieren sie inzwischen 1263 Quadratkilometer und 93 Ortschaften in der Region. Am Vortag hatte der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj von 1250 Quadratkilometern und 92 Orten gesprochen.
Selenskyjs Lob fĂŒr das MilitĂ€r
Selenskyj lobte das MilitÀr in seiner tÀglichen Videoansprache, die er diesmal in der zentralukrainischen Industriestadt Kropywnytzkyj hielt. Die Lage im Osten der Ukraine, speziell im Raum um die StÀdte Pokrowsk und Torezk, sei schwierig, bekannte der PrÀsident. Aber: "Die Verteidiger tun alles, um die Okkupanten zu vernichten", sagte er, ohne nÀher auf Details einzugehen. Stattdessen hob er die Fortschritte im Gebiet Kursk hervor, wo die ukrainische Armee weiter GelÀndegewinne erziele. Die Ukraine erreiche ihre Ziele, PrioritÀt habe die Gefangennahme russischer Soldaten, um sie spÀter gegen ukrainische Gefangene auszutauschen, betonte der ukrainische Staatschef.
In dem seit ĂŒber zwei Jahren wĂ€hrenden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ist es Kiew mit seiner vor zwei Wochen begonnenen Offensive erstmals gelungen, den Krieg in das Land des Aggressors zurĂŒckzutragen. Die Lage in der Region Kursk ist nach Ansicht von MilitĂ€rexperten schwierig fĂŒr die dort stationierten russischen Truppen. Speziell Einheiten sĂŒdlich des Flusses Sejm droht nach der Sprengung mehrerer BrĂŒcken die EinschlieĂung. Im Netz kursierten im Tagesverlauf mehrere Videos, in denen zu sehen war, wie ukrainische Drohnen MilitĂ€rfahrzeuge zerstörten, die versuchten, BehelfsbrĂŒcken ĂŒber den Fluss zu verlegen.
Pentagon: Russland tut sich mit Kursk-Gegenoffensive schwer
Auch nach EinschĂ€tzung des US-Verteidigungsministeriums hat Russland Schwierigkeiten, auf die ukrainische Gegenoffensive in Kursk zu reagieren. Es gebe Anzeichen dafĂŒr, dass Moskau eine kleine Zahl an Einheiten in das Gebiet verlege, sagte Pentagon-Sprecher Pat Ryder in Washington. "Generell wĂŒrde ich aber sagen, dass Russland sich wirklich schwer damit tut, zu reagieren." Die Ukraine habe ihren Gegner "eindeutig in BedrĂ€ngnis gebracht", betonte Ryder. Ukrainische StreitkrĂ€fte rĂŒckten demnach weiterhin in das Gebiet vor.
Auf die Frage, ob Washington den VorstoĂ der Ukrainer öffentlich befĂŒrworte, antwortete Ryder nicht direkt, sondern verwies auf PrĂ€sident Selenskyj. Dieser habe gesagt, dass es darum gehe, eine Pufferzone zu schaffen, erlĂ€uterte der US-Sprecher. Man setze die GesprĂ€che mit Kiew fort, um mehr ĂŒber die genauen Ziele zu erfahren. Ryder betonte jedoch wie bereits eine Pentagon-Sprecherin am Tag zuvor, dass die ukrainische Gegenoffensive in Kursk nichts an der UnterstĂŒtzung der USA fĂŒr Kiew Ă€ndere.
Kremlchef Putin zieht Parallelen zu Terrorismus
Russlands PrÀsident Wladimir Putin hat sich bislang ebenfalls schwergetan, eine passende Antwort auf den ukrainischen Vormarsch zu geben. Bei einer Reise in den Kaukasus versuchte er nun die Offensive in eine Reihe mit einer Massengeiselnahme vor 20 Jahren zu stellen. "Wir wissen sehr gut, dass aus dem Ausland nicht nur versucht wurde, das ungeheure Verbrechen zu rechtfertigen, sondern dass von dort den Terroristen auch jegliche Hilfe geleistet wurde: moralische, politische, informative und finanzielle", sagte Putin bei einer Gedenkveranstaltung in der Kleinstadt Beslan.
In Beslan hatten im September 2004 ĂŒber 30 Terroristen mehr als 1100 Menschen - Kinder, Eltern und Lehrer - in einer Schule als Geiseln genommen. Beim Sturm der Schule kamen 334 Menschen ums Leben, mehr als die HĂ€lfte davon Kinder. Gegen diese "Feinde Russlands", mĂŒsse Russland auch heute noch kĂ€mpfen. Nun wĂŒrden sie Verbrechen im Gebiet Kursk und im Donbass verĂŒben. Doch genauso wie damals gegen die Terroristen werde Russland heute auch gegen die "Neonazis" siegen, versicherte der 71-JĂ€hrige. Beweise fĂŒr eine Verbindung zwischen den tschetschenischen Terroristen damals und der sich gegen Moskaus Invasion verteidigenden Ukraine brachte er nicht.
Bei einer anschlieĂenden Reise nach Tschetschenien besuchte Putin mit dem dortigen regionalen Machthaber Ramsan Kadyrow unter anderem ein Zentrum fĂŒr die Ausbildung von SpezialkrĂ€ften, wo nun russische Soldaten fĂŒr den Krieg trainiert werden.
Das wird am Mittwoch wichtig
Am Mittwoch werden sowohl Putin als auch Regierungschef Michail Mischustin den chinesischen MinisterprÀsidenten Li Qiang empfangen. Li Qiang ist vom 20. bis 22. August auf Einladung Mischustins in Moskau. China gilt als wichtigster Partner Russlands. Moskau ist nach Beginn seines Angriffskriegs in AbhÀngigkeit von Peking geraten. China hat im Gegensatz zu Europa und den USA Russlands Krieg nicht verurteilt und ungeachtet der westlichen Sanktionen den Handel mit seinem Nachbarn ausgebaut.

